Weiße Lilien und rote Rosen für "Mosi"

- München - Ein Jahr nach seinem gewaltsamen Tod ist Rudolph Moshammer unvergessen: Freunde und Verehrer haben weiße Lilien und rote Rosen auf die Stufen des Mausoleums auf dem Münchner Ostfriedhof in den Schnee gelegt, ein Grablicht verbreitet sanftes Licht. Der homosexuelle Modeschöpfer hatte seinen Mörder auf der Straße angesprochen und mit nach Hause genommen. Dort erdrosselte ihn der Iraker Herisch A. in der Nacht zum 14. Januar mit einem Elektrokabel.

Der Öffentlichkeit hatte sich Rudolph Moshammer zeitlebens als Kunstfigur präsentiert: Der 64-Jährige zeigte sich stets lächelnd, mit pechschwarzer, angeklebter Perücke gestylt und mit seiner Yorkshire-Hündin Daisy auf dem Arm. Selbst sein wahres Alter hielt er geheim - es wurde überhaupt nur bekannt, weil es bei einer Gerichtverhandlung in Österreich wegen eines Verkehrsdeliktes festgehalten wurde. Stets ließ er sich von Leibwächtern begleiten, die drei Rolls-Royce steuerte sein Chauffeur.

Nachts kurvte er zum Hauptbahnhof

Was selbst Freunde mehr ahnten als wussten: Nachts setzte sich Moshammer selbst hinter das Steuer, kurvte durch die Hauptbahnhofgegend und suchte junge Männer für bezahlten Sex. Am 13. Januar traf er dort Herisch A., der gerade das Geld seiner Freundin verspielt hatte und eine unverhoffte Chance auf schnellen Verdienst witterte.

Der Prozess gegen den Iraker brachte vor zwei Monaten pikante Details aus Moshammers Privatleben ans Licht und lockte zahlreiche Schaulustige an. Immer wieder geriet der Prozess auch zur Bühne schriller Selbstdarstellung. Ein mit Moshammer-Haartracht und Bärtchen als "Doppelgänger" auftretender Zeuge beispielsweise brüstete sich mit angeblichen Kenntnissen aus dem Intimleben des Modemachers und wurde wegen Falschaussage im Gerichtssaal festgenommen.

Inzwischen ist der Iraker als Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt, die Verteidigung hat allerdings Revision eingelegt. In Moshammers Edel-Boutique an der Münchner Maximilianstraße ist ein Uhrenladen eingezogen, das Erbe ist weitgehend verteilt. So perfekt und genau er sein Leben inszenierte, seinen Haushalt organisierte und seine Geschäfte führte, so perfekt hat er seinen Nachlass geplant.

Die Erbschaft: Keine "Multimillionen"

"Die Kernbestandteile des Testaments sind erfüllt. Es werden alle Rechnungen beglichen sein, alle Leute, denen er etwas Gutes tun wollte, haben das auch bekommen", berichtet ein Sprecher des Vermächtnisverwalters. Das Haus in Grünwald soll verkauft werden, seinem Chauffeur Andreas Kaplan vermachte der Modeschöpfer eine Wohnung und seine geliebte Daisy, die Haushälterin erhält eine Leibrente. Dabei habe es sich bei der Erbschaft keineswegs um die vermuteten "Multimillionen" gehandelt, betonte der Sprecher.

Ein guter Teil des Geldes - darunter der Erlös aus den Versteigerungen der drei Rolls-Royces und des Schmucks von Mutter Else - geht an die Obdachlosen, für die sich Moshammer und seine Mutter eingesetzt hatten.

Die Obdachlosen haben ihren berühmten Mäzen an diesem Weihnachten vermisst: Alljährlich hatte Moshammer bei ihren Weihnachtsfeiern vorbeigeschaut und sie unter den Isar-Brücken besucht. "Die Menschen trauern immer noch, das wurde gerade an Weihnachten spürbar", sagt der Leiter der Teestube "komm" des Evangelischen Hilfswerks, Anton Auer.

Selbst der Chauffeur schrieb ein Buch

Tausende Menschen gaben Moshammer vor einem Jahr bei einem pompösen Trauerzug durch die Innenstadt das letzte Geleit. Auch ein Jahr danach werden im Internet noch Moshammer-Krawatten, PlüschDaisys und Parfüms gehandelt. Mehrere Autoren veröffentlichten Bücher über sein Leben. Zuletzt machte sich auch sein Chauffeur ans Werk und veröffentlichte "Mosi, Daisy und ich". Auf Moshammers Grabstätte hat eine Anhängerin ein Gedicht hinterlassen. Verloren in Eis und Schnee ist goldgerahmt der selbstverfasste Reim zu lesen: "Ein großartiger Mensch musste sein Leben lassen, für viele war das nicht zu fassen."

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