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„Einfach nur toll“: Karlsruher Sonnebad startet Außen-Saison

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Eröffnung des Freibads Sonnenbad
Besucher des Freibads "Sonnenbad" springen zur Eröffnung des Freibads in das Wasser des Beckens. © Uli Deck/dpa

Corona-Masken ab und rein ins Wasser: Im Karlsruher Sonnenbad ist die Freibad-Saison eröffnet. Die Freude beim Anbaden war groß. Grund zum Jubeln gibt es bei kommunalen Bädern ansonsten nicht.

Karlsruhe - Der Himmel ist meist trüb, die Laune aber bestens: „Endlich!“, „einfach nur toll“ und „sensationell“ schwärmen die ersten Badegäste. Bei zwölf Grad hat das Karlsruher Sonnenbad am Freitag die Freibad-Saison eröffnet. Nach Angaben der städtischen Bädergesellschaft meldet es sich damit erneut als erstes reines Freibad in Deutschland aus der Winterpause zurück. Etwa 50 Schwimmfans stürzten pünktlich um 10.00 Uhr nach einem Countdown ins 27,8 Grad warme Wasser.

Für die ersten Schwimmzüge im Freien kamen manche von weit her. „Ich bin extra aus Niedersachsen angereist“, sagte eine gut gelaunte Schwimmerin mit orangefarbener Perücke und Blümchenkranz. Das mache sie schon seit Jahren. „Es ist eine schöne Veranstaltung, man sieht ja, wie viel Freude die Leute haben.“

Zum Anbaden unter Corona-Bedingungen sprangen die Badegäste in Vierergruppen nach dem Startschuss vom Beckenrand. Ihre Masken hatten sie vorher symbolisch an eine Leine gehängt. Zu den Klängen des Badnerlieds und unter dem diesjährigen Motto „Frisch auf, frisch auf ins Sonnenbad“ zogen sie ihre Bahnen. Die bunten Regenschirmhütchen, die der Freundeskreis des Sonnenbades verteilt hatte, waren gar nicht nötig. Gegen Mittag rissen die Wolken sogar auf - und das Sonnenbad machte seinem Namen alle Ehre.

Nur sieben Wochen hatten die Betreiber Zeit, um das über 50 Jahre alte Bad in der Winterpause auf Vordermann zu bringen. Nach Angaben des Karlsruher Bäderchefs Oliver Sternagel wurden gebrochene Rohre erneuert, kaputte Fließen ausgetauscht, Dächer repariert und die Umkleiden neu gestrichen: Hellblau für Männer, Lachsfarbe für Frauen.

Die Freude zum Saisonstart ist das eine - doch sonst haben kommunale Bäder derzeit wenig Grund zum Jubeln. Schon ohne Corona schreiben viele Verluste. Die Pandemie hat die Lage verschlimmert. Im vergangenen Herbst habe die Auslastung nur bei 60 bis 80 Prozent im Vergleich zurzeit vor der Pandemie gelegen, so der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Die Verluste für einzelne Bäder könnten in die Millionen gehen. Eine solide Finanzierung sei nötig.

Corona hat auch die Karlsruher Bäder gebeutelt. „Den ersten Lockdown konnten wir noch nutzen für Arbeiten, die im laufenden Betrieb sonst nicht möglich gewesen wären“, sagt Bäderchef Sternagel. Im zweiten Lockdown mussten Beschäftigte in Kurzarbeit. Erst seit Frühsommer vergangenen Jahres sind die Bäder wieder offen. Die Nachfrage ist längst nicht wie vor Corona. „Die Leute sind vorsichtig.“ Sternagel registriert ein Drittel weniger Einnahmen als sonst - bei steigenden Ausgaben, etwa bei Energiekosten.

Das Sonnenbad vor der Kulisse eines großen Kraftwerks ist das einzige Freibad, das von Ende Februar bis zum ersten Advent offen ist. Möglich wird das auch durch großzügige Spenden des Freundeskreises. Damit Planschen, Baden oder Schwimmen auch bei Kälte Spaß macht, wird das Wasser je nach Wetter aufgeheizt. Bis Anfang Mai und ab Mitte September ist dafür ein Heizkostenzuschlag in Höhe von 1,50 Euro zum Eintrittspreis (4,50 Euro) fällig.

Ist es angesichts von Klimawandel überhaupt noch zeitgemäß, im Winter Wasser draußen zu heizen? „Die Leute stimmen mit den Füßen ab“, sagt Bäderchef Sternagel. „Schwimmen ist auch ein Kulturgut.“ Und im Freien dient es der Gesundheit, betont Freundeskreis-Vorsitzende Roswitha Böhringer. Für sie ist es auch ein Stück Freiheit. Bäderchef Sternagel liebt speziell die Sonnenbad-Eröffnung: „Es ist ein Happy Day - man hat nur glückliche Menschen um sich.“ dpa

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