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Klima-Kleber sorgten für Stau: Frau nach Betonmischer-Unfall tot – Feuerwehr sieht keinen Einfluss durch Aktion

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Von: Jennifer Lanzinger, Stefanie Fischhaber, Kai Hartwig

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Die Berliner Feuerwehr sieht in dem Stau, der durch Klima-Proteste ausgelöst wurde, keinen Einfluss auf das Überleben des Unfallopfers. Der News-Ticker.

Update vom 04. November, 19.10 Uhr: Auch international sorgt der Tod der Radfahrerin in Berlin für Aufsehen, nun meldete sich die UN zu Wort. „Menschen müssen engagiert sein, aber natürlich müssen sie in jeder Situation verantwortungsbewusst sein, um anderen keinen körperlichen Schaden zuzufügen“, sagte der Sprecher Stephane Dujarric am Freitag (4. November) in New York. „Aber ich bezweifle, dass es die Absicht jeglicher Proteste gewesen ist, die medizinische Versorgung zu verzögern.“

UN-Generalsekretär António Guterres teile die Wut und Frustration von Demonstrantinnen und Demonstranten über den Mangel an Fortschritten im Kampf gegen die Erderhitzung – Proteste seien wichtig. „Wir haben die Jugendbewegungen vor ein paar Jahren gesehen. Und ich denke, ohne diese Bewegungen hätten wir nicht die Fortschritte erzielt, die wir erzielt haben“, so Dujarric weiter.

Trotz Todesfall: „Letzte Generation“ setzt Klimademonstration in Berlin fort

Update vom 04. November, 18.15 Uhr: Die Klimademonstranten haben ihren Protest in Berlin mit Straßenblockaden fortgesetzt. Die Gruppe „Letzte Generation“ veröffentlichte am Freitag (4. November) bei Twitter Fotos zu den Aktionen und begründete ihre Entscheidung damit, dass „den Alltag einfach weiterzumachen“, das „größte Risiko für die Menschheit“ sei. „Hinzunehmen, dass die Regierung nicht mal einfachste Sicherheitsmaßnahmen ergreift“, bezeichnete die Gruppe als „größte Gefahr“.

Der italienische Zweig von „Letzte Generation“ attackierte zeitgleich zu den heutigen Protesten ein Gemälde von Van Gogh in Rom.

Update vom 04. November, 13.30 Uhr: Sind die Klimaaktivisten schuld am Tod einer Radfahrerin? Die Debatte wird derzeit hitzig geführt. Eine Anwältin erklärt die sachlichen Fakten.

Deutscher Journalistenverband äußert sich zu Kritik: Keine Hetze gegen „Letzte Generation“

Update vom 04. November, 13.20 Uhr: Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat Kritik der Gruppe „Letzte Generation“ an den Medien zurückgewiesen. „Ich sehe keine Hetze in der Berichterstattung“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner am Freitag (04. November) der Nachrichtenagentur AFP. „Die ‚Letzte Generation‘ muss sich gefallen lassen, dass über den Unfall in den Medien berichtet wird.“

Die Gruppe hatte nach dem Tod einer von einem Betonmischer überrollten Radfahrerin, deren Rettung möglicherweise durch Klimablockaden behindert wurde, die „Medienlandschaft“ scharf kritisiert. Die Gruppe beklagte in einem Statement unter anderem eine „Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten und Hetze“.

Die Medien hätten die Aufgabe, „angemessen zu berichten“, sagte Zörner. Dass es jetzt eine „kritische Kommentierung“ der Proteste sowohl in den klassischen als auch sozialen Medien gebe, könne nicht verwundern. Denn der Unfall sei ein „Ereignis, das polarisiert“.

Klima-Kleber sorgten für Stau: Feuerwehr sieht keinen Einfluss durch Aktion

Update vom 04. November, 11.30 Uhr: Laut der Berliner Feuerwehr hatte der Stau keinen Einfluss auf den Tod der Radfahrerin. Das steht offenbar in einem internen Vermerk der Feuerwehr, der der Süddeutsche Zeitung vorliegt.

