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Holocaust-Überlebender Schwarzbaum mit 101 Jahren gestorben

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Holocaustüberlebender Schwarzbaum
Der damals 98-jährige Leon Schwarzbaum bei einem Empfang anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. © Monika Skolimowska/zb/dpa/Archivbild

Der Holocaust-Überlebende Leon „Henry“ Schwarzbaum ist mit 101 Jahren gestorben. Schwarzbaum sei in der Nacht zum Montag in Potsdam gestorben, berichtete das Internationale Auschwitz Komitee am Montag auf seiner Webseite. „Mit großer Trauer, Hochachtung und Dankbarkeit verabschieden sich Überlebende des Holocaust in aller Welt von ihrem Freund, Leidensgenossen und Weggefährten Leon Schwarzbaum, der in den letzten Jahrzehnten seines Lebens zu einem der wichtigsten Zeitzeugen der Shoah geworden ist“, erklärte das Komitee.

Berlin/Potsdam - Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung (online) über dessen Tod berichtet.

Schwarzbaum wurde 1921 in Hamburg geboren und ist im polnischen Bedzin (Oberschlesien) aufgewachsen. Er überlebte nach Angaben des Komitees als einziger seiner Familie die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und ein Nebenlager Sachsenhausen. Zum Kriegsende wurde er auf dem Todesmarsch der Häftlinge in der Nähe von Schwerin von US-amerikanischen Soldaten befreit. Später lebte er den Angaben zufolge als Kunst- und Antiquitätenhändler in Berlin.

„Leon Schwarzbaum war gerade in seinen letzten Lebensjahren immer wieder getrieben von dem Drang, an seine in Auschwitz ermordeten Eltern und all die anderen Opfer des Holocaust zu erinnern“, hieß es in der Erklärung des Komitees. „Getrieben war er aber auch von seinem Zorn angesichts der Tatsache, dass so wenige SS-Täter jemals einen deutschen Gerichtssaal von innen gesehen haben.“

Schwarzbaum sollte im laufenden Prozess gegen einen mutmaßlichen ehemaligen SS-Wachmann im KZ Sachsenhausen in Brandenburg/Havel befragt werden. Wegen seines Gesundheitszustands war dies jedoch nach Angaben des Gerichts nicht möglich gewesen. Im Jahr 2016 hatte Schwarzbaum vor dem Landgericht Detmold als Zeuge im Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann im KZ Auschwitz, Reinhold Hanning, ausgesagt. „Leon Schwarzbaum wollte keinen Hass, er wollte Gerechtigkeit“, betonte das Komitee.

Seit Jahrzehnten hatte Schwarzbaum über seine Erlebnisse von 1939 bis 1945 berichtet; vor allem vor jungen Menschen, die er in Schulen oder Ausbildungsbetrieben besucht. Dafür hatte er im Juli 2019 das Bundesverdienstkreuz bekommen.

„Leon Schwarzbaum war ein Mahner wider das Vergessen“, erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in einem Kondolenzschreiben. Nach der Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron sei nun kurz darauf ein weiterer couragierter Zeitzeuge gestorben. „Was wir tun können, um ihr Vermächtnis zu erfüllen ist: die Erinnerung wachhalten und wachsam bleiben gegen jede Form von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“, betonte Woidke.

Im Brandenburger Landtag hatte Schwarzbaum im Jahr 2016 anlässlich des Jahrestags des Kriegsendes am 8. Mai gesprochen. „Seine Bemühungen und seine Kraft setzte er für Toleranz und gegen den Rechtsextremismus ein“, teilte der Landtag mit. „Der Landtag Brandenburg gedenkt Leon Schwarzbaums in Dankbarkeit für seine unermüdliche Arbeit und seine Stimme gegen das Unrecht, die nun fehlen wird.“ Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Er gab all jenen, die in der Shoah ermordet wurden, seine Stimme: Leon Schwarzbaum. (...) Seine Stimme wird fehlen.“ dpa

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