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„Wetten dass..?“ steckt in der Routine-Falle. Hier Gastgeber Thomas Gottschalk mit Annke Engelke und Hugh Grant.

„Wetten dass..?“: Wie ein Moped auf Schmierseife

Bremen - Nicht nur die Konkurrenz, sondern auch Thomas Gottschalk selbst bescherte der Show die schlechteste Quote überhaupt. Die Promi-Runde wirkte eingeschlafen und Gottschalk auch.

Nichts ist schlimmer als Routine und Wurschtigkeit – auch oder gerade am Samstagabend im Fernsehen. „Nach der dritten Sendung ist die schon wie meine Frau“, flachste Thomas Gottschalk irgendwann gegen Ende der fast dreistündigen Show in Richtung Michelle Hunziker, doch dieses Zeugnis erster Abnutzungserscheinungen hätte eigentlich in die andere Richtung ausgestellt werden müssen. Gottschalks „Wetten, dass...?“-Ko-Moderatorin war als Eskorte des letzten Wettkandidaten mit ihrer Vespa gestürzt, doch der große Blonde rief nur ein sinnloses „Jetzt kommt sie zu Fuß!“ in den Saal und versäumte es, die Verunglückte nach ihrer Rückkehr in die Halle wenigstens zu fragen, ob sie sich weh getan habe. Vorbei die Zeiten, in denen sie „nur“ Gast der Show war und er ihr bei jedem Besuch die Füße küsste.

Eingeschlafene Promi-Runde

Zum Glück ist Hunziker keine Zicke, sondern eine außerordentlich belastbare Assistentin, die sich nicht schont und auch Witze auf ihre Kosten souverän weglacht. Nein, an der schweizerischen Frohnatur lag es nicht, dass die Sendung zwischendurch wegkippte wie ein Moped auf Schmierseife. Nur 8,94 Millionen Menschen sahen die Ausgabe aus Bremen, so wenige wie nie zuvor seit dem Start im Jahr 1981. Und das lag, anders als der Mainzer Sender am Tag danach glauben machen will, nicht (nur) an der starken Konkurrenz – bei RTL lief „Das Supertalent“ – sondern an „Wetten, dass...?“ selbst.

Die Bilder: „Wetten dass..?“ in Bremen

Die 185. Sendung von „Wetten, dass..?“ in Bildern

Schon lange nicht mehr wirkte eine Promirunde einschließlich Gastgeber so eingeschlafen wie dieses Mal. Zwar hatte Gottschalk gleich am Anfang verkündet, er habe es satt, internationale Stars einzuladen, die entweder gar nicht kämen oder schon bald wieder gingen und die übrige Zeit nichts mitkriegten, doch genau das passierte dann mit Schauspieler Hugh Grant, der nur mäßig inspiriert wirkte und erkennbar irritiert war über die Frotzeleien des Komikerduos Anke Engelke und Bastian Pastewka.

Vielleicht hätte ihm der Moderator nur sagen müssen, dass es sich bei dem schrägen Volksmusikduo „Wolfgang und Anneliese“ um Witzfiguren und nicht um reale Personen handelt, doch diese Aufklärung unterblieb, und so suchte Grant schon bald das Weite. Dabei waren Anke Engelke und Bastian Pastewka mit ihrem schrillen Auftritt noch das einzige Highlight auf Gottschalks Couch der Paare. Wolfgang Stumphs Tochter Stephanie ist vor allem Tochter, und Til Schweigers Filmpartnerin Nora Tschirner schaute so missmutig drein, als habe sie kurz vor der Show einen mordsmäßigen Streit mit ihrem Schauspielerkollegen und Regisseur gehabt. Doch Gottschalk mühte sich auch nicht, seine Gäste aufzutauen, fragte stur Banales ab.

Wetten retten ihn über die Zeit

So retteten ihn die Wetten über die Zeit, wieder einmal eine wirklich gelungene Mischung. Akrobatik im Großen und im Kleinen war zu bestaunen, ferner ein Kandidat mit fotografischem Gedächtnis und ein Pizzabäcker, der die italienische Spezialität auf einem Motorrad fahrend zubereitete. Auch ein wenig „gebaazt“ durfte werden, zarte Teenagerfüße sollten verschiedene Sorten Katzenfutter erfühlen. Und die Moderatorenwette – diesmal ein originelles Duell am Riesenkicker – zeigte, dass auch in einem alten Showkonzept Platz ist für Innovationen.

„Wir unterschätzen die Zuschauer!“ – dieser Satz von Wolfgang Stumph war einer der besseren dieses Abends, vielleicht sollten ihn die Sendungsmacher und vor allem der Moderator künftig wieder mehr beherzigen und die Show abseits der Wetten nicht zu einem Maskenball verkommen lassen. Es hätten wohl noch nie so viele Katzen „Wetten, dass...?“ geschaut, meinte Thomas Gottschalk mit Blick auf die „Whiskas“-Wette – als hätte er die schlechte Quote schon geahnt. Das mag schon sein, doch erstens lässt sich das nicht durch Zahlen belegen und zweitens zahlen Katzen keine Fernsehgebühren.

Von Rudolf Ogiermann

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