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Corona-Aus für Fastnachtsumzüge: Karnevalsvereine in Geldnot

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Roland Wehrle, Präsident des VSAN
Roland Wehrle, Präsident des VSAN (Verband Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V.). © Philipp von Ditfurth/dpa

Verleihung der „Goldenen Narrenschelle“: abgesagt. Stockacher Narrengericht: abgesagt. Große Umzüge: abgesagt. Zum zweiten Mal schaut es für die Fastnachtfans im Südwesten coronabedingt düster aus. Doch der Ober-Narr sieht einen Lichtblick.

Bad Dürrheim/Speyer - Wer sich wegen Corona-Lockerungen auf Fastnachtsumzüge gefreut hatte, dürfte nach der jüngsten Ansage der Landesregierung bitter enttäuscht sein. „Zur Fasnet ist fast alles erlaubt wie sonst auch bei Veranstaltungen - außer Umzüge. Daran wird sich jetzt erstmal nichts ändern“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstag in Ulm. Man bespreche gerade noch innerhalb der Landesregierung die Corona-Regeln. Für Fastnachtsveranstaltungen in Räumen würden die gleichen Regeln gelten wie für andere Veranstaltungen auch.

Am kommenden Donnerstag (24.2.) beginnt mit dem „Schmotzigen Dunschtig“ die Hochphase der närrischen Saison. Eine Woche lang zelebrieren die Narren oft je nach Region individuelle Brauchtümer. Die Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine beklagt indes die finanzielle Not ihrer Mitglieder. Allerdings habe Baden-Württemberg ein Herz für die Karnevalisten gezeigt.

Knapp eine Woche vor dem Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“ setzt der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) auf eine Fastnacht im Kleinformat. „Ich hoffe, dass das Land Baden-Württemberg noch Kleinveranstaltungen mit bis zu 750 Menschen unter 2G-Bedingungen zulässt“, sagte Roland Wehrle der Deutschen Presse-Agentur. Dann dürften gegen Corona Geimpfte und nach einer Infektion Genesene teilnehmen. Gerade in Kleinstädten, „wo die Fasnet wirklich zu Hause ist, wo sie seit Jahrhunderten gelebt wird, sollte das möglich sein“.

Die Großveranstaltungen seien ohnehin längst abgesagt und für kleine Veranstaltungen an festen Plätzen gebe es schon Auflagen wie Einlasskontrollen und die Kontrolle der 2G-Einhaltung, sagte Wehrle. „Das halten die Narren natürlich auch ein“, versicherte er.

Er sei froh, dass das Feiern in einem solchen Rahmen möglich sei, sagte Wehrle. Gerade Kinder sollten die Tradition erleben. In vielen Orten stünden die Narrenzünfte in Kontakt mit Schulen und erörterten, was unter Corona-Bedingungen machbar sei. „Ich fände es sehr schwer erträglich, wenn Kinder ein zweites Mal darauf verzichten müssten“, sagte der Narrenpräsident. „Jetzt ist viel Fantasie gefragt.“ Die schwäbisch-alemannische Fastnacht sei eine Straßenfastnacht. „Was wir an Bällen und so weiter haben ist nur eine Ergänzung.“

Ganz anders sieht das die Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine, die viel Wert auf große Veranstaltungen legt. Schatzmeister Walter Egersdörfer ist traurig, weil die im Fernsehen vor Corona live übertragene Prunksitzung ins Wasser gefallen ist. Kaum ein Trost sei, dass am 27. Februar ein Zusammenschnitt der Sitzungen der vergangenen Jahre im SWR-Fernsehen gesendet werde. Das weitere Programm wird nach hinten verlegt: Das Turnier der Männerballette in der Deidesheimer Stadthalle wird am 21./22 Mai ausgetragen, im Juli werden altgediente Karnevalisten im Fasnachtsmuseum in Speyer mit der Auszeichnung Goldener Löwe bedacht.

„Viele der Mitglieder stehen wegen Corona finanziell mit dem Rücken zur Wand“, sagte Egersdörfer. Dabei gehe es den 200 Mitgliedsvereinen aus Baden noch vergleichsweise gut. Baden-Württembergs Landesregierung habe den Vereinen mit 400.000 Euro unter die Arme gegriffen. Je nach Größe seien 800, 1200 und 1400 Euro an die Vereine verteilt worden. Die rund 160 Mitgliedsvereine aus Rheinland-Pfalz seien leer ausgegangen. Egersdörfer sagte mit einem Schmunzeln: „Manche Vereine haben schon überlegt, ihren Sitz nach Baden-Württemberg zu verlegen.“

Die 1924 gegründete VSAN mit Sitz in Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) ist eine der ältesten Narrenvereinigungen Deutschlands. In ihr sind 68 Narrenzünfte aus den Regierungsbezirken Freiburg, Tübingen und Stuttgart, dem bayerischen Regierungsbezirk Schwaben sowie fünf Kantonen in der Schweiz zusammengeschlossen. dpa

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