Warme Unterhosen von Moshammer

- München - Trügt das Äußere? Ob der Anlieger der Münchner Maximilianstraße 14, Rudolph Moshammer, der Kategorie "Moos hamma" angehört, ist seit längerer Zeit ein ungelöstes weißblaues Rätsel. Es muss jedenfalls geheimnisvolle Zuflüsse geben, denn die neuerdings zum Souvenirshop mutierte Modeboutique, die vom heutigen Angebot vielleicht mehr ins benachbarte "Platzl" passt, kann es nicht sein.

<P>Auch das Mini-Restaurant "Hundskugel" wirft wohl nicht so viel ab, dass es Moshammers Luxusleben schultert. Die Busgäste der Münchner Sightseeing-Tour steigen auch nicht aus, um einen Gedächtnis-Obolus abzugeben. Die rucksackbewehrten und den Cent eher umdrehenden Fans drücken sich nur die Nasen an der Schaufensterscheibe platt. Dort erblicken sie neben vielen Krawatten zu gutbürgerlichen Preisen auch Daisy, die für 39,90 Euro angebotene Plüschversion von Rudolphs hechelndem Haustier, das er bei Fernseh-Interviews hält wie ein Bauchredner seine Puppe. Wenn das TV-Gespräch länger dauert, fällt der Schoßhund, Modell Yorkshire, schon mal leicht nach vorne und das Tierchen wedelt wild mit der Zunge, um Balance zu kriegen. </P><P>Natürlich erblicken die Straßen-Verehrer hie und da Rudolph Moshammer selbst, vor allem seine drei Angestellten, die wie beim Friseur beim Vornamen gerufen werden mit dem Wort "Herr" davor.</P><P>Als Talk-Gast bezieht er die üblichen Sätze</P><P>Bei den mit süßlicher Stimme und mit dämonischem Copperfield-Blick vorgetragenen Fernseh-Auftritten verdient er nicht die Unsummen wie kolportiert, sondern bezieht wie jeder normal sterbliche Talk-Gast das öffentlich-rechtliche Anstalts-Honorar in Höhe von 250 Euro plus Spesen. Auf dem Kontrollzettel für das Finanzamt kommt auch das Baujahr zutage, 1940. Ein spektakulär angekündigter Auftritt im Münchner Verkaufssender "HOT", wo er nach Meisterkoch Alfons Schuhbeck im Programm ist, entpuppt sich als "eher cool". Sein Umsatz: zwei Bücher und zwei T-Shirts. Am zweiten Tag läuft die gleiche Sendung. Als Schuhbeck ihn fragt, wie viel er heute verkauft hat, antwortet Mosi: "Ein bisserl weniger als gestern."</P><P>Seine monatlichen Fixkosten sind vermutlich nicht gering. In der Tiefgarage des Hotels "Vier Jahreszeiten", schräg gegenüber der mit Musik berieselten Boutique, belegt ein Rolls-Royce einen abgesperrten Stammparkplatz, Monatsmiete: 300 Euro. </P><P>Fuhrparkmäßig hat er abgespeckt - früher waren es dort drei Rolls auf drei Parkplätzen, in denen Mütze und weiße Handschuhe auf dem Fahrersitz lagen und die laut Edel-Limousinen-Händler Rüdiger Czakert ("Auto König") nicht geleast, sondern bezahlt waren. Solche Karossen schinden immer noch mächtig Eindruck.</P><P>Diesem Pompadour-Pomp hinkt das persönliche Erscheinungsbild von Rudolph Moshammer allerdings hinterher, dessen oft zu eng getragene Zweireiher-Blazer schon mal in der Bauchgegend stärkeren Gebrauchsglanz aufweisen und deren Knöpfe dann für einen Außenstehenden lebensgefährlich werden, weil sie mit mindestens vier atü unter Druck stehen. Bei rascher Bewegung oder beim Niesen könnten sie abspringen wie eine Gewehrkugel.</P><P>Gelegentlich wirbt das Münchner Original, das gern zu kostensparenden Events eilt und sich oft selbst einlädt wie zum Neujahrsempfang der CSU im "Franziskaner", unfreiwillig für eine Zigarettenmarke. So sieht man Schicki-Mosi beim Iberl-Bühnenjubiläum auf der Rohrtribüne sitzen, und zwei Reihen unter ihm entdeckt eine attraktive Gräfin beim Hinaufschauen ein beträchtliches Loch in seiner Slippersohle, das an den Slogan "I walk a mile for a Camel" denken lässt.