Wie die Zeitung berichtet, stehe in dem Vermerk über den „Einsatz 277 vom 31. Oktober“: „Das Unfallopfer, das bei Eintreffen unter dem mittleren Reifen des Lasters mit einem Bein eingeklemmt“ war, sei an Ort und Stelle von einer Notärztin versorgt worden. Diese sei durch den Stau nicht gehindert gewesen. Das Spezialfahrzeug der Feuerwehr, dass den Betonmischer hätte anheben können, stand zu da noch im Stau. Die Notärztin hätte zu dem Zeitpunkt bereits entschieden, auf das Anheben des Betonmischers zu verzichten.

Der Betonmischer hätte sich stattdessen mit eigener Motorkraft fortbewegen sollen, auch wenn dies ein Risiko darstellte. „Selbst wenn mit Rüstwagen oder Kran andere technische Möglichkeiten zur Verfügung gestanden hätten, war dies die richtige Vorgehensweise.“ Die Süddeutsche schreibt, dass nach Einschätzung der Rettungskräfte der Einsatz des Spezialfahrzeugs demnach medizinisch nicht angezeigt gewesen wäre.

„Ein Anheben wurde kurz erwogen, hätte aber wohl länger gedauert wie auch die medizinische Situation verschlechtert“, heißt es laut SZ in dem Bericht zur Begründung für die Entscheidung Notärztin. Der Vermerk sei von dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes in Berlin unterzeichnet.

Weiter heiße es in dem Bericht: „Zur Frage der technischen Rettung hat die Notärztin klar geäußert, dass sie sich auch bei der Verfügbarkeit von anderen technischen Möglichkeiten durch Rüstwagen oder Kran sofort für diese Methode entschieden hätte.“ Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sei der Vermerk schon am Dienstagnachmittag an die Berliner Innensenatorin als übergeordnete Behörde geschickt worden.

Klima-Kleber sorgten für Stau: Frau nach Betonmischer-Unfall tot

Update vom 04. November, 09.55 Uhr: Die bei einem Unfall mit einem Betonmischer in Berlin lebensgefährlich verletzte Radfahrerin ist tot. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (04. November) gemeinsam mit. Die 44-Jährige sei am Donnerstagabend im Krankenhaus verstorben. Zuvor war die Frau nach Polizeiangaben bereits für hirntot erklärt worden. Der Unfall hat für bundesweites Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Denn ein Spezialfahrzeug, das helfen sollte, die Verletzte unter dem Lkw zu befreien, stand nach Angaben der Feuerwehr in einem Stau auf der Stadtautobahn. Dieser soll durch eine Aktion der Klima-Protestgruppe „Letzte Generation“ ausgelöst worden sein.

Klima-Kleber sorgten für Stau: Frau nach Betonmischer-Unfall hirntot – „Letzte Generation“ beklagt „Hetze“

Update vom 04. November, 06.40 Uhr: Nach dem Hirntod einer von einem Betonmischer überrollten Radfahrerin, deren Rettung möglicherweise durch Klimablockaden behindert wurde, hat die Aktivistengruppe „Letzte Generation“ dem Spiegel zufolge scharfe Kritik an den Medien geübt und weitere Proteste angekündigt. „Dass ein ganzes Mediensystem sich gegen uns wenden würde, damit haben wir nicht gerechnet“, erklärte die Gruppe in einem Statement, aus dem der Spiegel zitiert.

In dem Statement beklagte die Gruppe demnach eine „Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten und Hetze“ gegen sich und warf der „Medienlandschaft“ vor, dass sie die Umstände des Unfalls der Radfahrerin in Berlin „in dieser Form fiktiv aufbauscht und damit demokratischen Protest in einer Krisensituation delegitimiert“.

