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Fischsterben in der Oder: „Anomalie“ im Fluss –Verseuchtes Wasser bewegt sich auf Großstadt zu

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Von: Lukas Einkammerer, Christoph Gschoßmann, Kai Hartwig

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Am Ufer der Oder treiben in mehreren Regionen Tausende tote Fische. Das Fischsterben gibt Experten weiterhin Rätsel auf. Der News-Ticker.

Update vom 17. August, 6.55 Uhr: Das Fischsterben in der Oder wirft weiterhin Fragen auf. In untersuchten Wasserproben sind nach Angaben von Polens Regierung bislang keine toxischen Substanzen entdeckt worden, die das Fischsterben verursacht haben könnten. In den Proben toter Fische seien zudem keine Hinweise auf Pestizide gefunden worden, sagte Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Dienstag (16. August) in Warschau. 

Das Brandenburger Landesumweltamt hat ebenfalls erste Laborergebnisse ausgewertet. Die ersten Ergebnisse hätten keine besonders hohen Werte für Metalle wie Quecksilber gezeigt, hieß es gestern vom Umweltministerium des Landes Brandenburg.

Aktuell wächst die Sorge, dass verseuchtes Wasser das Stettiner Haff erreichen könnte – und somit auch die Mündung in die Ostsee. Stand Dienstag seien im deutschen Teil des Haffs bislang keine toten Fische gesichtet worden. Die Landesregierung in Schwerin rät vorsichtshalber vom Baden im Stettiner Haff ab. Gesundheitliche Risiken könnten bislang nicht ausgeschlossen werden. Auch vom Angeln, Fischen und der Wasserentnahme haben Behörden abgeraten.

Auch südlich der Hafenstadt Stettin sind mittlerweile nach Angaben polnischer Behörden in Kanälen, die mit der Oder verbunden sind, tote Fische gefunden worden. Dies bedeute, dass sich die verseuchten Wassermassen auf Stettin zubewegten, erklärte der Chef der Gebietsadministration für die Woiwodschaft Westpommern, Zbigniew Bogucki. 

Fischsterben in der Oder: Keine Auffälligkeiten in Mecklenburg-Vorpommern

Update vom 16. August, 18.55 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Fischsterben in der Oder sind noch keine Auffälligkeiten in Mecklenburg-Vorpommern festgestellt worden. „Bislang wurden im deutschen Teil des Stettiner Haff keine toten Fische gesichtet“, sagte der Umweltminister des Bundeslandes, Till Backhaus (SPD), am Dienstag. „Nach unseren Informationen steht die Welle mit Fischkadavern noch vor Stettin.“ Man setze alles daran, dass kein toter Fisch im Stettiner Haff ankomme.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig forderte: „Es muss vollständig aufgeklärt werden, worin die Ursache für das Fischsterben liegt.“ Die Bilder von der Oder seien schrecklich, erklärte die SPD-Politikerin, die aus der Region stammt.

Seit dem Wochenende werden regelmäßig Wasserproben entnommen, wie Backhaus erläuterte. „Die Routineparameter, wie Sauerstoffgehalt oder Leitfähigkeit, zeigten bislang keine Auffälligkeiten.“ Ergebnisse zu Schwermetallen und organischen Stoffen würden in den kommenden Tagen erwartet. Ohne Kenntnis des Auslösers handele es sich um die „sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“. Es kann nach seinen Angaben auch passieren, dass etwaige Schadstoffe im Haff so verdünnt werden, dass sie nicht mehr nachzuweisen sind.

Erste Laborergebnisse: Keine hohen Werte für Metalle wie Quecksilber in der Oder gefunden

Update vom 16. August, 13.44 Uhr: Die Suche nach dem Fischsterben in der Oder geht weiter. Das Landesumweltamt Brandenburg hat erste Laborergebnisse ausgewertet. Dabei hatte das Landeslabor Berlin-Brandenburg keine besonders hohen Werte für Metalle wie Quecksilber gezeigt, teilte der Sprecher des Umweltministeriums, Sebastian Arnold, am Dienstag auf Anfrage der dpa mit. Es lasse sich noch keine einzelne Ursache für die Umweltkatastrophe erkennen.

