William lernt "totale Unterordnung"

- London - Ob er will oder nicht: Der Zweite in der britischen Thronfolge muss künftig salutieren, wenn ihm sein "kleiner Bruder" in Uniform begegnet. Obwohl Harry (21) im Dienstrang über William (23) steht, dürften sich die Prinzenbrüder jedoch auch auf der Königlichen Militärakademie Sandhurst bestens verstehen.

Während der Feiertage hat William bereits seine Armeestiefel eingelaufen, damit es bei den kommenden Gewaltmärschen keine Blasen gibt. Das war einer der vielen Tipps von Harry. Der erlebt den Drill in der 60 Kilometer westlich von London liegenden Offiziersschmiede schon seit acht Monaten.

Für William beginnt die Zeit der Härte am kommenden Sonntag (8. Januar). Von da an gilt selbst für den künftigen König das gnadenlose Sandhurst-Motto der fünfwöchigen Grundausbildung: "Totale Unterordnung". In britischen Medien wird gerätselt, was das Schlimmste für den Sohn von Prinz Charles und der 1997 tödlich verunglückten Prinzessin Diana ist: Die "mörderischen körperlichen Übungen" oder "seine Wäsche selbst waschen zu müssen".

Künftig muss der hoch gewachsene Blaublütige mit den Hühnern aufstehen und sich warm laufen. Peinlichst wird jeden Tag geprüft, ob die Sachen im Spind seiner 3 mal 2,75 Meter "großen" Stube auf den Zentimeter genau ausgerichtet sind. Wie alle 270 neuen Offiziersanwärter bekommt auch der Prinz in der Grundausbildung keinen Ausgang. "Das ist traurig für die Paparazzis", spottete ein Radiokommentator. "Die müssen lange warten, bis sie William in einem Nachtclub der Umgebung erwischen können."

Bis dahin erlernt er die Grundzüge des Waffenhandwerks. Für eine Weile, so rät ein Sandhurst-Ausbilder, sollten die Kadetten ihre Freundinnen draußen in der Freiheit vergessen. "Hier hat jeder die gleiche Braut und die heißt Enfield." Gemeint ist das Enfield-Sturmgewehr SA-80, Kaliber 5,56 Millimeter. Auch den Umgang mit einer 9-Millimeter-Pistole der Marke Browning wird William, der zuvor Kunstgeschichte studierte, nun einüben. Und er wird bald wissen, wie sich ein Granatwerfer aus nächster Nähe anhört.

Zur "Verwandlung eines Zivilisten in einen Soldaten", wie sie die Elitemilitärschule verspricht, gehören auch "war studies", Kriegsstudien. Hinzu kommen Lektionen in Innen- und Außenpolitik. Insgesamt dauert die Ausbildung elf Monate. Danach wird es bald so sein, dass Harry zuerst grüßen muss: Da William, anders als sein Bruder, vor Sandhurst ein Hochschulstudium absolviert hat, wird er rascher vom Oberleutnant zum Hauptmann befördert werden.

Mit seiner Militärkarriere folgt William einer königlichen Tradition. So hatte der Großvater, Prinz Philip, als Offizier im Zweiten Weltkrieg gedient. Ein Onkel, Prinz Andrew, hielt im Falklandkrieg den Union Jack hoch. Und Vater Charles brachte es in mehrjährigen Dienstzeiten zu beeindruckenden Rängen: Vizeadmiral der Royal Navy und Generalleutnant der Royal Army sowie der Royal Air Force.

Allerdings scheinen viele Briten nicht ganz so begeistert von der martialischen Neigung ihrer männlichen Royals zu sein. "Sie glauben, dass William in die Fußstapfen seiner Mutter treten und sein Leben freundlicheren und sanftmütigeren humanitären Dingen widmen sollte", zitierte die liberale Zeitung "The Guardian" aus einer Geheimdienstanalyse.

Auch in der Militärführung sieht man Williams Offizierslaufbahn angeblich mit gemischten Gefühlen. Einerseits verleiht sie den Streitkräften adeligen Glanz. Andererseits muss schon in der Grundausbildung eine besonders schützende und zugleich unsichtbare Hand über William gehalten werden. Schließlich soll er eines Tages den Thron besteigen. So manchen irritiert zudem, dass zu den Sandhurst-Absolventen nicht nur Männer wie Winston Churchill gehörten, sondern auch Dianas Liebhaber Dodi Al Fayed.

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