Vergleich zwischen Bohlen und Anders

- Berlin - Mit einem Vergleich ist der Gerichtsstreit um Schmerzensgeld zwischen Pop-Produzent Dieter Bohlen und seinem Ex-Modern-Talking-Partner Thomas Anders zu Ende gegangen. Bohlen und sein Verlag Random House zahlen an Anders 60 000 Euro für einen karitativen Zweck, einigten sich die Anwälte beider Seiten am Freitag vor dem Berliner Kammergericht in zweiter Instanz.

Anders hatte sich durch Passagen in Bohlens Buch "Hinter den Kulissen" verleumdet gesehen. Sein Ruf als Sänger und Familienvater sei geschädigt worden. Die Kontrahenten erschienen am Freitag nicht vor Gericht. Sie ließen sich von Anwälten vertreten.

In der ersten Instanz hatte Anders noch mit einer Million Euro das bislang höchste Schmerzensgeld in der deutschen Medienwelt gefordert. Das Berliner Landgericht wies die Klage im Februar ab und deutete an, dass der Schlagersänger einen Werbegag gestartet haben könnte. In seiner Berufungsklage gegen das Urteil war Anders nun von seiner nach Gerichtsansicht "exorbitanten Summe" abgerückt. Jetzt forderte er mit 250 000 Euro nur noch ein Viertel des einstigen Betrages.

Der Vorsitzende Richter Leopold Nippe sprach von einer befriedigenden Lösung. "Beide Seiten sind aufeinander zugegangen." Nippe hatte den Vergleich vorgeschlagen. Unberechtigte Äußerungen müssten nicht unbedingt zu einer Geldentschädigung führen, hatte er zuvor gesagt. Dies sei laut Bundesgerichtshof immer eine Frage des Einzelfalls.

Anders muss laut Einigung nachweisen, dass das Geld für karitative Zwecke verwendet wird. Dies solle aber anonym bleiben, betonte sein Anwalt Christoph Meyer-Bohl. Der Sänger wolle nicht an die große Glocke hängen, für welche Einrichtungen er spende. Er wolle auch klarstellen, dass es Anders nicht um "Abzocke und Bereicherung" gehe, sagte der Anwalt. Der 42-jährige Anders muss laut Vergleich aber einen Großteil der Gerichtskosten übernehmen. Die 60 000 Euro tragen Bohlen (51) sowie der Verlag zu gleichen Teilen.

Bohlen hatte in seinem Bestseller zunächst behauptet, sein früherer Musikpartner habe Gelder bei einer gemeinsamen Tournee im Jahr 2002 in die eigene Tasche gewirtschaftet. Der Anwalt für Random House, Rainer Dresen, betonte, dass die erste Auflage des 2003 erschienenen Buches mit der strittigen Passage bereits nach zwei Tagen vom Markt gewesen sei. "Den Prozess hätten wir uns sparen können."

In einem anderen Rechtsstreit hatte das Kammergericht im Juni rechtskräftig die umstrittene Textpassage aus Bohlens Buch verboten. Auf Grund unwahrer Behauptungen seien Persönlichkeitsrechte von Anders verletzt worden, hatte das Gericht die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt.

Das gefeierte Popduo Modern Talking hatte sich im Juni 2003 getrennt. Mit Songs wie "You/re My Heart, You/re My Soul", "Cheri Cheri Lady" und "Brother Louie" hatten Bohlen und Anders vor allem in den 80er Jahren die Charts gestürmt.

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