„Die noch nicht vollständigen und noch nicht umfassenden und abgeschlossenen Untersuchungen zu Nährstoffen lassen bisher keine Hinweise auf eine singuläre Ursache für das Fischsterben in der Oder zu“, sagte Arnold. „Weiterhin werden hohe Salzfrachten und ein hoher Sauerstoffgehalt festgestellt.“ Die Untersuchungen laufen weiter. An der automatischen Messstation in Frankfurt (Oder) werden regelmäßig Wasserproben entnommen. Die Proben werden auf zahlreiche weitere Werte und Giftstoffe untersucht.

Auf der Seite des Landesumweltamts können die Ergebnisse der Wasserproben entnommen werden. Seit dem 7. August haben sich die Werte im Fluss dramatisch geändert. So schnellte der Sauerstoffgehalt des Wassers ab. Auch der pH-Wert, die Trübung und andere Werte stiegen schlagartig nach oben, während die Menge von Nitrat-Stickstoff deutlich abfiel.

Das Fischsterben in der Oder geht weiter. Mittlerweile wurden fast 100 Tonnen tote Fische eingesammelt. Auch im Fluss Nar in Polen wurden erste tote Fische gefunden.
Tote Fische schwimmen an der Oberfläche der Oder und werden eingesammelt. © Patrick Pleul/dpa

Mittlerweile seien 97,95 Tonnen toter Fisch aus der Oder und aus dem kleinen Fluss Ner geborgen worden. Das teilte die Sprecherin der Feuerwehr-Hauptverwaltung am Dienstag in Warschau mit. Der Großteil entfalle dabei auf die verendeten Fische aus der Oder, doch jetzt wurden auch Fische in dem Fluss Ner entdeckt. Er liegt südlich von Lodz und mündet in die Warthe. Seit einigen Tagen werden auch dort tote Fische geborgen. Der Ner hat jedoch keine Verbindung zur Oder. Auch dafür ist die Ursache noch nicht bekannt.

Das Fischsterben breitet sich immer weiter aus. Südlich von Stettin sind laut Angaben der polnischen Behörden in Kanälen, die mit der Oder verbunden sind, tote Fische gefunden worden. Somit bewegt sich die verseuchte Wassermasse auf Stettin zu. Das sagte der Chef der Gebietsadministration für die Woiwodschaft Westpommern, Zbigniew Bogucki, am Dienstag. Die Wassermassen könnten sich dann noch weiter ausbreiten. Nördlich von Stettin liegt das Stettiner Haff, in das die Oder mündet. Mit rund 900 Quadratkilometern ist das Stettiner Haff etwa doppelt so groß wie der Bodensee. Es gehört zu zwei Dritteln zu Polen und ein Drittel zu Deutschland. Das Wasser fließt von dort aus weiter in die Ostsee.

Taskforce zu Umweltkatastrophe einberufen – „Anomalie“ im Wasser

Update vom 15. August, 16.20 Uhr: „Es wurde vereinbart, die laufende Krisenreaktion in einer gemeinsamen Taskforce zu bündeln.“ Das haben dem Bundesumweltministerium zufolge die Beratungen in Stettin ergeben, die am Abend des Sonntags (14. August) stattfanden. Teilgenommen hatten auf deutscher Seite Bundesumweltministerin Steffi Lemke, Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (beide Bündnis 90/Die Grünen) und sein Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD). Sie trafen sich mit der polnischen Umweltministerin Anna Moskwa und dem polnischen Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk.

Wie das Bundesumweltministerium am Montag (15. August) mitteilte, seien Teil der Taskforce Experten beider Länder, die in engem Austausch Ursachen des Fischsterbens ermitteln und die erforderlichen Maßnahmen erarbeiten sollen. Der Chef der polnischen Wasserbehörde sei gefeuert, der Chef der polnischen Umweltbehörde von seinem Amt entbunden worden. „Ich denke, die polnische Seite ist jetzt ganz anders aufgestellt als noch vor einer Woche“, sagte Vogel.

