Ungebremste Star-Power

- San Francisco - Über Hollywoods Vorschriften bei Dreharbeiten sah der "harte Blonde" am liebsten hinweg, besonders bei gefährlichen Autoszenen. So saß kein Stuntman, sondern Steve McQueen selbst am Steuer eines Ford Mustang und raste 1968 in dem Thriller "Bullitt" durch die Straßen von San Francisco. Die knapp 10-minütige Verfolgungsjagd mit dem wortkargen Star in der Rolle eines Cops ging in die Filmgeschichte ein. McQueen, der ohnehin schon zu den Bestverdienern in Hollywood zählte, wurde zur gefeierten Legende.

An diesem Montag (7. November) vor 25 Jahren starb der Hobbyrennfahrer und Schauspieler an einem Herzinfarkt kurz nach einer Krebsoperation im mexikanischen Juarez, wo der Schwerkranke auf Heilung durch alternative Medizin hoffte. Seine Rennfahrerleidenschaft mag zu dem frühen Tod im Alter von 50 Jahren beigetragen haben. McQueen litt an einem seltenen Lungenkrebs, der möglicherweise durch Asbestfasern in seinen Schutzanzügen hervorgerufen wurde.

Hätte sich der Schauspieler, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden wäre, wie Marlon Brando vor der Welt verkrochen oder stünde er wie Paul Newman immer noch vor der Kamera? Wie James Dean wuchs McQueen im ländlichen US-Staat Indiana auf. Mit ihm teilte er die Leidenschaft für schnelle Autos und das Leid eines zerrütteten Elternhauses. Der Vater ließ die Familie in Stich. Die Mutter, eine Nachtclubtänzerin, gab das Kind in die Obhut von Verwandten. Nach Gelegenheitsjobs als Holzfäller, Verkäufer und bei der Marine lernte der Hobbyschauspieler sein Handwerk - wie Brando, Dean und Newman bei dem legendären Lee Strasberg in New Yorker Actors Studio.

Doch es war gerade McQueens Wortkargheit und die stoisch-coole Fassade, mit der er Hollywood und die schnell wachsende Fan-Gemeinde verführte. Seine einsamen Helden ließ der Draufgänger mit den stahlblauen Augen durch Taten statt durch Worte sprechen. Die erste Hauptrolle spielte er 1958 in dem Science-Fiction-Streifen "Blob Schrecken ohne Namen". In dem Western "Die Glorreichen Sieben" glänzte er als Revolverheld an der Seite von Yul Brunner, Charles Bronson und Horst Buchholz. Durch waghalsige Motorradstunts als flüchtiger Kriegsgefangener in "Gesprengte Ketten" wurde er 1962 weltweit bekannt. In "Cincinnati Kid" war er ein besessener Glücksspieler, in "Thomas Crown ist nicht zu fassen" ein galanter Bankräuber. Seine einzige Oscar-Nominierung holte sich der Schauspieler 1966 mit dem Kriegsdrama "Kanonenboot am Yang-TseKiang".

McQueen steckte Millionen-Gagen ein und gab sie für seine Rennleidenschaft auch schnell wieder aus. Ein finanzieller Flop war der von ihm produzierte "Le Mans" (1971) über das französische Autorennen. Doch es folgten weitere Star-Aufritte als Ausbrecher in dem Krimi "The Getaway", als einsilbiger Sträfling in "Papillon" und in dem Katastrophenfilm "Flammendes Inferno". Als er 1980 in "Jeder Kopf hat seinen Preis" zum letzten Mal vor der Kamera stand, war er schon vom Krebsleiden gezeichnet.

Für eine Werbekampagne ließ der Autohersteller Ford kürzlich die Filmlegende noch einmal auferstehen. Der digitale McQueen setzt sich ans Steuer eines neuen Ford Mustang und rast los. Sheryl Crow besang den Star und landete mit "Steve McQueen" einen großen Hit. Auch McQueens erste Ehefrau, Schauspielerin Neile Adams, hält die Erinnerung an den Ex-Gatten mit ihrer Teilnahme an Filmvorführungen wach. Auf dem Weg zur Hochzeit 1956 sei der rasante Bräutigam von Verkehrspolizisten angehalten worden. Das Knöllchen redete er ihnen aus und spannte die Cops stattdessen als Trauzeugen ein, erzählte sie einer Lokalzeitung in Palm Springs.

In den 70er Jahren ließ Ali MacGraw ihren Mann im Stich, um den inzwischen geschiedenen "Getaway"-Kollegen zu heiraten. Die Hollywood-Liebe hielt fünf Jahre. Kurz vor seinem Tod heiratete der Frauenschwarm das Modell Barbara Minty. "Dad war ein Spieler, daran gibt es keine Zweifel", sagt Sohn Chad - aus der ersten Ehe mit Adams - über den berühmten Vater. Doch hinter der coolen Fassade verbarg sich ein komplexer Darsteller. "Schauspielern ist wie Rennen fahren", sagte McQueen in einem Interview. "Man geht tief in sich rein und bringt dabei eine Menge Scherben ans Licht. Das kann sehr schmerzhaft sein."

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