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"El Chapo" wird von Bewaffneten zu einem Armeehubschrauber gebracht.

Treffen in Geheim-Versteck

Sean Penn interviewte Drogenboss "El Chapo"

New York - Am Freitag fassen mexikanische Soldaten den Chef des Sinaloa-Kartells nach einem halben Jahr auf der Flucht. Vor wenigen Monaten noch hat Guzmán sich in seinem Versteck mit Hollywood-Star Penn unterhalten. Er sprach über seine Kindheit, Drogen und Gewalt.

Der am Freitag gefasste mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán hat dem US-Hollywoodstar Sean Penn nach Medienangaben während seiner Flucht ein Aufsehen erregendes Interview gegeben.

Das Magazin "Rolling Stone" veröffentlichte auf seiner Website in der Nacht zum Sonntag einen langen Erfahrungsbericht des Schauspielers. Zum Beleg, dass sich die beiden Männer wirklich in Guzmáns Versteck getroffen haben, veröffentlichte das Magazin ein Foto, das ihn und Penn beim Handschlag zeigt.

In dem Gastbeitrag schildert Penn die abenteuerlichen Umstände, unter denen sein Treffen mit "El Chapo" zustande gekommen sei. Guzmán habe Fragen zu seinem Aufstieg vom jugendlichen Orangenverkäufer zum berüchtigten Drogenbaron beantwortet, über sein "glückliches" Leben nach der Flucht aus dem Gefängnis gesprochen und die Frage verneint, ob er ein gewalttätiger Mensch sei.

"In unserer Gegend gibt es keine Jobs. Die einzige Möglichkeit, um Geld für Essen zu verdienen, ist der Anbau von Opium, Marihuana", sagt "El Chapo" in einem Videointerview, das er Penn nach dem Treffen schickte. "Ich verteidige mich nur selbst, nicht mehr. Ob ich Streit anfange? Niemals."

Kontakt kam durch Schauspielkollegin zustande

Der Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells war am Freitag in der westmexikanischen Stadt Los Mochis festgenommen worden, ein halbes Jahr nach seiner Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Ihm droht die Auslieferung in die USA, wo mehrere Haftbefehle gegen ihn vorliegen.

"El Chapo" erzählte außerdem, er habe seine Ingenieure zu einer dreimonatigen Fortbildung nach Deutschland geschickt. Der Chef des Sinaloas-Kartells war vor sechs Monaten aus dem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano ausgebrochen. Seine Helfer hatten einen 1,5 Kilometer langen Tunnel mit elektrischem Licht, Luftzufuhr und einem Schienensystem bis in seine Zelle gebaut.

Den Kontakt zwischen Penn und "El Chapo" hatte die mexikanische Schauspielerin Kate de Castillo hergestellt. Sie spielt in der Telenovela "La Reina del Sur" (Die Königin des Südens) selbst eine Drogenhändlerin und stand mit Guzmán wegen eines Filmprojekts über sein Leben in Kontakt.

Penn schwieg bisher zu dem Treffen

Das Interview fand im Oktober an einen unbekannten Ort in Mexiko statt. Damals waren die Sicherheitskräfte "El Chapo" schon einmal dicht auf den Fersen. Im sogenannten Goldenen Dreieck zwischen den Bundesstaaten Sinaloa, Durango und Chihuahua feuerten Marineinfanteristen von Hubschraubern aus auf sein Versteck in einer Ranch, doch die Leibwächter des Kartellbosses konnten den Angriff zunächst zurückschlagen. Zwar verletzte sich Guzmán bei der Flucht, doch die Sicherheitskräfte verloren ihn aus den Augen.

Das Treffen von Penn und Guzmán könnte die Ermittler erneut auf die Spur des Drogenbosses gebracht haben. "Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt der Schauspieler in seinem Artikel.

Bei einer Gala in Beverly Hills hat Hollywood-Star Sean Penn (55) einem Medienbericht zufolge jeden Kommentar zu seinem Treffen mit dem Drogenboss „El Chapo“ verweigert. Gefragt danach, habe er lediglich „Ich kann nicht“ gesagt und sei gegangen, berichtete die US-Filmzeitschrift „Variety“. Die Benefizveranstaltung in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) kam einer von Penn gegründeten Haiti-Hilfsorganisation zugute. „Variety“ wirkte dabei als Sponsor mit.

dpa

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