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Udo und München - eine große Liebe. Das Publikum liegt dem Entertainer zu Füßen.

Seine Münchner Jahre

Udo Jürgens: An der Isar geht sein Stern auf

München - Die Last wiegt schwer – mit der Udo Jürgen ­Bockelmann Ende der 1950er-Jahre nach München kommt: Er braucht dringend Anerkennung! Er muss bestehen können

D ie Last wiegt schwer – mit der Udo Jürgen ­Bockelmann Ende der 1950er-Jahre nach München kommt: Er braucht dringend Anerkennung! Er muss bestehen können – vor der Familiengeschichte, dem Großvater, der Bankier des Zaren in Moskau war, den Onkeln und dem Vater, die es ins Großbürgertum geschafft hatten. Nur Udo war als Kind vor allem eins: verträumt. In der Schule wurde er als Weichei gehänselt; im Sport war er der Langsamste. Doch was er wirklich konnte: Klavier spielen, eigene Stücke komponieren, mit selbst geschriebenen Liedern kleine Geschichten erzählen! Dafür brauchte er kein Abitur. Den musikalischen Feinschliff holte er sich amKonservatorium. Denn mit Musik wollte er sein Geld verdienen – und zwar so viel, dass er davon zumindest eine Familie ernähren konnte …

Die ersten Jahre in München sind bescheiden: Er teilt mit Nachtclub-Gastronom und Schauspieler Thommy Hörbiger und Disco-Zampano Sergio Cosmai ein möbliertes Zimmer in Schwabing, absolviert eine musikalische Ochsentour. Ein Zeit lang ist er auch mit Bandleader Max Greger unterwegs. Als Interpret nimmt er Lieder auf, die ihm fremd sind. Er spielt und singt in Heile-Welt-Filmen. Udos erster Achtungserfolg: Jenny (1960), ein Lied, das Ralph Maria Siegel (1911–1972) verlegt hat.

Erst die Begegnung mit dem Musikproduzenten und Strippenzieher Hans R. ­Beierlein 1963 in der Münchner Pension Georgia sollte die Wende in Udos Leben bringen, die wahre Wandlung vom Kärtner Udo Jürgen Bockelmann zum Megastar Udo Jürgens. Beierlein erkennt das Talent und rät, seine eigenen Songs zu ­schrei­ben. Schon ein Jahr später gelingt der Durchbruch, als Udo Jürgens mit Warum nur, warum am Schlager-Grand-Prix teilnimmt und den fünften Platz belegt. Zwei Jahre später dann der fulminante Sieg in Luxemburg – mit ­Merci, Chérie. Den Text hatte er zusammen mit seinem Spezl Thommy Hörbiger geschrieben. Welch ein Erfolg! Einer, der um die Welt geht. Einer, der sich in Abermillionen Ohren festsetzt. Einer, der richtig Geld bringt! Eigentlich wollte Udo gar nicht an diesem Grand Prix teilnehmen, doch Beierlein hatte ihn dazu gezwungen.

Den nächsten großen Hit schreibt er zusammen mit Joachim „Blacky“ Fuchsberger: Was ich Dir sagen will. 1967. In diesem Jahr kommt auch Tochter Jenny zur Welt. Doch trotz des Erfolges, Udo bleibt bescheiden: Als er Fuchsberger zum ersten Mal in seiner Villa besucht, nimmt er in der Aktentasche Pantoffeln mit, um das Haus nicht mit Straßenschuhen betreten zu müssen.

Die Tourneen werden länger, die Konzerthallen größer – ein Rekord jagt den nächsten, Beierlein sagt: „Live ist Udo unschlagbar.“ 1969 reist Udo schon im 600er Mercedes-Pullmann durch die Lande. Geht eine Konzert­reise zu Ende, beginnt schon die nächste. Udo genießt es, die Massen zu begeistern, und gibt alles – bis zur totalen Erschöpfung. Er wird süchtig danach, bei den Zugaben im Bademantel den letzten Rest aus sich zu holen und die tausenden Fans im Chor die Refrains singen zu lassen – mit Kamillentee am Flügel.

Nach einem solchen Abend ist Udo glücklich, euphorisiert. Das ist die Anerkennung, nach der er bis zum letzten Tag trachtet. Dazwischen kommen Alltag und Leere – und die setzen ihm oft zu. Die Familie, die er sich so sehr gewünscht hatte, zahlt einen hohen Preis. Seine erste Frau Panja ist meistens allein daheim; Sohn John kommt 1964 in München zur Welt, als Udo gerade auf Japan-Tournee ist, drei Jahre später folgt Jenny. Dazwischen liegt ein folgenschwerer Seitensprung, der lange geheim gehalten werden konnte – in Wien kommt 1965 Tochter Sonja auf die Welt, und es heißt, der Hit 17 Jahr, blondes Haar, habe ihrer Mutter gegolten.

Zumindest ruft Udo Jürgens jeden Tag daheim an – Johnny und Jenny erleben Papas Stimme am Telefon. Oft verspricht er, dass es bald besser und er ein bisschen mehr Zeit haben würde. Doch das wird er selbst mit 80 Jahren noch sagen.

Die weiblichen Fans liegen Udo Jürgens zu Füßen, er genießt den Ruhm; Udo kann alle Frauen haben. Er arbeitet und schreibt um sein Leben, und er liebt besessen. Viele Liebschaften werden ihm nachgesagt, und seine Frau Panja leidet. 26 Jahre bleiben sie verheiratet; einige Jahre davon in München, wo Udo sie auch kennen lernte, viele in Kitzbühel, die letzten in Zürich. Denn 1977 zieht Udo Jürgens nach einer Steueraffäre in die Schweiz.

Die Millionen fließen und fließen. Udo Jürgens und sein Produzent Hans R. ­Beierlein teilen 17 Jahre lang alles – die Megaerfolge, manches Problem und bisweilen auch die Frauen. „Wir waren wie Brüder“, wird Beierlein später sagen. Doch eines Tages ist alles dahin – und die Freundschaft Gerichtssache: Udo Jürgens fordert die Rückgabe der Rechte an seinen Hits. Die Prozesse ziehen sich über Jahre. Im Rückblick sagte Udo einmal: „Ein Manager ist immer irgendwo auch ein Spieler, setzt auf Zahl oder Farbe. Und immer liebt er eine Farbe ganz besonders – die des Geldes!“

Nur Freddy Burger, sein letzter langjähriger Manager, sollte da eine Ausnahme bleiben – er war ihm Freund bis zum Tod.

Udos München-Verbindung waren zuletzt noch seine Plattenfirma Ariola, mit der er einen Vertrag auf Lebenszeit hatte (Monti Lüftner hatte ihn geholt), und sein Sohn John mit Ehefrau ­Hayah und den drei Kindern. Der DJ, Radiomoderator und Fotokünstler hat seinen Vater oft im Leben vermisst. Zum 80. Geburtstag gratulierte er ihm in der tz: „Musik war bei Dir stets an erster Stelle, und es war nicht immer leicht, das zu akzeptieren. Hättest Du diesen Weg aber nicht gewählt, wärst Du nicht glücklich geworden.“ Sich jetzt endlich mehr zu sehen, blieb ein ungelebtes Versprechen.

Ulli Schmidt

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