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Tödliche Schüsse vor Backshop: Angeklagter schweigt

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Gericht
Prozessakten liegen in einem Gerichtssaal. © Thomas Frey/dpa/Symbolbild

Der Angreifer zog plötzlich eine Pistole, gab vier Schüsse ab und floh zu Fuß. Von einem Mord aus Rache für eine andere Gewalttat geht die Anklage aus. Nun begann der Prozess. Was droht ihm?

Berlin - Knapp acht Monate nach tödlichen Schüssen auf einen 46 Jahre alten Mann vor einem Backshop in Berlin-Wedding hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder begonnen. Der 49-Jährige habe sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft an der Familie des Opfers rächen und die Ehre seiner eigenen Familie wiederherstellen wollen. Anlass sei eine tödliche Messerstecherei drei Monate zuvor gewesen, heißt es in der Anklage. Der Verteidiger erklärte zu Prozessbeginn am Dienstag vor dem Berliner Landgericht, sein Mandant werde sich vorläufig nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Angeklagte mit deutscher und irakischer Staatsbürgerschaft muss sich wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er den aus Tunesien stammenden 46-Jährigen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen angegriffen habe. Der Prozess läuft unter verschärften Sicherheitsbedingungen.

Der 46-Jährige habe nichts ahnend mit Bekannten vor einem Backshop an der Reinickendorfer Straße gesessen, als sich am 27. August 2021 gegen 19.35 Uhr der mutmaßliche Angreifer näherte, heißt es in der Anklage. Aus einer Entfernung von zwei Metern habe der Täter vier Schüsse abgefeuert. Der 46-Jährige sei unter anderem im Hals getroffen worden und wenig später noch vor Ort gestorben.

Anlass der Tat war laut Staatsanwaltschaft der Tod eines Neffen des Angeklagten. Der 49-Jährige sei davon ausgegangen, dass der Sohn des attackierten Tunesiers den 18-Jährigen im Mai 2021 getötet hatte. Der Angeklagte sei überzeugt gewesen, dass die durch die Tötung des 18-Jährigen verletzte Ehre seiner Familie „nur durch die Tötung eines Angehörigen der Familie des vermuteten Täters wiederhergestellt werden könnte“, heißt es in der Anklage. Dabei habe er gewusst, dass der 46-Jährige keine Schuld am Tod des 18-Jährigen gehabt habe.

Eine Kriminalbeamtin sagte im Prozess, mehrere Zeugen hätten das Geschehen beobachtet, einige teilweise. Nach ihren Schilderungen habe der Verdächtige die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht gezogen, als er schoss. Ein Mann, der als Sicherheitsmitarbeiter in einem Supermarkt tätig war, habe die Verfolgung des Täters aufgenommen. Dieser sei zunächst zu Fuß geflohen, dann in ein weißes Fahrzeug gestiegen. Der Zeuge habe das Auto mit seinem Handy fotografieren können. Auch das Kennzeichen habe er notiert.

Der Angeklagte befindet sich seit Oktober in Untersuchungshaft. Er soll auch gegenüber der Polizei zu den Vorwürfen geschwiegen haben. Gegen den Sohn des erschossenen Mannes hatte eine Jugendstrafkammer des Landgerichts im Februar 2022 wegen Totschlags eine Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verhängt. Er soll in einem Park ein Messer gezogen haben, als zwei große Gruppen in Streit geraten seien. Das Urteil gegen den zur Tatzeit 16-Jährigen ist noch nicht rechtskräftig. Im Verfahren um den Tod seines Vaters ist der inhaftierte Jugendliche Nebenkläger.

Für den Prozess gegen den 49-Jährigen sind bislang 15 weitere Tage bis Anfang August 2022 terminiert. Die Verhandlung wird am 21. April fortgesetzt. dpa

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