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Brutale Rache und Flucht in den Iran: Prozessbeginn

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Gefesselt, geknebelt, mit einem Messer verstümmelt: Aus Rache soll ein Mann versucht haben, die Attraktivität seiner ehemaligen Freundin zu zerstören. Mehr als neun Jahre später beginnt der Prozess in Berlin.

Berlin - Während die Mutter fast zu Tode misshandelt wurde, lag die kleine Tochter gefesselt in einem anderen Zimmer der Wohnung: Mehr als neun Jahre nach dem brutalen Angriff gegen eine Frau steht der mutmaßliche Täter vor dem Berliner Landgericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord in zwei Fällen, Vergewaltigung und schwere Körperverletzung. Die Verteidiger des 54-Jährigen erklärten zu Prozessbeginn am Donnerstag, ihr Mandant werde sich derzeit nicht äußern.

Der im Irak geborene Mann mit niederländischer Staatsangehörigkeit soll seine ehemalige Freundin aus Rache und Eifersucht brutal misshandelt haben. Das Ziel war laut Anklage, sie ihrer Attraktivität und Weiblichkeit zu berauben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er grausam und aus niedrigen Beweggründen töten wollte. Nach der Tat sei er in den Iran geflohen.

Der Angeklagte soll im Oktober 2012 in die Wohnung der Frau in Berlin-Schöneberg eingedrungen sein. Er soll sie gefesselt, geknebelt, sexuell misshandelt und schließlich mit einem Messer an Brüsten, Nase und im Genitalbereich schwer verletzt haben. Zuvor habe er ihre damals zehnjährige Tochter gefesselt und geknebelt in einen anderen Raum der Wohnung gesperrt. Er habe die Opfer dann in hilfloser Lage zurückgelassen.

Der lebensgefährlich verletzten Frau - einer damals in Berlin lebenden Iranerin - war es laut Anklage mit letzter Kraft gelungen, ein Fenster zu erreichen. Ein Passant habe ihren schwachen Hilferuf wahrgenommen und die Polizei alarmiert.

Anwalt Roland Weber, der die Frau als Nebenklägerin im Prozess vertritt, sagte am Rande: „Die Verletzungen sind unvorstellbar grausam.“ Dank einer „überragenden medizinischen Hilfe“ gehe es der Frau heute den Umständen entsprechend gut. Dutzende Operationen habe sie hinter sich bringen müssen. Der Angeklagte habe bei der Tat erklärt, „dass er es machen müsse, weil sie sich von ihm trennen wollte“.

Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft. Er sei in den Jahren 2003 und 2005 in den Niederlanden unter anderem wegen versuchten Totschlags und Vergewaltigung seiner damaligen Ehefrau verurteilt worden, hieß es am Rande der Verhandlung. Nach dem Angriff gegen seine Ex-Freundin in Berlin war er laut Staatsanwaltschaft im Oktober 2012 in die Türkei und von dort in den Iran geflohen.

Im Iran wurde er Angaben zufolge auch wegen der nun verhandelten Vorwürfe verurteilt, saß bis zu seiner Entlassung im Mai 2019 im Gefängnis und floh dann in die Niederlande. Dort wurde er 2020 festgenommen und schließlich im Juli 2021 nach Deutschland ausgeliefert.

Zuvor hatte sich der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit der Frage beschäftigt, ob ein Fall des Verbots der Doppelbestrafung vorliegt. Jedenfalls hinsichtlich der Auslieferung habe der EuGH das verneint, hieß es. Der Prozess wird am 27. Januar fortgesetzt. dpa

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