Die Luftaufnahme zeigt, wie die Fischkadaver aus dem Wasser auf einen Transporter verladen werden.
Mit schwerem Gerät werden die toten Fische aus der Oder geborgen. © picture alliance/dpa/PAP | Marcin Bielecki

„Höchste Priorität“, so Lemke, „haben der Schutz der Bevölkerung, Schadenbegrenzung und das Identifizieren des Verursachers“. Brandenburgs Ministerpräsidenten Woitke zufolge sei es „existenziell wichtig“ zu wissen, was genau die Umweltkatastrophe ausgelöst hat und ob die Gefahren weiter bestünden oder die Giftwelle inzwischen vorüber sei. Laut Vogel stehe allerdings bislang lediglich fest, dass das Wasser der Oder eine noch unerklärliche „Anomalie“ aufweise. Salzgehalt und pH-Wert der Oder seien derart stark erhöht, dass sie bereits für sich gesehen „toxisch wirken“.

Zudem ist die Sauerstoffkonzentration im Wasser stark erhöht, obwohl angesichts der hohen Temperaturen und des niedrigen Wasserstands eher das Gegenteil zu erwarten wäre. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei diesen Messwerten um eine Reaktion auf den unbekannten Stoffe handle, die das Fischsterben auslösten.

Von diesem Dienstag (16. August) an wollen Experten beider Länder tagen. Die Umweltkatastrophe soll am 29. August auch Thema im deutsch-polnischen Umweltrat sein.

Oder: Labor untersucht Fischkadaver auf 300 Schadstoffe – Menschen sollen Wasser nicht berühren

Update vom 15. August, 15.30 Uhr: Auf der Suche nach dem Grund des rätselhaften Fischsterbens in der Oder wächst in Deutschland der Unmut über die schlechte Kommunikation mit Polen. „Das lief nicht, wie es sein müsste“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke am Montag (15. August) vor seinem Besuch bei Lebus nördlich von Frankfurt an der Oder. Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke wies am selben Tag in der ARD darauf hin, dass eine mangelnde Aufklärung der Ursache einen „massiven Vertrauensverlust vor allem in der polnischen Bevölkerung, aber wahrscheinlich auch bei uns“ zur Folge hätte.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel teilte derweil mit, dass das Landeslabor das Oderwasser auf giftige Substanzen untersuche – auf etwa 300 Schadstoffe, darunter Pestizide, solle getestet werden. Allerdings könne es „noch mehrere Tage dauern, bis wir alle Stoffe, die wir für möglich halten, dann auch durchgecheckt haben“, stellte der Grünen-Politiker im RBB-Inforadio in Aussicht. Giftiges Quecksilber, sowie der hochgiftige Stoff Mesitylen werden gegenwärtig nicht als Verursacher des Fischsterbens ausgeschlossen. Allerdings sei Ministerpräsident Mateusz Morawiecki zufolge eine „riesige[…] Menge“ von Chemieabfällen in die Oder geleitet worden, die polnische Regierung setzte eine Belohnung von mehr als 200 000 Euro für die Aufklärung aus.

Allgemein gilt: Menschen sollen das Oder-Wasser nicht berühren. Freiwillige Helfer bergen nun die Fischkadaver, die dann auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt verbrannt werden.

Tausende Fischkadaver in der Oder: Ölsperren sollen weitere Verbreitung verhindern

Update vom 15. August, 8.30 Uhr: Am Montag (15. August) verkündete ein Sprecher des Schweringer Umweltministeriums erste Ergebnisse des deutsch-polnischen Treffens zur Problematik des Fischsterbens in der Oder. Die Zusammenkunft, an der auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) teilnahm, hatte am Vorabend im polnischen Stettin (Szczecin) stattgefunden. Die Umweltminister Polens und Deutschlands, sowie der Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vereinbarten, dass eine größere Verbreitung der treibenden Kadaver mithilfe von Ölsperren im Stettiner Haff verhindert werden soll.

