Von der Welt verehrt, von Deutschland geliebt: Peter Ustinov

- Genf - Mit der Queen hat er getanzt, der Papst wollte mit ihm Tennis spielen. Wenn er Geburtstag hatte, gratulierte ihm der UN-Generalsekretär - im Namen der Vereinten Nationen, schließlich war er Sonderbotschafter des Kinderhilfswerkes UNICEF. Die ganze Welt verehrte den Schauspieler Sir Peter Ustinov. Die Deutschen aber liebten ihn. Umgekehrt spielte er auch am liebsten vor deutschem Publikum: "Es erlaubt einem auch mal ernste Augenblicke, während die Engländer die ganze Zeit lachen wollen."

<P>Sir Peter starb in der Nacht zum Montag kurz vor seinem 83. Geburtstag am 16. April in einer Klinik in Genolier bei Genf. Im nahe gelegenen Bursins oberhalb des Genfer Sees und umgeben von Weinbergen hatte Ustinov über Jahrzehnte gelebt. Nachdem sich der Künstler zuletzt nur noch im Rollstuhl fortbewegen konnte, musste er die letzten beiden Monate in der Klinik verbringen. Öffentliche Auftritte wurden abgesagt. Nach Angaben eines Freundes führten die Herzprobleme und die Folgen der Zuckerkrankheit schließlich zum Tod.<BR><BR>Vielleicht war er der Lieblingsengländer der Deutschen, doch die Engländer betrachteten ihn nie wirklich als einen der ihren. "Obwohl er ziemlich viele Witze über die Deutschen macht, ist er selbst mehr deutsch als englisch", schrieb etwa die "Financial Times" 1991 über den kurz zuvor von der Queen zum Ritter geschlagenen Sir Peter. Er selbst sah es ähnlich: "Sehr englisch habe ich mich nie gefühlt."<BR><BR>Zwar wuchs er in England auf, doch mit einem deutschen Pass. Er sei in St. Petersburg gezeugt, in London geboren und in Schwäbisch Gmünd getauft worden, sagte er einmal. Der Vater war Presseattach der Deutschen Botschaft in London, bis er sich mit Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop überwarf und britischer Spion wurde. Ustinov erinnerte sich: "Wenn in der Schule mal jemand nett zu mir sein wollte, dann erzählte er mir: "Mein Vater sagt immer, die deutschen Schützengräben im Krieg waren viel sauberer als die französischen." Dann musste ich zugeben, dass meine Mutter Französin war."<BR><BR>Der dicke Peter wurde von seinen Mitschülern oft gehänselt. "Ich rettete mich, indem ich die Lehrer nachmachte und dadurch die anderen zum Lachen brachte." Zeitlebens blieb Ustinov ein sehr verletzlicher und im Grunde verschlossener Mensch, der dies mit Witzen überspielte. Obwohl er als einer der meistinterviewten Künstler der Welt galt, gab er doch kaum je etwas Persönliches preis. Im Interview erzählte er dieselben Anekdoten wie als Alleinunterhalter auf der Bühne.<BR><BR>Berühmt wurde Ustinov vor sehr langer Zeit in Hollywood, als linkisch-verrückter Kaiser Nero in "Quo Vadis" (1952) und sadistischer Gladiatoren-Schinder Lentulus Battiatus in "Spartacus" (1959), wofür er einen seiner beiden Oscars bekam. In Deutschland wurde er unter anderem mit dem Karl-Valentin-Orden, dem "goldenen Schlitzohr", dem Bambi, der Goldenen Kamera und dem Deutschen Kulturpreis geehrt. Seine Paraderolle war vielleicht Agatha Christies belgischer Meisterdetektiv Hercule Poirot.<BR><BR>Aber das Multi-Talent wollte nie nur Schauspieler sein: Unübertroffen war Ustinov als Confrencier. Niemand konnte so perfekt die knackenden Telefonleitungen des Vatikans und das pfeifende "Ave Maria" in der Warteschleife imitieren. Daneben schrieb er Theaterstücke und Romane, inszenierte Opern und versuchte sich als politischer Kommentator. Nicht alles konnte er gleich gut: Als Autor neigte er nach Meinung mancher Kritiker zur Langatmigkeit. Viele warfen ihm vor, sein Genie zu vergeuden. Anstatt sich auf eine Sache zu konzentrieren und etwas wirklich Großes zu schaffen, verzettele er sich.<BR><BR>Doch dieser Sicht liegt vielleicht ein Missverständnis zu Grunde. Seine Meisterleistung sei er selbst, schrieb einmal das amerikanische "Time Magazine": das Gesamtkunstwerk Ustinov, "das den Raum mit Humor und Menschlichkeit erfüllt". <BR></P><P> </P>

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