Zu dem Unfall heißt es: „Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass die Radfahrerin im Straßenverkehr verunglückt ist, ist furchtbar. Wir sind bestürzt und in Trauer“. Es sei jedoch „an der Zeit, eine Grenze zu ziehen“, ergänzte die Gruppe „Letzte Generation“ mit Blick auf die Berichterstattung über sie.

Zu künftigen Aktionen heißt es, die Gruppe werde sich von „öffentlicher Hetze“ nicht davon abbringen lassen, „das einzig moralisch Richtige zu tun: In einer alles entscheidenden Krise nicht zu verharren, sondern loszugehen.“

Update vom 03. November, 22.37 Uhr: Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat eine entschiedene Verfolgung möglicher Straftaten bei Klimaprotesten gefordert. „Wenn Straftaten begangen werden und andere Menschen gefährdet werden, ist jede Grenze legitimen Protests überschritten“, sagte Faeser am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „All das hat mit einer demokratischen Auseinandersetzung überhaupt nichts zu tun. Die Straftäter müssen schnell und konsequent verfolgt werden.“ „Diese Aktivisten stellen sich über das Gesetz und greifen zu Mitteln, die dem wichtigen Anliegen des Klimaschutzes nicht nutzen, sondern erheblich schaden“, so Faeser weiter.

Die Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ selbst bezeichneten den Protest zuvor als „friedlich, zivil“ und „demokratisch“ (siehe Update, 17.52 Uhr). „Ich würde mir sehr sehr wünschen, dass die Politik von sich aus uns schützt und dass wir das [Anmerkung: die Klimaproteste] nicht machen müssen“, so Aimee van Baalen, Sprecherin der Gruppe, gegenüber RTL.

Nancy Faeser hat eine entschiedene Verfolgung möglicher Straftaten bei Klimaprotesten gefordert (Archivbild).
Nancy Faeser hat eine entschiedene Verfolgung möglicher Straftaten bei Klimaprotesten gefordert (Archivbild). © Bernd von Jutrczenka/dpa

Nach Hirntod von Radfahrerin: Klimaaktivisten äußern sich zu Protestaktionen

Update vom 03. November, 17.52 Uhr: Nach Unfall einer Radfahrerin in Berlin, haben sich die Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ erneut zu dem Vorfall geäußert. Ein Protest der Gruppe hatte einen Stau ausgelöst, der die Einsatzkräfte am Durchkommen hinderte. „Es trifft uns tief, dass die Radfahrerin, die am Montag in Berlin bei einem Unfall von einem Betonmischer schwer verletzt wurde, nun für hirntot erklärt wurde“, erklärte Aktivist Henning Jeschke am Donnerstag auf dpa-Anfrage.

Den Protest beenden wollen die Klimaaktivisten laut Jeschke nicht.  „Solange unsere höchsten politischen Organe unsere gemeinsame Verfassung mit Ansage brechen, da sie unsere Lebensgrundlagen zerstören, solange werden wir friedlichen Widerstand leisten.“

Mitglieder der Gruppe „Letzte Generation“ sitzen bei einer Blockade auf der Seestraße.
Klimaaktivisten von „Letzte Generation“ ernteten nach einem Unfall Kritik für ihre Blockade in Berlin. (Archivbild) © Paul Zinken/ dpa

Auch Aimee van Baalen, Sprecherin von „Letzte Generation“, sagte gegenüber RTL, die Straßenblockaden würden neben den Protesten an den Parlamenten weiterhin stattfinden, um den „Protest in die Gesellschaft“ hineinzutragen. Es handle sich um „friedlichen, zivilen Widerstand, der auch in der Geschichte sehr oft funktioniert hat und vor allem demokratisch ist.“

Betonmischer überfährt Radfahrerin: Ärzte erklären sie für hirntot

Update vom 03. November, 14.05 Uhr: Wie die Polizei Berlin über Twitter erklärt, ist die bei dem Unfall in Berlin schwer verletzte Frau nicht gestorben. „Wir bitten vielmals um Entschuldigung. Die behandelnden Ärzte haben den Hirntod festgestellt und betreuen sie weiterhin intensivmedizinisch“, so die Polizei in dem Statement.