Die Oder erreicht bei Stettin auf polnischer Seite das Stettiner Haff, das zu zwei Dritteln zu Polen gehört und zwei Wasserverbindungen zur Ostsee hat. Im deutschen Teil des Haffs – es ist mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie der Bodensee – waren bislang keine toten Fische aus der Oder angeschwemmt worden.

Tote Fische treiben zu Tausenden in der Oder: Labor-Untersuchungen laufen auf Hochtouren

Update vom 15. August, 7.10 Uhr: Das Fischsterben an der Oder gibt weiter Rätsel auf. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will sich am Montag bei Lebus – an der Grenze zu Polen – selbst ein Bild von der Situation machen. Auch dort hatten Einsatzkräfte und freiwillige Helfer am Wochenende große Mengen an toten Fischen aus dem Grenzfluss geborgen.

Außerdem werden in dem Bundesland weitere Labor-Ergebnisse erwartet. Geprüft wird unter anderem, ob ein erhöhter Salzgehalt im Wasser im Zusammenhang mit dem Fischsterben steht. Bei den bisherigen Laboruntersuchungen sind nach Angaben von Polens Regierung keine toxischen Substanzen entdeckt worden. Die Fische seien auf Quecksilber und andere Schwermetalle untersucht worden, sagte Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Sonntagabend in Stettin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne).

Arbeiter beteiligen sich an einer Aktion zur Reinigung der Oder von toten Fischen mit Hilfe eines flexiblen Damms.
Das Fischsterben an der Oder gibt weiter Rätsel auf. © Marcin Bielecki/dpa

Fischsterben in der Oder: Lemke setzt bei Aufklärung auf Zusammenarbeit mit Polen

Update vom 14. August, 21.29 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) setzt bei der Aufklärung des Fischsterbens in der Oder auf die Zusammenarbeit mit Polen. Nach einem Treffen mit ihrer polnischen Amtskollegin Anna Moskwa am Sonntagabend im Stettin sagte Lemke, man habe lösungsorientiert diskutiert und „gute und gemeinsame Schritte“ vereinbart. Dazu zählen insbesondere Verbesserungen bei den Informationsketten. Hier habe es in den vergangenen Tagen Versäumnisse gegeben. Die deutsche Seite sei zunächst durch Angler über das Fischsterben informiert worden.

Ziel sei nun die Schadensminimierung, die Information und der Schutz der Bevölkerung sowie die Identifizierung des Verursachers der Umweltkatastrophe. Lemke dankte zudem den haupt- und ehrenamtlichen Helfern, die bereits Unmengen an toten Fischen aus dem Grenzfluss geborgen haben. „Es ist klar, dass wir uns einer wirklich schlimmen Umweltkatastrophe gegenübersehen“, sagte die Ministerin. Die Auswirkungen, die sich möglicherweise auf Jahre erstrecken könnten, seien noch nicht absehbar.

Polens Regierung: Bislang keine toxischen Stoffe in Fischen entdeckt

Update vom 14. August, 21.25 Uhr: Bei Laboruntersuchungen von verendeten Fischen aus der Oder sind nach Angaben von Polens Regierung bislang keine toxischen Substanzen entdeckt worden, die das Fischsterben verursacht haben. Die Fische seien auf Quecksilber und andere Schwermetalle untersucht worden, sagte Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Sonntag in Stettin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). In den kommenden Stunden würden die Proben der Fische auf weitere 300 schädliche Stoffe untersucht, darunter auch auf Pestizide. Zudem sollen Fischleichen seziert und das Verhalten der Fische kurz vor ihrem Verenden untersucht werden.

Moskwa sagte weiter, Wasserproben hätten einen erhöhten Sauerstoffgehalt ergeben, was für die Sommerperiode und den niedrigen Wasserstand ungewöhnlich sei. Möglicherweise sei es zu einem Oxidierungsprozess des Wassers gekommen. Dies könne darauf hindeuten, dass das Fischsterben möglicherweise keine natürliche Ursache habe, sondern dass es einen Täter gebe, der Substanzen ins Wasser eingeleitet habe.

