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Ottfried Fischer (links) hat in zweiter Instanz gegen seinen früheren Erpresser gesiegt.

Prozess um Sex-Video

Fischer-Erpresser: Trotz Urteil auf freiem Fuß

München - Trotz mehrjähriger Haftstrafe ist der Erpresser von Kabarettist Ottfried Fischer nach Verlassen des Gerichtssaals ein freier Mann.

Ein Mann, der den Schauspieler Ottfried Fischer (60) mit einem Sexvideo erpressen wollte, ist zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er bleibt jedoch auf freiem Fuß. Das Münchner Landgericht verhängte am Mittwoch drei Jahre und acht Monate Gefängnis. Der Verurteilte saß bereits drei Jahre in türkischer Auslieferungshaft - jeder Tag im Gefängnis von Istanbul zählt eineinhalb Tage in einer deutschen Vollzugsanstalt.

Der 40-jährige Kellner hatte im April 2010 mehrmals auf dem Handy Fischers angerufen und 150 000 Euro für ein Video gefordert, das den „Pfarrer Braun“-Star mit zwei Prostituierten in Aktion zeigt. Es handelte sich um eine Kopie - das Original landete bei einem Reporter der „Bild“-Zeitung. Dieser hatte daraufhin über die PR-Agentin des Schauspielers ein Exklusiv-Interview mit Fischer erreicht, war aber später von der Anklage der Nötigung in zweiter Instanz freigesprochen worden. Über die Revision der Staatsanwaltschaft hat das Oberlandesgericht noch nicht entschieden.

Die inzwischen in die Türkei abgetauchte damalige Lebensgefährtin des Kellners hatte eine Kopie von dem Video gezogen, das der Angeklagte zu Geld machen sollte. Fischer war aber nicht mehr erpressbar, sein Treffen mit den Prostituierten war bereits allgemein bekannt. Die Polizei ermittelte den Anrufer rasch, der in seiner italienischen Heimat festgenommen wurde. Nach seiner Entlassung setzte er sich zu der Freundin in die Türkei ab, ein halbes Jahr später griff ihn die dortige Polizei auf. Warum die Auslieferung erst so spät erfolgte, ist ungeklärt.

Der Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt. Ein Ermittlungsbeamter bescheinigte ihm ein „relativ chaotisches Vorgehen“. Er sei „völlig ohne Konzept“ gewesen, ergänzte sein Verteidiger Christian Lux.

Das Urteil beruhte auf einer Absprache zwischen den Beteiligten. Nach den Gesamtumständen gehe die Strafkammer entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht mehr von einem besonders schweren Fall aus, sagte Vorsitzender Gilbert Wolf. Der Angeklagte sei nicht die treibende Kraft gewesen, und die Ausführung des Verbrechens sei „laienhaft“ gewesen. Wegen der langen Haft in der Türkei darf der Täter nach Hause zu seinem Bruder, der ihn nach dem Urteil sichtlich gerührt in die Arme nahm.

dpa

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