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Abi Wallenstein lebt für den Blues

- Hamburg - Der Blues-Musiker Abi Wallenstein ist nicht nur in Hamburg ein ganz Großer. Europaweit spielt der 60-jährige seit Jahrzehnten auf Festivals, in Clubs oder auf der Straße auf.

"Musik ist meine Sucht", sagt Wallenstein. Etwa 120 Auftritte absolviert er im Jahr und wenn er dazwischen Lust und genug Stimme hat, geht er mit seiner Gitarre in die Stadt und macht Straßenmusik. Dazu fährt er jetzt sogar in die Ferne: Im süditalienischen Städtchen Monopoly nimmt er als prominenter Gast an einem Festival der Straßenmusikanten teil.

In der europäischen Musik-Szene ist Abi Wallenstein gefragter denn je, "vielleicht weil sich gerade etwas ändert, Musik, die von Hand gemacht wird, wieder größeren Stellenwert bekommt", wie er meint. Abis Stil ist unverkennbar. "Wenn man mich nicht sieht, denkt man, es sind drei Gitarren im Einsatz. Das kommt daher, weil das Instrument ganz speziell gestimmt ist. Das macht wohl meinen Stil aus", erklärt er.

"Dass ich einmal Musiker werden würde, war absolut nicht abzusehen. Das hat sich einfach so entwickelt, wie auch die anderen Dinge in meinem Leben", sagt der Wahlhamburger. Mit 13 Jahren kam Abraham Wallenstein aus Israel nach Deutschland, lebte dort zunächst mit seinen Eltern in Neuss am Rhein, bis er mit 20 Jahren nach Hamburg kam, um Soziologie zu studieren. "Damals wurde handgemachte Musik geradezu zelebriert", erinnert er sich.

Schnell bekam der Autodidakt mit den wilden schwarzen Locken einen Namen in der Szene, spielte im legendären Onkel Pö oder im Dennis Pan, mit Inga Rumpf, Gottfried Böttger, Axel Zwingenberger oder Vince Weber. Auch im Vorprogramm internationaler Stars trat er auf, zum Beispiel bei Joe Cocker oder Jonny Winter. Heute macht er vor allem mit mit den Musikern Steve Baker und Martin Röttger Musik. "Blues Culture" heißt die Band wie auch die neue CD Wallensteins, die im Herbst erscheinen soll. Darauf ist archaischer alter Blues ebenso zu hören wie Funk and Soul oder Blues mit Hip Hop-Elementen, erklärt der 60-Jährige.

"Musik soll Menschen glücklich machen. Ich versuche, Gefühle zu wecken, die beim Publikum eigentlich schon da sind. Die Leute fangen an sich zu bewegen, nicht nur mit dem Körper, sondern auch gefühlsmäßig", meint Abi Wallenstein. Darum spielt er auch für die, denen es nicht so gut geht, in Behinderteneinrichtungen oder im Gefängnis Santa Fu - alle Jahre wieder zu Weihnachten. Aber auch für Dinge die ihm am Herzen liegen - wie die Sanierung des Hamburger Wahrzeichens "Michel" - macht er Musik.

Wenn er gerade nicht auf Tour ist, lebt er in einer ausgebauten Dachwohnung hoch über der Stadt. Partys sind seine Sache nicht mehr und selbst Alkohol oder Zigaretten sind für die Hamburger Blues- Legende tabu. Die meisten seiner Freunde kennt er seit den späten 60ern, mit seiner Lebensgefährtin, der Leiterin eines Off-Theaters im Stadteil Altona, ist er seit 30 Jahren zusammen.

"Natürlich hat sich mein Leben geändert", betont Wallenstein. Unterwegs schläft er nicht mehr so gern bei Freunden, sondern lieber im Hotel, und seit einiger Zeit geht der Sportmuffel sogar Joggen. Auf der Bühne wirkt der schlanke Musiker dagegen fast wie früher: Mitreißend, überaus sympathisch und menschenfreundlich. "Ich bin immer ganz für die Leute da, die meine Musik hören wollen. Das kommt rüber", sagt er.

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