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Alabali-Radova: Nur Haltung zeigen reicht nicht

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Bundesbeauftragte für Antirassismus
Reem Alabali-Radovan (SPD) spricht. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, Reem Alabali-Radovan, wünscht sich bei rassistischen Anfeindungen im Alltag mehr Zivilcourage von Augenzeugen. „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns ganz klar auch laut gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit positionieren müssen - und nicht nur Haltung zeigen müssen, sondern auch im Alltag eingreifen, auch mal was sagen“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Berlin - Der Fall einer 17-Jährigen, die im Februar in einem Video öffentlich gemacht hatte, wie sie in der Berliner Straßenbahn von mehreren Erwachsenen rassistisch beleidigt und geschlagen wurde, habe sie sehr berührt, berichtete Alabali-Radovan. Die SPD-Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern ist in Personalunion auch Beauftragte der Bundesregierung für Integration und Flüchtlinge. Sie sagte: „Bei dem Fall hat mich das schon sehr erschüttert, dass niemand eingegriffen ist. Es waren nach meinen Kenntnissen ja viele Leute vor Ort.“ Das junge Mädchen sei schließlich an einem öffentlichen Ort angegriffen worden. „Dass da niemand eingegriffen ist, das konnte ich nicht verstehen“, sagte Alabali-Radovan.

Sie sehe es auch als ihre Aufgabe an, die Debatte darüber, was Rassismus ist, zu befördern, fügte sie hinzu. Sie wisse, dass einige Menschen mit Einwanderungsgeschichte beispielsweise unangenehm berührt oder sogar empört seien, wenn sie mitten in Deutschland auf Englisch oder in einer anderen Fremdsprache angesprochen würden. Sie selbst „würde es auch sehr unangenehm finden“. Ein Fall für eine Anti-Rassismus-Beratung sei so etwas aber nicht.

Ähnlich sei es mit der Frage: „Wo kommst Du her?“ Auf die Frage, wie sie selbst auf diese Frage reagiere, sagte Alabali-Radovan: „Ich kann das nicht pauschal beantworten. Wenn mich jemand fragt, kommt es ein bisschen auf den Ton an und auf die Person, die fragt. Man merkt es schon, warum man das gefragt wird.“ Für Menschen mit Einwanderungsgeschichte sei es sehr anstrengend und mühselig, „ständig darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass man nicht hierher gehört“. Dazu gehöre, immer wieder diese gleiche Frage gestellt zu bekommen, aber auch andere Situationen zählten dazu: „Wenn man dann noch nicht die Wohnung bekommt oder nicht zur Wohnungsbesichtigung eingeladen wird“, wenn man den Job nicht bekomme oder gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch gebeten werde, ergebe sich in der Summe dann ein ungutes Gesamtbild. dpa

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