Update vom 14. August, 18:59 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Fischsterben in der Oder hat die polnische Wasserbehörde Berichte dementiert, wonach zwischen Ende Juli und Anfang August Wasser aus polnischen Staubecken in den Fluss eingeleitet worden sein soll. Dies seien falsche Informationen, die in polnischen und deutschen Medien verbreitet würden, hieß es in einer Mitteilung der Behörde am Sonntag laut Nachrichtenagentur PAP. Demnach sei der kurzzeitige Anstieg des Wasserspiegels auf die Wetterbedingungen zurückzuführen. „In Tschechien kam es Ende Juli zu heftigen Regenfällen, die sich auf den Durchfluss und den Wasserstand der Oder auswirkten“, heißt es in der Stellungnahme.

Das Landesumweltministerium Brandenburg hatte am Donnerstag in einer Mitteilung geschrieben, dass nach ersten Analyseergebnissen am 8. August eine „starke Welle organischer Substanzen“ durch die Oder bei Frankfurt gegangen sei. In deutschen und polnischen Medien war darüber spekuliert worden, ob auf polnischer Seite Staustufen oder Rückhaltebecken geöffnet wurden, um eine mögliche Verunreinigung des Flusses schneller Richtung Ostsee zu spülen.

Lemke verlangt von Polen Aufklärung

Update vom 14. August, 17.07 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) verlangt bei dem für Sonntagabend geplanten Treffen mit ihren polnischen Amtskollegen Aufklärung über die Hintergründe des Fischsterbens in der Oder. Die Regierung des Nachbarstaats habe bereits eingeräumt, dass Informationen zu der Umweltkatastrophe auch innerhalb Polens nicht weitergegeben worden seien, sagte sie am Sonntag NDR Info. „Uns haben diese Informationen noch viel später erreicht.“ Ziel des Treffens müsse nun sein, „dieses Verbrechen aufzuklären“. Sie erwarte Aufklärung darüber, was bisher an Gewässerproben analysiert worden sei und was die Schadensursache sein könnte.

Lemke trifft um 18.00 Uhr mit ihrer Amtskollegin Anna Moskwa sowie Polens Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk in Stettin zusammen. Auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sowie der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), sollen an dem Treffen teilnehmen. Wieder gutzumachen seien die Auswirkungen des Fischsterbens nicht, betonte Lemke. „Wenn eine solche Katastrophe erst mal eingetreten ist in einem Fließgewässer, dann ist der Schaden da und nur noch begrenzbar.“

Linke-Politiker kritisiert Umweltministerin Lemke

Update vom 14. August, 14.30 Uhr: Das Fischesterben in der Oder wirft nach wie vor Rätsel auf. Christian Görke, der Bundestagsabgeordnete der Linken, hat nun von der Bundesregierung und der Bundesumwelministerin Steffi Lemke finanzielle Hilfe für die Ortschaften und Betriebe gefordert, die entlang des betroffenen Gebiets liegen und von den Umweltschäden schwer betroffen sind.

Zudem kritisierte der Linke-Politiker stark, dass noch immer keine konkrete Ursache für das Massensterben identifiziert werden konnte. „Ich erwarte von der Umweltministerin Lemke, dass sie die Aufklärung der Ursache vorantreibt. Eine Kurzvisite und Krokodilstränen, nachdem die Umweltministerin mehrere Tage abgetaucht war, reichen nicht.“

Anfängliche Theorien, dass das Fischesterben auf Quecksilber oder Schwermetalle im Wasser zurückzuführen ist, wurden inzwischen abgewiesen. Jüngsten Analysen zufolge konnten in der Oder jedoch erhöhte Salzwerte nachgewiesen werden. „Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere giftige Stoffe im Wasser oder im Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird dazu beitragen, eventuelle Schadstoffe festzustellen, die zum Tod der Tiere beigetragen haben.“, erklärte die polnische Umweltministerin Anna Moskwa gegenüber der Nachrichtenagentur PAP.

