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Antisemitismus in Schulbüchern bleibt Dauerthema

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Schulunterricht
Schülerinnen und Schüler sitzen während des Unterrichts in ihrem Klassenzimmer. © Philipp von Ditfurth/dpa/Illustration

Mit antisemitischen Darstellungen wurde gegen Juden gehetzt. Das wird auch in der Schule aufgearbeitet. Aber wie packen Schulbücher das Thema an? Experten in Baden-Württemberg haben sich das angeschaut.

Stuttgart - Auch wenn es kaum Beanstandungen gibt, beschäftigt das Thema Antisemitismus in Schulbüchern die Politik. Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, verweist auf „erheblichen Reformbedarf sowie starke Fortbildungs- und Beratungswünsche von Lehrer- und Schülerschaft“. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg hat mit Blick auf die Darstellung von Juden und des Judentums Lehrwerke überprüft. Keines der Schulbücher vertritt oder bekräftigt laut der Begutachtung antisemitische Haltungen oder zeigt solche Tendenzen. Die SPD im Landtag fordert dennoch mehr Engagement des Kultusministeriums.

Nach einem Gespräch mit mehr als 30 Experten - unter anderem von Verlagen und dem Zentralrat der Juden - hatte das ZSL den Auftrag zur Untersuchung vom Kultusministerium bekommen. In die Stichprobe kamen Geschichts-, Gemeinschaftskunde- und Ethiklehrwerke, wie der Leiter der Abteilung für allgemeinbildende Schulen, Michael Kilper, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart erläuterte.

„Die Darstellungen des Judentums sind überwiegend fachlich korrekt und angemessen differenziert“, teilte Kilper mit. In sehr geringem Umfang seien unsensible Darstellungen beziehungsweise Passagen identifiziert worden, „die der Entstehung von Vorurteilen nicht in der wünschenswerten Entschiedenheit vorbeugen“. Zu Details der Darstellungen machte er allerdings keine Angaben.

Auch eine jüngst veröffentlichte Antwort des Kultusministeriums auf einen Antrag der Landtags-SPD nennt lediglich sechs Beschwerden gegen zugelassene Schulbücher im Zusammenhang mit dem Thema Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren - ohne ins Detail zu gehen. In diesem Jahr sollten Gutachterinnen und Gutachter der Schulbuchzulassung im Zuge regelmäßiger Weiterqualifizierungen speziell für das Thema Antisemitismus geschult werden, heißt es in der Stellungnahme.

Ziel ist es demnach, Verlage schon während des Entstehungsprozesses der Lehrwerke noch stärker zu sensibilisieren. So sollten Prüffragen in einem Merkblatt der Schulbuchzulassung bei der nächsten Überarbeitungsrunde ergänzt werden. Zu drei Werken, die laut der Begutachtung durch das ZSL kritische Darstellungen enthalten, würden die Verlage informiert und darauf hingewiesen, „diese Aspekte in Folgeauflagen und künftigen Lehrwerken zu berücksichtigen“.

Der SPD ist das zu wenig: „Leider haben wir den Eindruck, dass das Kultusministerium im Kampf gegen antisemitische Stereotype in Schulbüchern nicht die notwendigen Akzente setzten möchte“, sagte der Abgeordnete Jonas Weber am Freitag. „Der nötige Wille zu Verfahrensänderungen bei der Schulbuchzulassung ist nicht zu erkennen.“ Es sei wichtig, Kinder und Jugendliche stärker zu sensibilisieren. „Und wir alle müssen mit unserer konsequenten Haltung gegen Antisemitismus Vorbilder sein“, so Weber. Auch der Antisemitismusbeauftragte müsse intensiver eingebunden werden.

Blume selbst geht davon aus, unmittelbar nach der Corona-Pandemie an den Dialog mit Ministerium und ZSL anknüpfen zu können. „Auch aufgrund von digitaler Radikalisierung und von Zuwanderung bleiben Vorurteile und Verschwörungsmythen eine erhebliche Herausforderung an unseren Schulen, mit der wir sie nicht alleine lassen dürfen“, erklärte der Fachmann. „Die überdurchschnittlich hohe Impfverweigerung im Alpenraum hat gezeigt, wie lebendig und gefährlich Verschwörungsglauben auch bei uns noch immer ist.“

ZSL-Präsident Thomas Riecke-Baulecke hatte das Thema Antisemitismus in Schulbüchern anlässlich der Begutachtung seinerzeit mit Blick etwa auf Angriffe auf Rabbiner als „brandaktuell“ bezeichnet. „Das Schulbuch ist ein ganz wichtiges Medium, um sich damit auseinanderzusetzen.“ Manchmal komme es dabei auf Details an - wenn zum Beispiel jüdisches Leben und jüdische Kultur auf Sonderseiten gesammelt würden und somit eine Sonderstellung bekämen. Oder wenn Juden mit Gesichtszügen dargestellt würden, die an Affen erinnern. dpa

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