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Die Sportfreunde Stiller gehen in Urlaub und verabschieden sich mit ihrem neuen Album “Unplugged In New York“.

Sportfreunde Stiller im Gleichgewicht

München - Die Jungs haben sich auf ihren Urlaub gut vorbereitet: Ihr neues Album klingt schon ganz relaxt und zeigt sie von einer anderen Seite.

Die Sportfreunde Stiller ohne grätschende Gitarren? Ohne einen knallhart flankenden Bass und ohne Drum-Schläge wie Volley-Schüsse? Funktioniert das? Inzwischen ja. Die Sportfreunde Stiller scheinen irgendwie ein Gleichgewicht für sich gefunden zu haben. Eines, dass es ihnen möglich macht, auch mal quer zu spielen nicht immer nur nach vorne zu drängen, sondern auch mal zu relaxen. Zu hören ist das auf gerade erschienenen Album “Unplugged In New York“ (Universal). Und zu spüren ist das in den kommenden Monaten, wenn sich die Sportfreunde erst einmal in einen langen Urlaub verabschieden.

“Wir wollten schon lange mal eine längere Pause machen“, erzählt Schlagzeuger/Sänger Florian Weber im AP-Interview: “Dann kam das WM-Album, dann machten wir doch das 'La Bum'-Album, dann bekamen wir das Angebot zu 'Unplugged'. Aber jetzt dann ist es definitiv Zeit, sich erst einmal von der Musik zu entfernen.“ Nach den langen Jahren des Rockens ist das durchaus nachvollziehbar. Sieben Alben in neun Jahren markieren den Aufstieg von Florian Weber, Peter Brugger (Gitarre, Gesang) und Rüdiger Linhof (Bass) von Münchner Lokalmatadoren zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands, deren Eintrag ins ewige Hit-Buch allein schon die Vertonung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland (mit “54 74 90 2006“) rechtfertigt.

Nun also wartet Entspannung auf drei aber kein trauriges Ende auf die Fans, wie Weber versichert: “Jeder macht jetzt erstmal Urlaub, um neue Ideen zu sammeln. Zweifelsfrei werden wir wieder ein Album machen, da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Wenn der erste Bock hat, rührt er sich.“ 

Mit sich im Reinen

Die Sportfreunde Stiller können sich das Relaxen leisten. Sie sind mit sich und ihrer Karriere offensichtlich im Reinen und lassen auch Vorwürfe, sie hätten sich mit einem glatten Schlager-Rock dem Mainstream-Publikum angebiedert, einfach abtropfen. “Wir sind Profi-Musiker, wir wollen auch unser Geld verdienen“, erklärt Weber kategorisch: “Wenn jemand ein Problem damit hat, bei einem Konzert mit vielen anderen Leuten in einem Raum zu stehen, oder damit, eine Platte im Schrank zu haben, die viele andere Leute auch haben, dann können doch wir da nichts dafür. Wir sind unserer Musik jedenfalls treu geblieben.“

Bis jetzt - muss man anfügen. Denn auf “Unplugged In New York“ bleiben die Sportfreunde vielleicht noch ihrer Musik treu - nicht aber ihren Klangfarben. In akustischem Gewand und veredelt mit Posaunen und Flöten, mit Geigen und Celli, mit Mandoline und Harfe sehen plötzlich die typischen Stiller-Songs ganz anders aus, lassen Stücke wie “Wunderbare Jahre“ oder “Siehst du das genauso?“ ihre schroffe Melancholie durch die dünnere Oberfläche viel deutlicher durchscheinen. Als Gäste sind die britischen Subways dabei und Meret Becker und (virtuell) einmal sogar Udo Jürgens: “Ich war noch niemals in New York“ heißt die Zugabe. “Eine unglaubliche Musikalische Vielfalt. Es war herrlich“, gerät Weber ins Schwärmen.

Gut möglich, dass diese musikalischen Grenzgänge auch im künftigen Sportfreunde-Werk ihren Niederschlag finden. “Die Zusammenarbeit mit den ganzen anderen Musikern, deren Sichtweise eine völlig andere ist, hat auch bei uns zu einer musikalischen Entwicklung geführt. Da ist auf alle Fälle was hängen geblieben.“ Sie steht ihnen gut zu Gesicht, diese neue Leichtigkeit. Es wird spannend, zu sehen, was die Sportfreunde Stiller nach ihrer Pause aus dieser Offenheit für neue Möglichkeiten machen. Der Ball ist rund.

AP

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