Fischesterben in der Oder: Zusammenarbeit mit Polen hat laut Ministerin Lemke „offensichtlich nicht funktioniert“

Update vom 14. August, 9.30 Uhr: Bei ihrem Besuch in Frankfurt (Oder) hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke von anfänglichen Schwierigkeiten bei der Kooperation mit Polen gesprochen. Grund dafür seien fehlende Informationen. „Die Frage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert“, sagte die Grünen-Politikerin im Gespräch mit örtlichen Einsatzkräften. „Sonst hätten wir früher Informationen erhalten, zumindest das Land Brandenburg oder auch die Anrainerkommunen.“

Zuvor hatte Lemke mit der polnischen Umweltministerin Anna Moskwa eine Zusammenarbeit in der Aufklärung des Fischesterbens beschlossen, bei der deutsche und polnische Experten zum Einsatz kommen sollen. Laut Lemke habe man sich nun auf eine bessere Koordinierung geeinigt.

Fischesterben in der Oder: Polnische Regierung schließt Quecksilber als Ursache aus

Update vom 13. August, 17:59: Erhöhte Quecksilberwerte sind nach Angaben der polnischen Regierung nicht die Ursache für das Fischsterben in der Oder. Dies hätten die ersten toxikologischen Untersuchungsergebnisse von Proben toter Fische ergeben, schrieb Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Samstag auf Twitter. „Das staatliche Veterinärinstitut hat sieben Arten getestet. Es hat Quecksilber als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen.“ Man warte nun auf die Ergebnisse von Untersuchungen auf andere Schadstoffe.

Update vom 13. August, 16.40 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke reist wegen des Fischsterbens an die Oder. Sie will am Samstagabend um 18.00 Uhr in Frankfurt mit Einsatzkräften etwa von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sprechen, wie das Ministerium ankündigte. Dort hatten Helfer viele tote Fische vom Ufer eingesammelt. Auch der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel (Grüne) und Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Linke) werden laut Bundesumweltministerium zu dem Treffen erwartet.

Fischesterben in der Oder: Polnische Polizei setzt über 200.000 Euro Belohnung aus

Update vom 13. August, 11.30 Uhr: Wegen des Fischsterbens in der Oder hat Polen eine hohe Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung eines Täters führen. Die Polizei habe dafür eine Summe von umgerechnet 210.000 Euro ausgelobt, sagte Vize-Innenminister Maciej Wasik am Samstag in Gorzow Wielkopolski. „Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht“, betonte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Untersuchungen der Oder: „Stark erhöhte Salzfrachten“ gefunden

Update vom 12. August, 22.29 Uhr: Die Oder weist nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel „sehr stark erhöhte Salzfrachten“ auf. Das sei „absolut atypisch“, sagte der Grünen-Politiker am Freitagabend im RBB-Fernsehen. Vogels Ministerium erklärte, die gemessenen atypischen Salzfrachten könnten im Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze.

Weitere Untersuchungsdaten „insbesondere zu Schwermetallen, Quecksilber und anderen Elementen“ befänden sich noch im Labor in Abklärung und sollen in der kommenden Woche verfügbar sein. Mit Blick auf möglicherweise erhöhte Quecksilberwerte sagte Vogel, das werde weiter überprüft.

Es könne sich um eine lokale Erscheinung handeln. Auf die Frage, ob Grundwasser oder Trinkwasser kontaminiert sein könnten, antwortete Vogel: „Das wollen wir nicht hoffen.“ Es sei auf jeden Fall „eine tödliche Fracht“, die in dem Fluss mittransportiert worden sei. Er würde aber nicht so weit gehen, die Grundwasservorkommen in Gefahr zu sehen.

Vergiftete Oder: Giftstoffe könnten Mecklenburg-Vorpommern erreichen

Update vom 12. August, 20.55 Uhr: Die mutmaßlich für das massive Fischsterben verantwortlichen hochgiftigen Stoffe in der Oder könnten noch am Freitagabend die Odermündung bei Stettin erreichen. Abhängig von Wind- und Strömungsverhältnissen könnten die Schadstoffe den mecklenburg-vorpommerschen Teil des Oderhaffs, das Kleine Haff, im Laufe des Samstags erreichen, wie es in einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung des Ministeriums für Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern hieß.

