Viel nackte Haut, nur die Stimme fehlt

- New York - Wo ist Britney Spears? Der spärlich bekleidete Körper der Pop-Prinzessin ist auf den Titelbildern der Magazine kaum zu übersehen und sie scheint in den USA auf allen TV-Sendern in allen Talk-Shows gleichzeitig zu sein. Aber etwas Entscheidendes fehlt auf ihrem vierten Album "In The Zone", das in diesen Tagen in die Läden kommt: ihre Stimme.

<P>Britney Spears Produzenten scheinen der bloßen Haut als Magnet für die Fans mehr zu vertrauen als der puren Sangeskunst der 21-Jährigen.</P><P>Und so wird ihre Stimme digital verzerrt, wie in dem Duett mit Madonna "Me Against The Music", versteckt sich hinter Background-Gesang, wie bei "Touch Of My Hand", oder verkleidet sich erotisch durch orgiastisches Stöhnen, Kieksen oder geheimnisvolles Flüstern, wie bei "Breathe On Me". Je mehr Hüllen die Pop-Sängerin fallen lässt, desto mehr Accessoires scheinen die Produzenten im Studio ihrem Gesang hinzugefügt zu haben. "Ihre Stimme ist so stark künstlich verfremdet, dass sie fast verschwindet. Hinter den glitzernden Beats klingt Spears so intim wie eine aufblasbare Plastik-Puppe", mokiert sich das Musik-Fachblatt "Rolling Stone".</P><P>Dafür hat Spears Label Jive für das neue Album nach zweijähriger Pause alles ins Studio geholt, was Rang und Namen hat, von DJ Moby bis zu HipHop-"Hit-Garant" R. Kelly und Sean "P. Diddy" Combs. Ghetto-Flair verbreiten die Ying Yang Twins, die bei dem Song "(I Got That) Boom Boom" mitmischen. Madonna als Zugpferd wurde schon im Vorfeld für das Musik-Video der ersten Single-Auskopplung "Me Against The Music" eingesetzt mitsamt einem angedeuteten Kuss zwischen ihr und Britney, der live auf der Bühne bei den MTV-Preisen im Sommer für Furore sorgte.</P><P>Das beste aus der Musik-Branche, das mit viel Geld zu haben ist, ist auf dem Album versammelt. Stilistisch konsequent ist diese Mischung nicht, aber gefällig. Nach dem R&B-Sound von Mary J. Blige klingt der Song "Showdown", an Disco-Pop im Stil von Kylie Minogue erinnert "Breathe On Me".</P><P>Und Moby glänzt durch eleganten Einsatz elektronischer Synthesizern, Geigen und anderer Samples bei dem After-Party-Song "Early Mornin'". Von der Produktionsseite her ist diese Mischung jedenfalls äußerst kreativ: "Das Album ist eigentlich ziemlich fantastisch. Die Beats sind frisch und bedienen intelligent die Club-Szene, die Produktion ist inspiriert. Alles, was fehlt, ist die Sängerin", schreibt die "New York Times".</P><P>Dabei hat sich Britney diesmal mehr als nur auf Tanzen und Auftritte vor der Kamera verlegt: Für neun der 12 Songs auf dem Album zeichnet sie als Co-Autorin verantwortlich. Eine Tatsache, auf die sie stolz hinweist. "Das Album ist mein Baby", sagte sie in der MTV-Sendung "Total Request Live". Trotzdem scheint sie auch hier ihrem Talent nicht zu trauen. Die Texte sind bei der CD nicht dabei, stattdessen steht unter jedem Song-Titel eine lange Liste der verantwortlichen Studio-Musiker. "Das Album ist seltsamerweise fast ohne Persönlichkeit, der ultimative Akt der Rebellion, wahrscheinlich gegen die Musikindustrie", mutmaßt ein Kritiker.</P><P>Intimeres werden die Fans von Britney Spears aber sowieso nicht zu hören bekommen. Nur der Schmacht-Song "Everytime" mit Klaviergeklimper soll eine Verarbeitung der Trennung von ihrem Freund Justin Timberlake sein. Ansonsten dreht sich das Album thematisch vor allem um Britney als Party-Queen: Tanzen, Flirten, Shoppen und sogar ein bisschen Sex.</P>

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