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Bonita und Wolfgang Grupp Junior: So schafft es Trigema, noch in Deutschland zu produzieren

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Von: Sina Alonso Garcia

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Mit der Devise „100 Prozent Made in Germany“ hebt sich Textilhersteller Trigema aus Burladingen von der Masse ab. Wie kann ein Unternehmen in Deutschland ein solches Versprechen heute noch leisten?

Burladingen - Der Textilhersteller Trigema aus Burladingen ist weit über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus bekannt. Wie kaum ein anderer beherrscht es Geschäftsführer Wolfgang Grupp, seine Wertvorstellungen und Strategien medienwirksam zu platzieren. Mit dem Ansatz „100 Prozent Made in Germany“ ist Trigema in der Textilbranche quasi allein auf weiter Flur. Zwar bringen die steigenden Energiepreise aufgrund des Ukraine-Kriegs die Burladinger derzeit ins Straucheln. Grupp betonte jedoch, dass bei Trigema keine Entlassungen zu befürchten sind. Wie schafft es das Traditionsunternehmen, in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit zu bestehen? Darüber berichtet BW24.

Bonita und Wolfgang Grupp Junior (geb. 1989 und 1991), die Kinder des Trigema-Chefs, machen sich seit einiger Zeit Gedanken über die Zukunft des Unternehmens. Und das nicht umsonst: Beide tragen mit Anfang 30 bereits viel Verantwortung in der Firma. Bonita leitet die Bereiche Onlinehandel und Personal, Wolfgang Junior verantwortet die Geschäftskunden und IT-Projekte. Im Gespräch mit familienunternehmen.eu erklären sie, wie Trigema es schafft, vollständig in Deutschland zu produzieren. Laut Wolfgang Junior gebe es „viele Stellschrauben, an denen man drehen kann“.

So stelle man sich ständig die Frage, wie man noch effizientere Abläufe schaffen könne. Zudem sei es wichtig, optimale Stückzahlen zu produzieren. „Die Menge pro Variante darf nicht zu klein sein, sondern sollte je nach Artikel mindestens 100 bis 200 Stück betragen.“ In Zukunft will Grupp Junior auf Automatisierung setzen und plant etwa einen „Polohemd-Automaten“ als Ersatz für Näherinnen.

Bonita und Wolfgang Grupp Junior: Trigema will durch Qualität und faire Produktion punkten

Neben dem Effizienzgedanken sei es laut Wolfgang Grupp Junior wichtig, mutig zu sein. „Die große Stärke unseres Vaters war immer, auch mal zu einem Kunden ‚Nein‘ zu sagen, wenn es um den Preis ging. Da wir zu 100 Prozent in Deutschland produzieren, ist unser Preis im internationalen Vergleich natürlich nicht sehr wettbewerbsfähig.“ Sicherlich habe man kleinere Margen als manch anderes großes Label und auch einen kleineren Werbeetat. „Daher müssen wir durch andere Eigenschaften punkten, wie zum Beispiel Qualität, nachhaltige und faire Produktion und Schnelligkeit sowie Flexibilität.“

Nachhaltigkeit ist für Wolfgang Grupp Junior „kein Modewort“. Während man im Textilbereich häufig von „Green Washing“ lese, sei man bei Trigema nicht auf derartige PR-Kampagnen angewiesen. „Wir leben das durch und durch“, verspricht Grupp Junior. So verwende man etwa keine Biobaumwolle, wenn man nicht „voll davon überzeugt“ sei, dass diese „auch von A bis Z nachhaltig“ sei. Zudem verzichte man bei den Produkten auf unnötigen Schickschnack - etwa überflüssige Warenanhänger oder Etiketten. „Wir versuchen, resourceneffizient zu produzieren und so viel wie möglich wiederzuverwerten“, betont Grupp Junior. „Zum Beispiel werden Stoffreste als Putzlappen weiterverkauft.“ Eine Besonderheit sei auch die umweltfreundliche Bekleidung: „Unser Cradle-to-Cradle T-Shirt kann man im Zweifel auf den Komposthaufen werfen und binnen neun Monate hat es sich restlos aufgelöst.“

Bonita Grupp: „Bodenständigkeit haben wir uns über all die Jahre bewahrt“

Wolfgang Grupp Junior und Schwester Bonita
Noch ist nicht abschließend geklärt, wer von ihnen einmal in Papa Grupps Fußstapfen tritt - Wolfgang Grupp Junior oder seine Schwester Bonita. © Sebastian Gollnow/dpa

Für Bonita Grupp liegt das Erfolgsgeheimnis von Trigema mitunter darin, dass viele Prozesse intern abgewickelt werden. „Am Anfang muss man Dinge auch extern vergeben, bis man das Know-how intern aufbauen kann. Wir haben beispielsweise unseren eigenen Online-Shop. aber auch diverse Partner, über die wir verkaufen. Beispielsweise machen wir das gesamte Onlinemarketing selbst, denn wir möchten keine externen Abhängigkeiten, um flexibler reagieren zu können.“ Dieser Ansatz habe dem Unternehmen insbesondere während der Coronazeit geholfen, flexibel auf äußere Umstände reagieren zu können.

„Wenn ich von Flexibilität spreche, heißt das aber auch, dass wir Mitarbeiter flexibel einsetzen“ sagt Bonita. „Wenn in einem Bereich weniger Kapazität benötigt wird, werden Mitarbeiter für kurze Zeit in einem anderen Bereich eingesetzt. Diese Bodenständigkeit haben wir uns über all die Jahre bewahrt.“

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