Unklarheit um von Hagens Professoren-Titel

- Peking/Hamburg - Der Professoren-Titel von Ausstellungsmacher Gunther von Hagens sorgt weiter für Unklarheit. In einem Schreiben des Wissenschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2001 zur "Anerkennung eines ausländischen Grades" werde von Hagens die Zustimmung erteilt, für die "Dauer der Lehrtätigkeit an der Dalian Medical University" den Titel eines "Visting Professor" zu führen.

<P>Das erklärte von Hagens Institut für Plastination in Heidelberg. Die Gastprofessur in der Stadt Dalian erhielt der Anatom nach chinesischen Angaben 1996 als Würdigung für seine Unterstützung der medizinischen Universität. Dort hieß es am Dienstag: Von Hagens habe "nie unterrichtet".</P><P>Der umstrittene Initiator der Ausstellung "Körperwelten" hatte vor kurzem in London vor zahlendem Publikum die Leiche eines im Alter von 72 Jahren gestorbenen Deutschen zerschnitten. Auch in München will er eine Leichensektion durchführen. Die "Pforzheimer Zeitung" hatte am Wochenende berichtet, dass von Hagens seinen Professoren-Titel zu Unrecht trage.</P><P>Der Titel sei für seine Kooperation bei der Entwicklung der Plastination an der Medical University Dalian verliehen worden, berichtete eine Sprecherin des Außenbüros der Universität von Dalian. Im Büro des Universitätspräsidenten hieß es ferner, es habe eine anfängliche Kooperation beim Aufbau eines Forschungsinstituts gegeben, aus der von Hagens aber ausgestiegen sei. "Der Titel wurde ihm aus Höflichkeit gegeben", erläuterte zusätzlich Professor Sui Hongjin, über den einst der Kontakt mit von Hagens lief.</P><P>Nach eigenen Angaben hat Sui Hongjin auch als Geschäftsführer eines Unternehmens für Plastination in Dalian gearbeitet, das von Hagens gegründet hatte. Beide seien aber heute geschiedene Leute.</P><P>Professor Sui Hongjin ist nach eigenen Angaben aus dem Unternehmen ausgeschieden. Für ihn habe es Hinweise gegeben, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Details nannte er aber keine. Die Firma habe von Hagens 1999 mit einem registrierten Kapital von 15 Millionen US-Dollar gegründet. Doch seien nur 8 Millionen investiert worden. 40 bis 50 Millionen Yuan (5 Millionen Euro) seien in Gebäude und Anlagen geflossen, berichtete der Professor.</P><P>Während seiner Zusammenarbeit mit der Universität Mitte der 90er Jahre habe von Hagens auch Reisen von Fakultätsmitgliedern nach Deutschland finanziert. Das Außenbüro berichtete, dass die Universität die Gastprofessuren einmal für Lehraufträge, zum anderen als Dank für Leistungen für die Universität vergebe.</P><P>Professor Sui Hongjin, der heute weiter in der Plastination arbeitet, sagte: "Ich bin dagegen, dass er menschliche Körper als Werkzeug benutzt." Öffentliche Leichensektionen dienten nur dazu, die Neugier der Menschen zu befriedigen. "Es ist nicht wissenschaftlich. Es fehlt an Respekt gegenüber den Toten und der Menschlichkeit."</P>

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