Klimaaktivisten sorgten für Stau in Berlin: Radfahrerin nach Betonmischer-Unfall gestorben

Update vom 03. November, 12.40 Uhr: Nach dem tragischen Unfall in Berlin, bei dem eine Frau von einem Betonmischer-Lastwagen überrollt worden war, ist die 44-Jährige nun offenbar ihren schweren Verletzungen erlegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei.

Die Radfahrerin war am Montagmorgen in der Bundesallee von einem Betonmischer-Lastwagen überrollt und unter dem Wagen eingeklemmt worden. Feuerwehr-Einsatzkräfte mit Spezialgeräten standen wegen Protesten von Klimademonstranten auf der Stadtautobahn A100 im Stau und trafen erst verspätet am Unfallort ein, weshalb an der Unfallstelle improvisiert werden musste, wie die Feuerwehr betonte. Die Frau kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik.

Update vom 03. November, 06.43 Uhr: Ein Betonmischer überfährt eine Radfahrerin in Berlin. Die 44-Jährige ist schwerverletzt und liegt eingeklemmt unter dem tonnenschweren Fahrzeug. Die Feuerwehr konnte mit einem Spezialfahrzeug nicht rechtzeitig am Unfallort sein. Einsatzkräfte stecken im Stau auf der A100 fest – wohl auch, weil Klimaaktivisten auf ein Autobahnschild kletterten.

Betonmischer überfährt Radfahrerin – Feuerwehr braucht 19 Minuten bis zum Unfallort

Um 08.26 Uhr wurden die Einsatzkräfte in der Feuerwache Charlottenburg-Nord über den schweren Unfall mit dem Betonmischer alarmiert, berichtet der Tagesspiegel (hinter Bezahlschranke). Die zwei Demonstranten waren demnach schon um 07.20 Uhr auf das Autobahnschild geklettert. Wie immer hätten die Aktivisten kurz vorher die Polizei informiert. Zwei der drei Spuren auf der A100 seien dann für den Verkehr gesperrt worden. Das Rüstfahrzeug der Berliner Feuerwehr sei um 08.45 Uhr – nach 19 Minuten – am Unfallort angekommen. Normalerweise würde diese Strecke ohne Stau in etwa 12 Minuten zu bewältigen sein. Die Fahrt mit dem tonnenschweren Spezialfahrzeug sei aber „schleppend“ vorangegangen, berichteten Einsatzbeteiligte dem Tagesspiegel. Autofahrer hätten nur etappenweise eine „Rettungsgasse“ gebildet.

Ob die Klimaaktivisten tatsächlich zur Verzögerung beigetragen haben, ist eine Frage, die aktuell für Diskussionen sorgt. Auf Twitter schreiben Rettungskräfte, dass sie täglich im Stau stehen würden. Eigentlich bei jedem Einsatz. Überprüfen lässt sich das nicht.

Justizminister Buschmann äußert sich nach Unfall in Berlin: Gefängnisstrafen nicht ausgeschlossen

Update vom 02. November, 22.30 Uhr: Nachdem Einsatzkräfte offenbar durch eine Klima-Protestaktion verspätet zu einem Unfallort in Berlin gekommen sind, äußert sich nun Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) zu dem Vorfall.

Er hält Gefängnisstrafen für bestimmte Protestformen von Klimaaktivisten für möglich. Wer Leben und Leib anderer Menschen gefährde, überschreite die Grenze des akzeptablen Protests. Der Justizminister spricht dabei von „Protestformen, die zum Teil ins Kriminelle hineinreichen“.

Wer fremdes Eigentum beschädige, mache sich einer Sachbeschädigung strafbar. Wer Straßenblockaden errichte, mache sich möglicherweise der Behinderung von Rettungskräften sowie der Nötigung strafbar. Und wer Rettungswege oder Krankenwägen blockiere, könne sich unter Umständen einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig machen, so Buschmann.

