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Die Crew des neuen Pixar-Films 'U bei der Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes.

Digitalkünstler stehlen Filmstars die Show

Filmfestival in Cannes eröffnet

Cannes - Die Abendkleider glitzern, und der rote Teppich ist ausgerollt. Aber die Show zum Auftakt des Filmfestivals von Cannes gehört nicht den großen Filmstars, sondern den kreativen Digitalkünstlern der Pixar Animation Studios.

Ihr 3D-Zeichentrick-Abenteuer “Up“ (Oben) ist der Eröffnungsfilm des Festivals. “Wir sind nur ein Haufen von Animations-Geeks aus Nordkalifornien auf dem roten Teppich des Filmfestivals von Cannes“, strahlt der kreative Maestro von Pixar, John Lasseter . Mit der Einladung nach Südfrankreich sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen.

Die Bilder von den 62. Filmfestspielen in Cannes

Bilder von den 62. Filmfestspielen in Cannes

Neben den Pixel-Künstlern gibt es in Cannes aber auch die großen Stars, die den gewohnten Glanz verbreiten. Zwar ist der Sprecher der Hauptfigur in “Up“, der amerikanische Schauspieler Edward Asner , nicht nach Cannes gekommen. Dafür ist aber Charles Aznavour mit dabei. Der Chansonier hat der französischen Fassung des Films seine Stimme geliehen. Vor Aznavours Eröffnungsrede tritt Roxy-Music-Sänger Bryan Ferry mit einer Interpretation von dessen Chanson “She“ auf.

Auch dieses Jahr herrscht der gewohnte Medienrummel bei den Filmfestspielen.

Dem animierten Start mit “Up“ folgen nun zwölf cineastische Tage voller Leidenschaften, angereichert mit Mord, koreanischen Vampiren und einer Gruppe von Nazijägern , angeführt von Brad Pitt . Um die begehrten Preise von Cannes bewerben sich Filmgrößen wie Pedro Almodovar , Ang Lee, Quentin Tarantino und Ken Loach . Ein deutscher Regisseur ist diesmal nicht vertreten, dafür sind deutsche Themen, deutsche Schauspieler und deutsche Drehorte präsenter als je zuvor: In Quentin Tarantinos Kriegsfilm “Inglourious Basterds“ sind neben Brad Pitt auch Till Schweiger , Martin Wuttke und Daniel Brühl zu sehen, gedreht wurde unter anderem in Babelsberg.

“Wir sind hier, um Filme zu lieben“

Als gestrenge Leiterin der Jury gibt sich Isabelle Huppert auf dem Eröffnungsabend noch ganz milde: “Ich denke nicht, dass wir hier sind, um Urteile abzugeben. Wir sind hier, um Filme zu lieben - und zu schauen, welche wir mehr lieben als andere.“ Die Zahl der Frauen an der Spitze der Jury von Cannes ist an einer Hand abzuzählen. Aber das kümmert Huppert wenig. Schließlich komme es auch auf das Gewicht der Persönlichkeiten an - und da gebe es unter ihren Vorgängerinnen wie Sophia Loren und Liv Ullmann “Frauen, die sehr viel zählen“. Aber es gibt nicht nur bei der Geschlechterverteilung ein Ungleichgewicht. Jury-Mitglied Hanif Kureishi, der britische Drehbuchschreiber von “Mein wunderbarer Waschsalon“, sagt: “Mir ist nicht bekannt, dass wir jemals einen schwarzen oder einen asiatischen Jury-Präsidenten hatten. Es ist eine interessante Frage, wann wir dies erleben werden.“

Vor dem Filmpalast an der Strandfront von Cannes warten die Promi-Jäger geduldig darauf, einen Blick auf irgendeinen Star zu erhaschen. Die wenigsten sind sich sicher, wer kommen wird, haben aber dennoch ganz konkrete Wünsche. “Ich will Angelina Jolie auf dem roten Teppich sehen“, sagt Corinne Besnier , die aus Reims nach Cannes gekommen ist. Bis zu 130.000 Schauspieler, Regisseure, Filmverkäufer und Schaulustige werden in den kommenden zwölf Tagen erwartet, um das Rennen um die begehrte Goldene Palme zu verfolgen.

Sekt statt Champagner

Zu den Wettbewerbsbeiträgen gehört “Das Weiße Band“ des österreichischen Filmemachers Michael Haneke; der Film spielt in einem norddeutschen Dorf vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Deutsche Szenerien sind offenbar gefragt. Der Däne Lars von Trier filmte sein düsteres Stück “Antichrist“ in abgelegenen Wäldern von Nordrhein-Westfalen. Heiterer geht es in Ang Lees Komödie “Taking Woodstock“, einer Aufführung des spektakulären Hippiefestivals durch schlichte Bauern. Der schon mit drei Goldenen Palmen gekürte Spanier Pedro Almodóvar lässt in dem Drama “Gelöste Umarmung“ ein weiteres Mal seine Muse Penélope Cruz brillieren.

Mit Spannung wird auch der letzte Auftritt des australischen Kinohelden Heath Ledger erwartet: Er starb vor Abschluss der Dreharbeiten von “The Imaginarium of Doctor Parnassus“ - der Film von Terry Guilliam läuft in Cannes außer Konkurrenz. Die Goldene Palme wird am 14. Mai verliehen. Das Programm wirkt attraktiv. Aber die Organisatoren des Festivals und die Produzenten sind unsicher, inwieweit sich die globale Rezession bemerkbar macht. Festival-Direktor Thierry Fremaux sagt zwar, er erwarte einen etwas größeren Zustrom von Besuchern als im vergangenen Jahr. Aber das Magazin “Vanity Fair“ hat seine traditionelle Cannes-Party abgesagt. Und auf einigen Empfängen soll es diesmal Sekt statt Champagner geben. Pixar-Gründer Lasseter hat sich am Eröffnungsabend vor allem auf eine Szene gefreut: “Dieses großartige Bild all der Leute heute abend in ihren Anzügen, Krawatten und Abendkleidern, wie sie in diesem großen Kino mit ihren 3D-Brillen dasitzen“. Der Film “Up“ erzählt die traumhafte Geschichte eines alten Grantlers, der dem Alltag entflieht, indem er tausende bunter Luftballons an sein Holzhaus befestigt und so bis nach Venezuela schwebt. In Deutschland läuft der Film am 24. September an.

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