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Private Hilfe auf dem Bahnsteig: Berliner helfen Ukrainern

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Hilfe am Bahnhof Berlin
Freiwillige stehen am Hauptbahnhof und warten auf den Zug aus Warschau, um ukrainischen Flüchtlingen zu helfen. © Jörg Carstensen/dpa/Archivbild

Sie organisieren Betten, Essen und Fahrkarten: In Berlin helfen zahlreiche Freiwillige Ukrainern, die vor dem Krieg flüchten. Einer der Einsatzorte ist der Hauptbahnhof.

Berlin - Am Berliner Hauptbahnhof sind einige Tische voll bepackt mit Äpfeln, Bananen, Brötchen, belegten Broten und Tee. Hinzu kommen unzählige Wasserflaschen, Kisten mit Masken und Hygieneartikeln. Freiwillige haben die Lebensmittel mitgebracht und ihre Namen und Sprachen, die sie sprechen, auf Malerkrepp geschrieben und an die Jacken geklebt. Die überwiegend jungen Leute warten am Dienstag auf Gleis 13 am Bahnsteig auf einen weiteren Zug mit Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine.

„Ich will nicht wissen, was passieren würde, wenn wir nicht hier stehen würden. Dann würden hier jedes Mal 30 bis 40 Personen ankommen, die nicht wissen, wo sie hin sollen“, sagt Helferin Judith Rauwald. „Wir sind nur Privatleute, die sich über Chatgruppen organisieren.“ Die 32-Jährige bedauert, dass von Seiten des Landes Berlin niemand auf den Bahnhöfen helfe.

„Der Vorwurf, dass wir nicht vor Ort sind, stimmt nicht. Seit dem Wochenende arbeiten wir Tag und Nacht unter Hochdruck“, sagt Stefan Strauß, Sprecher der Sozialverwaltung. Mitarbeiter des Krisenstabs und des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten seien nachts auf den Bahnhöfen unterwegs. Außerdem seien dort Hinweisschilder in ukrainischer Sprache aufgestellt worden, die auf das Ankunftszentrum als erste Anlaufstelle für alle Flüchtlinge hinweisen, so Strauß.

Seit Sonntag verteilen die Freiwilligen laut Rauwald hier schon Essen, organisieren Fahrten zu anderen Zielen Deutschlands, ins Ankunftszentrum oder zu Privatleuten. „Die Flüchtlinge brauchen ganz unterschiedliche Hilfe. Manche wissen, wo sie hinkönnen, andere wissen überhaupt nichts“, so Rauwald.

Unter den Wartenden: die in Berlin lebende Ukrainerin Nadja Tschaika, die für ein Unternehmen arbeitet, das Krankenschwestern in der Ukraine die deutsche Sprache vermittelt, um sie anschließend in deutsche Kliniken oder an Pflegedienste zu vermitteln. Jetzt unterstützen Tschaika und Helfer geflüchtete Krankenschwestern und ihre Familien. Heute sind es Olja Kondrin und ihre Kinder Sofia und Wolodja, die ein Fahrer nun nach Hamburg bringen soll. Die dortige Firmenzentrale in Hamburg habe geholfen, Unterkünfte zu organisieren.

Fünf Tage lang waren die Kondrins aus der Region Iwano-Frankiwsk im Westen der Ukraine unterwegs, mehrere Tage dauert allein das Warten an der Grenze zu Polen. „Mein Mann musste da bleiben“, sagt Olja Kondrin. Ihre Region habe es noch nicht so hart getroffen wie andere. In anderen Teilen des Landes sei es schlimmer, so die Ukrainerin.

Ihre eigene Familie sei in der Ukraine geblieben, sagt Nadja Tschaika. Sie kommt aus der Stadt Ternopil im Westen des Landes. „Meine Eltern sind schon älter und können die tagelange Reise nicht mehr auf sich nehmen. Sie unterstützen Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine“, sagt Tschaika.

Die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine seien schwer zu ertragen, sagt Nadja Tschaika. Auf ihrem Handy zeigt sie eine ganze Reihe von Chatgruppen, unter anderem auch der Krankenschwestern, die noch in der Ukraine sind. „Wir fragen uns ständig untereinander, wie es geht. Und wenn zwei, drei Stunden von einer keine Nachricht kommt, fangen wir alle an zu beten“, so Tschaika.

„Die Frauen und ihre Kinder sind oft seit mehreren Tagen in Luftschutzbunkern. Die Frauen können überhaupt nicht schlafen und die Kinder verstehen nicht, was vor sich geht“, erzählt Nadja Tschaika. Auch ihr selbst falle es derzeit sehr schwer, ruhig zu bleiben. „Aber ich will ja weitermachen und helfen.“ dpa

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