Auch CDU-Generalsekretär Mario Czaja meldet sich zu Wort und schreibt auf Twitter, der Rechtsstaat müsse „gegen die Kriminellen von Letzte Generation durchgreifen.“ Er schlägt vor, „Blockierer“ mehrere Tage in „Anschlussgewahrsam“ zu stecken.

Unfall in Berlin: Zustand der Radfahrerin weiterhin kritisch

Update vom 02. November, 08.21 Uhr: Der Zustand der verletzten Radfahrerin (44) ist weiterhin kritisch, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Der Zustand der Schwerstverletzten sei unverändert, teilte eine Sprecherin der Polizei am Mittwochmorgen mit.

Unfall in Berlin zwischen Fahrradfahrerin und Betonmischer
Berlin.jpg © Paul Zinken/dpa

Die Radfahrerin war am Montagmorgen (31. Oktober) in Berlin-Wilmersdorf von einem Betonmischer-Lastwagen überrollt und unter dem Wagen eingeklemmt worden. Feuerwehr-Einsatzkräfte mit Spezialgeräten standen wegen Protesten von Klimademonstranten auf der Stadtautobahn A100 im Stau und trafen erst verspätet am Unfallort ein, weshalb an der Unfallstelle improvisiert werden musste, wie die Feuerwehr betonte. Die Frau kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik.

Strafanzeige gegen Autobahn-Blockierer: Klimaaktivisten äußern sich zu verspäteten Helfern – „Tief betroffen“

Update vom 02. November, 06.49 Uhr: Nach einem Unfall mit einem Betonmischer, bei dem eine Radfahrerin (44) lebensgefährlich verletzt wurde, standen Einsatzkräfte mit Spezialgeräten im Stau. Den Stau haben Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ ausgelöst. „Wir sind tief betroffen davon, dass es zu diesem Unfall gekommen ist. Der Schutz des Lebens aller Menschen ist unser größtes Anliegen. Deswegen hoffen wir inständig, dass es durch die Verzögerung nicht zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der Frau kam“, sagte ein Aktivist von „Letzte Generation“ dem Tagesspiegel.

Einige Demonstrierende könnten immer eine Rettungsgasse bilden, seien „nicht festgeklebt“, betont der Aktivist in einem Statement. Sie könnten „jederzeit aufstehen“, um Rettungsfahrzeuge durchfahren zu lassen.

In Berlin hat es nach Angaben der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bislang in 18 Fällen Probleme für Rettungswagen wegen Straßenblockaden gegeben. Das berichtet der rbb. Seit Februar hätten die Straßenblockaden zugenommen, so Giffey. Es seien mehr als 130.000 Polizeieinsatzstunden geleistet worden. 729 Verfahren seien bei der Staatsanwaltschaft Berlin eingeleitet. 241 beantragte Strafbefehle lägen vor. Die Polizei habe 1.900 Strafanzeigen gefertigt.

Ob die Straßenblockaden eine Mitschuld daran getragen hätten, dass die Rettungsfahrzeuge nach dem Unfall am Montag (31. Oktober) verspätet oder nicht eingetroffen seien, müssten Polizei und Gericht klären, sagte Giffey im rbb.

Klimaaktivisten reagieren: „Der Vorfall in Berlin macht mich sehr traurig.“

Update vom 01. November, 22.10 Uhr: Nach dem schweren Verkehrsunfall in Berlin am Montag (31. Oktober) hat Klima-Aktivistin Luisa Neubauer ihr Bedauern über das verspätete Eintreffen eines Rettungsfahrzeugs im Zusammenhang mit Klima-Protesten ausgedrückt. „Quer durch die deutsche Klimabewegung stehen wir für Klima-Aktivismus, der Menschen nicht gefährdet“, sagte Neubauer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

„Der Vorfall in Berlin macht mich sehr traurig.“ Die Legitimation von Protestaktionen stehe und falle damit, „dass Menschen nicht in Gefahr gebracht werden“, betonte die Aktivistin der Organisation Fridays for Future. Brenzlige Situationen wie die Bildung einer Rettungsgasse würden bei allen Aktionen ihrer Organisation eingeplant, erklärte sie weiter.