</P><P>Anfangs wurde Mosi nicht einmal ignoriert</P><P>Moshammers ganze Sorge gilt seiner toupierten Zweierpackfrisur im klassischen Kunstschwarz. Der "Dark Vader"-Helm mit der Erscheinungsbild-Anleihe von Biene Majas Willy mit seinen zwei Antennenhaaren scheint Scheckheft-gepflegt. Es gibt Zwillingsteile dieser Haare, die von erfahrener weiblicher Hand in Grünwald allwöchentlich auf Vordermann gebracht werden. Seltsam ist, dass Rudolph an diesem Butterfly-Look so hängt. Eine ehrliche Glatze und ein Errol-Flynn-Bärtchen würden dem Mode-Mann besser stehen.</P><P>Als simpler Geselle im Modegeschäft Roedig und später bei Dietl in die Gesellschaft vorgedrungen, gibt es Mosi schon lange. Aber zu Zeiten, wo noch wahre Paradiesvögel in München leuchteten, wie der maharadschahafte Thai-Generalkonsul Herbert G. Styler und seine Diamanten-Wally, der barocke James Graser oder Schnorrerkönig Poldi Waraschitz, der sein Nassauergehabe so kultivierte, dass er nirgends mehr zahlen musste, wurde Moshammer nicht einmal ignoriert.</P><P>Er hat alle Party-Saphire überlebt. Das war die Stunde des "Modezaren" - so wurde er jetzt sogar von der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" wohl versehentlich betitelt, weil sonst Könner wie Lagerfeld und Armani umdenken müssen -, der das Scheinwerferlicht in der Medienwelt zu genießen scheint wie der Pfau unter den Marienplatztauben.</P><P>Inzwischen erkannte er, dass nichts so gut und billig ist, wie sich mit Benefiz in den Mittelpunkt zu bringen. Was für Ute Ohoven in Düsseldorf die Kinder, sind für Rudolph in München die Obdachlosen. Er operiert dabei mehr als vermittelnder denn als gebender Wohltäter. So lässt er seine Beziehungen spielen, als in der einschlägigen Teestube in der Zenettistraße 32 eine Kaffeemaschine fällig ist. Vor laufender TV-Kamera verteilt er unter der Wittelsbacherbrücke, der bekannten Münchner Obdachlosen-Adresse, rote Päckchen, in denen nichts drin ist, die sich aber optisch gut machen. Den Null-Beschenkten verspricht er, dass sie später was kriegen. Er schickt dann warme Unterhosen, in einer Übergröße, dass sie Helmut Kohl plus Bruder passen. Manchmal erhalten seine instrumentalisierten Schützlinge schon was zum Beißen, wenn er im Kameralicht geschenktes Brot weiterleitet.</P><P>Zu Weihnachten 2003, als die Katholische Männerfürsorge die Obdachlosen zum warmen Essen ins Münchner Hofbräuhaus einlädt, wird Rudolph nicht gesehen. Vielleicht Absicht, weil man nicht mehr Reporter als Obdachlose im Saal haben will. Seine Kämpfernatur für Obdachlose ist in seiner Sozialbeichte "Mama und ich" dokumentiert, einem Buch, in dem Rudolph Moshammer mit seiner Mutter Else weiterlebt. Seite 128: "...scheue mich nicht, kraft meines Namens und meiner Publizität, Kunden und Freunde um Unterstützung zu bitten oder mich über die Medien an ein Publikum zu wenden, das sonst nicht zu erreichen ist."</P><P>Für "Mama und ich" muss Moshammer, der laut Buch zum näheren Bekanntenkreis der englischen Queen und des monegassischen Monarchen Fürst Rainier III. zählt, selbst zum Kugelschreiber gegriffen haben -so "ghostreich" kann kein Mensch sein. Bei Moshammers Schriftsteller-Debüt "Kleider machen Leute" hatte noch Petra Schürmanns Ehemann Dr. Gerhard Freund die Feder geführt. Für Werk II fand er keine Worte.<BR></P>

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