Ein unkonventioneller Filmemacher - Roman Polanski wird 75

Paris - Seine Filme sind so dramatisch und unkonventionell wie seine Biografie. Satanismus, Gewalt und Flucht - Roman Polanski spricht nur ungern über sein Leben. Dafür sind seine Werke umso aussagekräftiger.

Auch die Charles-Dickens-Verfilmung von "Oliver Twist", einer seiner jüngsten Streifen, hat streng genommen autobiografische Züge. Denn die Kindheit des französisch-polnischen Regisseurs, der am  Montag, 18. August, 75 Jahre alt wird, war nicht weniger tragisch. Seine Mutter kam in Auschwitz um. Er überlebte seine Flucht aus dem Krakauer Ghetto auf dem Land bei Kleinbauern.

In den Filmen des immer noch sehr jungenhaft wirkenden Filmemachers geht es um Menschen, die dem Bösen ausgeliefert sind - entweder in ihren Ängsten oder aber in ihrer wirklichen Welt. So wie er. Im Jahr 1969 wird seine im achten Monat schwangere Frau Sharon Tate von Anhängern der okkulten Manson-Sekte in Los Angelos auf bestialische Weise getötet. Nach diesem Mord ging es in Polanskis Filmen noch gruseliger und blutiger zu. "Es lag auf der Hand, dass es in meinem nächsten Film, egal was es werden würde, blutig und düster zugehen würde. Hätte ich eine Komödie gedreht, hätte man mir vorgeworfen, ich sei unsensibel", sagte Polanski selbst.

So ist "Macbeth" nach seinem zum Kultfilm gewordenen Horrorstreifen "Rosemary's Baby" ein Stück geworden, das in Blut badet und im völligen Wahnsinn endet. Ein Meilenstein in der Tradition des "Film noir" war auch sein 1974 für mehrere Oscars nominiertes Werk "Chinatown", ein schonungsloser und brutaler Detektiv-Thriller.

Die Vergangenheit holte den 1933 in Paris geborenen Filmemacher auch in seinem mehrfach preisgekrönten Film "Der Pianist" ein. In diesem halb-biografischen Streifen versteckt sich Polanski, der über sich selbst schrieb, dass viele in ihm einen bösen und lasterhaften Zwerg sehen, hinter der authentischen Geschichte des jüdischen Klavierspielers Wladyslaw Szpilman. Dieser wartet in ständiger Angst und völlig ausgehungert auf das Ende des Krieges. In diesem Film arbeitet Polanski erstmals das Trauma seiner Kindheit auf.

Polanski gelang es jedoch, die Erfahrung der Gewalt, die er persönlich schon sehr früh gemacht hat, nicht nur in schwerblütigen Filmen zu verarbeiten. In "Tanz der Vampire" zum Beispiel verpackt er den Horror in einen leichtfüßigen Stil mit witzigen Überraschungseffekten. Dieser Klassiker entstand noch in Hollywood. Um einem Prozess in Amerika zu entkommen, zog der Filmemacher 1978 nach Paris. Polanski soll 1977 im Haus von Jack Nicholson eine 13- Jährige vergewaltigt haben.

Der Regisseur ist seit 1976 französischer Staatsbürger und seit 1989 mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist einer der unkonventionellsten Filmemacher seiner Zeit. Seine Filme sind zum Teil surrealistische Werke zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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