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Heuschnupfen richtig und effektiv behandeln: Experte erklärt - „Viele Menschen leiden vollkommen unnötig“

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Von: Stella Henrich

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Mit dem Frühling kommen die Pollen. Für Millionen Menschen beginnt das Jucken und Niesen. Doch es gibt gute Möglichkeiten, Heuschnupfen zu behandeln.

München - Wer meint, das Immunsystem von Allergikern spielt verrückt, wird von den Worten von Torsten Zuberbier, Allergologie-Professor, überrascht sein. Es mache genau das, was es machen soll. Allergiker hätten sogar das bessere Immunsystem, sagt der Mediziner von der Berliner Charité in einem Interview mit Welt Online.

„Evolutionsbiologisch betrachtet hatten die Menschen, deren Immunsystem besonders empfindlich reagiert, einen Überlebensvorteil – weil Viren, Bakterien und Pilze schneller erkannt und besser bekämpft werden“, erläutert Zuberbier. Bei Allergikern sei nur eine Sache schiefgelaufen: Das Immunsystem sei so „scharf eingestellt“, dass es manchmal harmlose Substanzen wie Proteine aus Pollen fälschlicherweise als Feind erkenne.

Allergien: Die Veranlagung bleibt ein Leben lang

Allergiker hätten grundsätzlich die besseren Abwehrkräfte, sie steckten auch schwere Infektionskrankheiten wie Covid-19 besser weg. „Tatsächlich haben sie sogar bessere Chancen bei Krebserkrankungen“, so der Allergologe weiter. Um eine Allergie zu entwickeln, „müssen allerdings noch einige andere Faktoren erfüllt sein“. An Heuschnupfen erkrankt beispielsweise etwa jeder sechste Mensch in Industrienationen.

Wer also glaubt, nach dem 40. Geburtstag keine Allergien wie Heuschnupfen mehr entwickeln zu können, der irrt laut Professor Zuberbier. „Die Veranlagung bleibt ein Leben lang; bei manchen trete eine Allergie sogar erst im Seniorenalter auf.“ Viele fragten sich dann: „Ist das jetzt eine Erkältung oder sogar Corona?“ Dabei sollte man immer auch an Heuschnupfen denken. Vor allem, wenn plötzlicher Nies- und Juckreiz im Vordergrund steht und keine Halsschmerzen auftreten“, warnt der Allergologe.

Allergien: Heuschnupfen richtig behandeln

Wer einen Heuschnupfen behandeln will, dem rät der Mediziner zu Allergietabletten. Sie würden eine rasche Besserung bei Beschwerden bringen. Ansonsten könnten rezeptpflichtige, kortisonhaltige Nasensprays sehr gut akute Beschwerden lindern. Und natürlich: „Die Allergene so gut es geht meiden und von den Schleimhäuten fernhalten“, rät Zuberbier weiter. Er empfiehlt Nasenduschen mit Kochsalzlösung, Luftreiniger und Pollenfilter für das Auto.

Mit Beginn des Pollenflugs im Frühling müssen viele Allergiker nießen. Wie diese junge Frau auf dem Symbolbild.
Mit Beginn des Pollenflugs im Frühling müssen viele Allergiker nießen. (Symbolbild) © imago

Vor einer Bioresonanztherapie zur Behandlung von Allergien wie Heuschnupfen warnt Professor Zuberbier hingegen. „Etliche Untersuchungen belegen, dass das Verfahren vollkommen wirkungslos ist.“ Die Verschleppung einer wirksamen Therapie könne sogar gefährlich werden.

Allergie-Tests: Prick- und Bluttests helfen weiter

Wer sich auf Allergien testen lassen will, dem empfiehlt der Mediziner einen Prick-Test oder einen Bluttest auf die relevanten IgE-Antikörper beim Facharzt. Ursachen von Allergien und Heuschnupfen ließen sich am besten mit einer Hyposensibilisierung bekämpfen. Sie werde von den gesetzlichen Kassen bezahlt und kann bis zu drei Jahren dauern. Viele Betroffene schwören auf die Behandlung, da sie mit „guten Erfolgschancen die Patienten von ihren Beschwerden befreie“, so der Berliner Arzt weiter.

Wer einen Heuschnupfen dagegen nicht behandele, laufe „Gefahr eines sogenannten Etagenwechsels“. Dabei verlagerten sich die Beschwerden in die Atemwege, es komme zu einem allergischen Asthma, das nicht nur unangenehm, sondern wirklich gefährlich sei.

Zudem könnten sich auch Kreuzallergien zu Lebensmitteln entwickeln. Es lohne sich nicht, all diese Risiken einzugehen und Beschwerden zu ertragen, „obwohl es gute und sichere Behandlungsmöglichkeiten gibt - viele Menschen leiden vollkommen unnötig“, so Allergologie-Professor Torsten Zuberbier.

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