Unfall mit Betonmischer: Unbekannter griff Fahrer mit einem Messer an

Update vom 01. November, 14.10 Uhr: Nach dem schweren Betonmischer-Unfall, bei dem es laut Feuerwehr wegen einer Blockadeaktion von Klima-Aktivisten zu Verzögerungen bei der Rettung gekommen ist, ermittelt die Polizei gegen zwei der Blockierer. Gegen einen 63-Jährigen und einen 59-Jährigen werde wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung Hilfe leistender Personen ermittelt, sagte ein Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die Berliner Zeitung über die Ermittlungen berichtet. Nach Angaben des Sprechers sollen sich die Aktivisten an einer Schilderbrücke auf der A100 festgeklebt haben.

Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf, wo eine Radfahrerin bei dem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen lebensgefährlich verletzt wurde
Der Unfallort in Berlin: Rechts ist der Betonmischer zu erkennen, unter den eine Fahrradfahrerin geriet. © Paul Zinken/dpa

Update vom 01. November, 11.30 Uhr: Die Berliner Polizei sucht weiter nach dem Mann, der einen Betonmischer-Fahrer nach einem Unfall mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hat. Der Angreifer sei bislang nicht bekannt, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstagvormittag. Die Ermittlungen zu der Attacke am Montagmorgen und zum Unfallhergang dauerten an, sagte die Polizeisprecherin.

Die Attacke auf den Fahrer ereignete sich, nachdem eine Radfahrerin am Montag auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf unter dem Betonmischer eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt worden war. Während sich Rettungskräfte um die Frau kümmerten, soll ein am Unfall unbeteiligter Mann auf den Lastwagenfahrer zugegangen sein, als dieser neben der Fahrerkabine stand, und ihn unvermittelt mit einem Messer angegriffen haben. Der Fahrer wurde mit einer Stichverletzung in eine Klinik gebracht, wo er stationär aufgenommen wurde.

Zum Gesundheitszustand der Verletzten konnte die Polizei am Dienstag zunächst keine neuen Auskünfte geben. Am Montag (31. Oktober) hieß es, dass der 64-jährige Fahrer des Betonmischers bei der Attacke schwer verletzt worden sei. Auch zum Zustand der 44 Jahre alten Radfahrerin lagen zunächst keine neuen Angaben vor.

Stau durch Klimaaktivisten: Rettungswagen kommt erst verspätet zu Unfallopfer durch

Erstmeldung vom 31. Oktober, 19.56 Uhr: Berlin – Sich für die Bekämpfung des Klimawandels einzusetzen, ist grundsätzlich ein ehrenwertes Ziel. Dabei wählen Klimaaktivisten unterschiedliche Mittel, um ihre Forderungen an Politik und Gesellschaft kundzutun. Zuletzt machten Gruppen mit besonders radikalen Aktionen auf sich aufmerksam, was oft auch kritisch bewertet wurde.

In München gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Ärger um Aktionen von „Scientist Rebellion“. Klimaaktivisten dieser Gruppe klebten sich in der BMW Welt an einem Luxusauto und am Odeonsplatz auf der Straße fest. Auch an der Verwüstung des BlackRock-Gebäudes am Lenbachplatz waren Mitglieder von „Scientist Rebellion“ beteiligt.

Protest durch Klimaaktivisten verursacht Stau – Rettungswagen kommt nicht zu Unfallopfer durch

Das Bündnis „Letzte Generation“ hat bereits mit ähnlichen Protestaktionen von sich Reden gemacht. Jüngst warfen Klimaaktivisten der Gruppe Kartoffelbrei auf ein wertvolles Monet-Gemälde. Nun gab es große Kritik an den Klimaaktivisten im Zusammenhang mit einem Unfall in Berlin. Dort war eine Frau, die auf ihrem Fahrrad unterwegs war, zuvor von einem Betonmischer-LKW angefahren und lebensgefährlich verletzt worden. Eine Aktion von Klimaaktivisten sorgte anschließend dafür, dass der Rettungseinsatz nicht planmäßig verlief.

