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SAP-Betriebsratschef bemängelt „Gerechtigkeitslücke“ bei Gehältern

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Von: Julian Baumann

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Ein Mann geht über eine verglaste Brücke zwischen zwei Firmengebäuden des Softwarekonzerns SAP
Der Gesamtbetriebsratschef der SAP bemängelt eine „Gerechtigkeitslücke“ bei den Gehältern des Software-Giganten aus Baden-Württemberg. © Uwe Anspach/dpa

Die Gehälter beim Software-Konzern SAP können sich eigentlich sehen lassen. Der Gesamtbetriebsratschef bemängelt dennoch eine „Gerechtigkeitslücke“.

Walldorf - Der Software-Konzern SAP ist eines der wichtigsten Unternehmen der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Die Gehälter bei SAP können sich durchaus sehen lassen, in jüngerer Zeit äußerten Mitarbeiter dennoch ihren Unmut. Auch Gesamtbetriebsratschef Eberhard Schick sprach im Gespräch mit der WirtschaftsWoche von einer „Gerechtigkeitslücke“ bei den Vergütungen des Unternehmens aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis). Auf den ersten Blick klingt diese Äußerung eher merkwürdig, Schick stellte allerdings klar, dass er die Gehälter bei SAP als nicht zu gering ansehe, wie BW24 berichtet.

SAP ist mit mehr als 100.000 Mitarbeitern der größte europäische und weltweit drittgrößte börsennotierte Software-Konzern. Als Unternehmen einer solchen Größe hat SAP natürlich, wie beispielsweise auch Autokonzern Mercedes-Benz, einen Betriebsrat, der die Bedürfnisse der Angestellten vertritt. Themen, die die SAPler aktuell umtreiben, sind neben den Veränderungen in der Arbeitswelt, Home-Office und Büropräsenz, auch die Gehälter, wie Eberhard Schick erklärte. Laut einer Umfrage vom Februar sind die SAP-Mitarbeiter trotz Gehältern von 80.000 Euro aufwärts unzufrieden.

SAP: Gesamtbetriebsratschef spricht von deutlichen Unterschieden bei den Gehältern

Die aktuellen Probleme der Weltwirtschaft gehen auch an der SAP nicht spurlos vorbei. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Arbeitswelt deutlich gewandelt und viele Angestellte bevorzugen inzwischen das Arbeiten in den eigenen vier Wänden. Der SAP-Personalchef sagte im vergangenen Jahr, die Pandemie sorge für eine Vermenschlichung der Arbeitswelt. „Das, was in Coronazeiten erfolgreich praktiziert wurde, nämlich dass man zu Hause gleichwertig arbeiten kann wie im Büro – das soll auch in Zukunft gelten“, sagte SAP-Betriebsratschef Schick der WirtschaftsWoche. Deshalb werden feste Arbeitsplätze aufgegeben und neue flexible Zonen geschaffen. „Diese Veränderungen und die Folgen treiben gerade viele Mitarbeiter um.“

Dass das Thema Entgelt bei der SAP aktuell ebenfalls ein viel diskutiertes Thema ist, liegt laut Schick aber nicht daran, dass das Walldorfer Unternehmen schlecht bezahlt. „Es geht um zu niedrige Einstiegsgehälter“, machte er deutlich. „Von den fünf Gehaltsbändern der SAP bezahlt das Unternehmen in den ersten drei bestenfalls ‚geht so‘, ab dem vierten Level bezahlen wir gut bis sehr gut, und ab dem fünften Niveau bezahlen wir überproportionale Spitze“, führte er weiter aus. „Es gibt hier vor allem unten eine Gerechtigkeitslücke.“ Frauen haben bei der SAP aber offenbar wenig Chancen, in höhere Ebenen aufzusteigen.

Zukunftsplan von SAP sieht Komplettumbau Richtung Cloud vor

Im Rahmen des Ukraine-Krieges geriet auch die SAP ins Kreuzfeuer. Ukrainische Medien kritisierten den Software-Konzern aufgrund des Russland-Geschäfts. Das Unternehmen hatte ursprünglich vor, den russischen Kunden Zugriff auf Daten und Software von außerhalb Russlands zu ermöglichen. Das führte zu Kritik, da angenommen wurde, SAP wolle damit die Sanktionen übergehen. Inzwischen haben sich die Walldorfer aber vollständig aus Russland zurückgezogen. Der Zukunftsplan von SAP sieht einen Komplettumbau in Richtung Cloud vor, wie Vorstandschef Christian Klein bereits Ende 2020 verkündete.

Dieser Zukunftsplan belastet die Mitarbeiter der SAP laut Gesamtbetriebsratschef Eberhard Schick aber nicht. „Dass wir in die Cloud gehen müssen, ist allen klar“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Der deutsche Ingenieur neigt zu Skepsis, das wissen wir. Aber bei uns ist die Stimmung grundsätzlich gut.“ (Weitere aktuelle Nachrichten aus der Wirtschaft auf BW24).

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