"Er wusste, was gut und was schlecht ist"

- München - Der Münchner Produzent und Regisseur Franz Seitz ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Seitz, der die deutsche Nachkriegsfilmgeschichte wesentlich mitgeprägt hatte, erlag am vergangenen Donnerstag einer schweren Krankheit, wie sein Sohn am Dienstag mitteilte. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zeigte sich tief betroffen und würdigte Seitz als "einen der profiliertesten und faszinierendsten Filmemacher".

Seitz sei einer der großen Pioniere des deutschen Nachkriegsfilms gewesen. "Er war ein Alleskönner, der als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor in allen Filmgenres zu Hause war", betonte Stoiber. Sein Name stehe für eine sehr persönliche, unverwechselbare Art des Filmschaffens.

Produzent des Oscar-Films "Die Blechtrommel"

Neben seinen hoch gelobten Thomas-Mann-Verfilmungen produzierte der gebürtige Münchner auch Volker Schlöndorffs Oscar-gekrönten Streifen "Die Blechtrommel". Seit seinem vor mehr als 50 Jahren entstandenen ersten Film "Der letzte Schuss" hat Seitz rund 80 Kinofilme produziert und mehr als 50 Drehbücher geschrieben. Seine letzte große Kinoproduktion war die Verfilmung von Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg". Für die Verfilmung von Manns "Zauberberg" erhielt Seitz den Bayerischen Filmpreis.

Der Sohn des gleichnamigen Münchner Regisseurs und Enkel des Volksschauspielers und Theaterdirektors Xaver Terofal kam nach einigen Semestern Medizin über ein Volontariat als Filmarchitekt bei Richard Eichberg zu seinem eigentlichen Metier. Gemeinsam mit dem Regisseur Rolf Thiele schuf er als Drehbuchautor und Produzent zahlreiche Kinohits wie "Das schwarz-weiß-rote Himmelbett" oder "Grieche sucht Griechin", auch Louis Malles Film "Herzflimmern" brachte Seitz auf die Erfolgsspur.

Für sein Kinoschaffen wurde der langjährige Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) vielfach ausgezeichnet. Auf eine Ehrung war der immer elegant gekleidete passionierte Pfeifenraucher, den alle seine Freunde "Buba" nannten, aber besonders stolz: Der Oscar, die weltweit begehrteste Filmtrophäe hatte flankiert von zwei Filmschalen in Gold - einen Ehrenplatz in seinem Büro. Seitz wird an diesem Freitag (27. Januar) auf dem Friedhof im oberbayerischen Schliersee beigesetzt.

Nach den Worten von Fernsehdirektor Gerhard Fuchs hat Seitz die Film- und Fernsehwelt enorm bereichert. In seinem mehr als 50-jährigen Wirken als Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor habe er mit seinen Ideen, seinem Sinn für gute Stoffe und Geschichten, mit seiner erfrischenden Heiterkeit und Kreativität und vor allem mit seiner an hohem künstlerischen Anspruch orientierten Schaffenskraft internationale Anerkennung gefunden. "Er wird uns fehlen als Persönlichkeit mit professioneller Vorbildfunktion und von menschlicher Größe", sagte Fuchs nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR).

Auch der Schauspieler Hansjörg Felmy zeigte sich betroffen über den Tod von Seitz. "Wir haben uns immer gut verstanden und viel gelacht. Er war neben Hans Abich einer der wenigen Produzenten mit einer humanistischen Bildung. Er wusste, was gut und was schlecht ist."

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