Das Ministerium rät darin, aufs Angeln und Fischen zu verzichten und kein Wasser aus dem Kleinen Haff zu entnehmen. Die zuständigen Behörden beobachten die Situation demnach aufmerksam, eine Untersuchung von Gewässer- und Fischproben werde vorbereitet.

Wegen Versagen der Behörden: Polen entlässt Spitzenbeamte

Update vom 12. August, 19.20 Uhr: Weil sie zu langsam auf das Fischsterben in der Oder reagiert haben sollen, hat Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki zwei Spitzenbeamte entlassen. Der Chef der Wasserbehörde und der Leiter der Umweltbehörde müssten ihre Ämter mit sofortiger Wirkung räumen, schrieb Morawiecki am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter. „Ich teile die Ängste und die Empörung über die Vergiftung der Oder. Diese Situation konnte man auf keine Weise vorhersehen, aber die Reaktion der zuständigen Behörden hätte schneller kommen müssen.“

Ministerin Lemke warnt vor drohender „Umweltkatastrophe“

Update vom 12. August, 18.15 Uhr: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) warnte angesichts des massiven Fischsterbens in der Oder vor einer drohenden Umweltkatastrophe. „Das Fischsterben in der Oder erschüttert und besorgt mich sehr“, sagte die Grünen-Politikerin am Freitag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Hier bahnt sich eine Umweltkatastrophe an.“ Bislang sei die Ursache noch unklar, erklärte die Ministerin - und betonte zugleich, dass es wichtig sei, die Ereignisse „lückenlos“ aufzuklären.

„Im Moment wird von vielen Seiten mit Hochdruck daran gearbeitet, die Gründe für das massenhafte Fischsterben aufzuklären und somit potenzielle weitere Folgeschäden möglichst gering zu halten“, sagte Lemke. Die Umweltministerin sagte den Brandenburger Behörden, die für die Aufarbeitung auf deutscher Seite zuständig sind, Unterstützung zu. Auch mit den polnischen Behörden tausche sich ihr Ministerium nach eigenen Angaben aus

Polens Regierungschef: „Werden nicht ruhen, bis die Schuldigen hart bestraft sind“

Update vom 12. August, 17.24 Uhr: Mit Blick auf das Fischesterben in der Oder meldete sich Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki nun auf Facebook mit einer Videobotschaft zu Wort. „Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, und das in voller Kenntnis der Risiken und Folgen“, so Morawiecki.

Mateusz Morawiecki, Ministerpräsident von Polen, spricht während einer Pressekonferenz über die Lockerungen während der Corona-Pandemie.
Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki kündigt eine „harte Strafe“ für den „Giftmischer“ an. (Archivbild) © Marcin Obara / dpa

Mittlerweile seien alle zuständigen Behörden in höchster Alarmbereitschaft, man überprüfe täglich das Wasser aus dem Fluss, auch das Veterinäramt und die Gesundheitsbehörde seien mit einbezogen. „Die wichtigste Aufgabe ist es aber jetzt, den Täter, den Giftmischer, zu finden.“ Dies sei kein gewöhnliches Verbrechen, da der Schaden auf Jahre bleiben könne, so Polens Regierungschef weiter. „Wir werden nicht ruhen, bis die Schuldigen hart bestraft sind.“ 

Oder: Umweltverwaltungsamt teilt weitere Details mit – Fehlender Sauerstoff ist nicht der Grund

Update vom 12. August, 16.14 Uhr: Dem Leiter der Umweltverwaltung im Kreis Märkisch-Oderland, Gregor Beyer, zufolge sei die potenzielle Erklärung, das Fischesterben könnte auf einen mangelnden Sauerstoffgehalt zurückzuführen sein, mittlerweile auszuschließen. „Wir haben, völlig ungewöhnlich, sogar mehr Sauerstoff in der Oder“, so Beyer.