Einige Mitglieder des Bündnisses „Letzte Generation“ hatten in der Nähe auf einer Straße für eine Blockade gesorgt. Infolge der Aktion entstand ein Stau auf der A100, in diesen geriet auch die Berliner Feuerwehr auf dem Weg zum Unfallort. Dadurch konnte die Feuerwehr mit ihrem Einsatzwagen erst verspätet zu der verletzten Radfahrerin durchdringen. Die Radfahrerin war bei dem Unfall unter dem Betonmischer eingeklemmt worden. Ein Rüstwagen sollte den LKW anheben und das Unfallopfer befreien, doch er steckte im Stau fest.

Polizei und Feuerwehr üben scharfe Kritik an Klimaaktivisten – „Hat nichts mehr mit Klimaschutz zu tun“

„Spätestens jetzt sollte man sich mal vom Märchen des harmlosen Protests verabschieden“, meinte Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft: „Wer Verkehrswege blockiert, (...) nimmt auch bewusst in Kauf, dass Menschen in Not länger auf Hilfe von Polizei und Feuerwehr warten müssen.“ Gewerkschafts-Landesvize Boris Biedermann ergänzte: „Das hat nichts mehr mit Klimaschutz zu tun.“

Auch die Feuerwehr machte ihrem Ärger über die Klimaktivisten Luft. „In einer solchen Situation eine Frau schwerverletzt unter einem Betonmischer zu sehen und nicht helfen zu können, weil ein Rettungsfahrzeug in einem Stau steckt, der von einem willkürlich verursachte wurde, das kann wirklich an die Substanz gehen“, schilderte Rolf Erbe, Sprecher der Berliner Feuerwehr, gegenüber Focus.de.

Straßenblockade von Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ in Berlin
Immer wieder kommt es zu Straßenblockaden von Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ (hier im Juni 2022 in Berlin). © Paul Zinken/dpa

Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ sind „bestürzt“ – wollen Aktionen aber weiterführen

Von der Gruppe „Letzte Generation“ wurde inzwischen ein Statement zu dem Vorfall veröffentlicht. Man könne „nicht ausschließen, dass die Verspätung des Rüstwagens auf einen durch uns verursachten Stau zurückzuführen ist“, hieß es dort. Und weiter: „Es bestürzt uns, dass eine Radfahrerin von einem LKW verletzt wurde. Wir hoffen inständig, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Verspätung nicht verschlimmert hat”. Man achte während der „Straßenblockaden sorgfältig auf das Einhalten von Rettungsgassen“. In Berlin klappte dies offenbar nicht.

Und laut Feuerwehrsprecher Erbe hat diese Vorsichtsmaßnahme der Klimaaktivisten auch wenig Sinn. „Dies nützt gar nichts, wenn die Rettungsfahrzeuge auch nur hundert Meter von der Blockade entfernt im Stau stecken“, erklärte er Focus.de. „Da geht gar nichts mehr, weil es auch keine Rettungsgassen gibt, über die die Einsatzfahrzeuge ausweichen könnten.“ Berlins Innensenatorin Iris Spranger sagte dem rbb, dass die Justiz eine mögliche Schuld der Klimaaktivisten klären müsse. „Anders verhält es sich bei der moralischen Frage“, fügte die Politikerin hinzu: „Es gibt keine Rechtfertigung dafür, das Leben anderer zu gefährden.“

Die „Letzte Generation“ will trotz des tragischen Vorfalls ihre Aktionen zunächst nicht stoppen. „Sobald die Regierung die ersten Sicherheitsmaßnahmen gegen den drohenden Klimakollaps ergreift, werden wir sofort alle Protestaktionen einstellen”, gaben die Klimaaktivisten an. (kh)

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