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Kommt die Affenpocken-Impfung? Weltärzte-Chef Montgomery nennt Befürchtung für Menschen unter 40

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Von: Anna Lorenz

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FOTOMONTAGE: Ein Impfausweis mit Schriftzug Affenpocken und Impfspritze, Impfstoff gegen Affenpocken, ist zu sehen.
Eine Impfung gegen Affenpocken könnte die Situation womöglich entspannen – doch wäre Deutschland überhaupt entsprechend aufgestellt? © Christian Ohde/imago

Fälle von Affenpocken in Deutschland sind bereits mehrfach aufgetaucht – die Gesundheitsbehörden prüfen nun, ob ein bestehender Pockenimpfstoff gegen das Virus empfohlen werden kann.

Berlin – Nach dem Coronavirus beschäftigt nun die rasche Ausbreitung der Affenpocken Virologen und andere Gesundheitsexperten. In Deutschland sind mittlerweile sechs Fälle vermeldet. Das Bundesgesundheitsministerium äußert bereits, dass „aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen“ sei. Die Behörden prüfen nun, inwieweit eine herkömmliche Pockenimpfung der Ausbreitung des Affenpocken-Virus Einhalt gebieten kann.

Affenpocken in Deutschland: Impfung gegen Pocken als Schutz vor dem Virus?

„Inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen wird, ist noch Gegenstand der fachlichen Abklärung“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums an den Gesundheitsausschuss des Bundestags. Bereits am Montag kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an, das Robert-Koch-Institut (RKI) sei bereits damit beschäftigt, Empfehlungen für den Umgang mit dem Virus auszuarbeiten. Am Dienstag folgte nun eine entsprechende Empfehlung Lauterbachs hinsichtlich der momentanen Situation, an der auch Lothar Wieler, Präsident des RKI, sowie der Vorsitzende der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, teilnahmen.

Sehen Sie im Video: Bundesgesundheitsminister Lauterbach will „schnell und hart regieren“

Im Zuge dessen drängt nun auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Schutzimpfung in die Öffentlichkeit. Viele Bürgerinnen und Bürger sind, da die Pocken lange Zeit als ausgerottet galten, nicht gegen Viren dieser Art geimpft; ein speziell auf Affenpocken ausgelegter Impfstoff ist nicht vorhanden. „In der EU ist ein Pocken-Impfstoff zugelassen, der modifiziertes Vacciniavirus Ankara (MVA) beinhaltet. In UK wird engen Kontaktpersonen derzeit eine Impfung angeboten“, so die Virologin Sandra Ciesek von der Universität Frankfurt am Main. Die bisher verwendete Pockenimpfung schützt zu 85 Prozent auch vor einer Infektion mit Affenpocken. Allerdings ist das Vakzin, von dem der Bund rund hundert Millionen Dosen vorhalte – zwei Millionen Dosen davon seien der WHO gespendet – dafür bekannt „im Vergleich zu den anderen gegenwärtig empfohlenen, sehr gut verträglichen Impfungen mit einer beträchtlichen Rate an Nebenwirkungen einher[zugehen]“, so das Ärzteblatt.

Pockenimpfung gegen Affenpocken? Deutschland prüft Schutzoptionen gegen das Virus

Bei der Entscheidungsfindung angesichts dieses Dilemmas baut die Politik offensichtlich entscheidend auf den Rat der medizinischen Forschungsstellen. „Wir brauchen zeitnah eine Aussage der Stiko, ob der in der EU nur für die Impfung gegen Pocken zugelassene Impfstoff auch gegen Affenpocken angewandt werden kann“, äußerte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dem deutschen Nachrichtenportal The Pioneer gegenüber. Während Bund und Länder auf Rat von Stiko, WHO und RKI warten, sprach sich nun auch der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, den Zeitungen der Funke Mediengruppe gegenüber für eine Impfung aus. „Wer gegen die Pocken geimpft ist, hat einen guten Schutz.“

Der Mediziner wies darauf hin, dass insbesondere nach 1980 Geborene, die in der Regel keine Pockenimpfung mehr erhalten haben, stärker gefährdet wären, an Affenpocken zu erkranken. Die bisherigen Infektionen in Deutschland beruhen wohl auf Kontakten im Zuge von Feiern und Partys und vollzogen sich vermutlich im Rahmen sexueller Handlungen. „Es wäre deswegen sinnvoll, allen Jüngeren, die nicht mehr unter die Pockenimpfpflicht gefallen sind, jetzt ein Impfangebot zu machen“, so Montgomery. Besonders gefährdet seien „in der Regel jüngere Männer mit vielen wechselnden Sexualkontakten“. (askl)

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