Weiterhin kritisiert auch er den Umstand, dass deutsche Behörden infolge fehlender Meldung seitens Polens „erst reagieren konnten, als ein Fischsterben direkt zu beobachten war.“ Nach Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde wurde das Fischsterben wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst. Dazu sagte Beyer: „Wir wissen durch verschiedene Messungen, die wir sofort erheben konnten, dass eine 30-Zentimeter-Wasserwelle durch die Oder gegangen ist.“ Ob selbige Welle allerdings auch Giftstoffe beinhaltet hatte, wisse man momentan „noch nicht hundertprozentig.“

Bundesumweltministerium rügt Versagen der Meldekette — „Wir brauchen jetzt Klarheit“

Update vom 12. August, 15.40 Uhr: „Tatsächlich wissen wir, dass diese Meldekette, die für solche Fälle vorgesehen ist, nicht funktioniert hat“, äußerte nun ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin. Gemeint ist das frühzeitige Melden des Fischsterbens auf der polnischen Seite. Die Meldekette habe bis zum Donnerstag (11. August) versagt. „Gestern gab es dann schließlich die Meldung, die von der polnischen Seite hätte kommen müssen. Aber da war eben tatsächlich auch schon die Verschmutzung auf deutscher Seite bekannt.“

Das Ministerium unter Leitung von Steffi Lemke (Grüne) stehe derzeit im Austausch mit der polnischen Regierung und dem dortigen Infrastrukturministerium, sowie der polnischen Botschaft, „um eben tatsächlich möglichst schnell Klarheit zu bringen“, sagte der Ministeriumssprecher. Auch mit den Brandenburger Behörden, die in erster Linie für die Aufarbeitung zuständig seien, bestehe Kontakt. „Wir brauchen jetzt Klarheit über die Stoffe, die dort tatsächlich im Wasser sind.“ Die genaue Ursache für das Massensterben ist weiterhin unklar. Möglich sei eine Kombination von mehreren Faktoren wie Hitze, geringer Wasserführung und Giftstoffen, so der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Freitag (12. August)

Brandenburgs Umweltminister: „Wissen nicht, ob sie Sondermüll sind“ – Ursache für Fischesterben weiterhin unklar

Update vom 12. August, 14.45 Uhr: „Für die Oder als ökologisch wertvolles Gewässer ist das ein Schlag, von dem sie sich mehrere Jahre vermutlich nicht mehr erholen wird“, äußerte sich Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel am Freitag (12. August) nun in Schwedt bei einem Besuch in der Region. Die Massen an toten Fischen bedeuteten dem Grünen-Politiker zufolge nicht nur einen Wegfall per se, sondern „[w]enn auch das Zooplankton, also die kleinen Lebewesen in der Oder, geschädigt sind - und davon ist auszugehen -, dauert es einen langen Zeitraum, bis überhaupt das Futter für die Fische wieder in ausreichendem Ausmaß in der Oder zu finden ist.“

Der Umweltminister von Brandenburg, Axel Vogel, steht am Ufer der Oder Reportern Rede und Antwort. Der Bündnis 90/Die Grünen-Politiker gibt ein Interview zum Fischsterben im deutsch-polnischen Grenzfluss Oder im Nationalpark Unteres Odertal nördlich der Stadt Schwedt.
Der Umweltminister von Brandenburg, Axel Vogel, steht am Ufer der Oder Reportern Rede und Antwort. © Patrick Pleul picture alliance/dpa

Bezüglich der Ursache des Fischesterbens tappe man derzeit noch im Dunkeln, da man nicht wisse, „welche Stoffe tatsächlich in die Oder eingebracht wurden“, so Vogel. „Wir haben Hinweise von polnischer Seite, dass um den 28. Juli bei Oppeln, also in der Nähe von Breslau, Stoffe in die Oder gelangten, die dort ein Fischsterben ausgelöst haben, das sich die Oder bis zu uns hinuntergewälzt hat.“ Die fehlenden Informationen führten auch zur Unsicherheit, inwieweit vergiftete oder verendete Fischkadaver für Aasfresser und andere Tiere gefährlich sein könnten. „Wir wissen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, ob diese Fische als Sondermüll zu deklarieren sind“, sagte Vogel. Es sei jedoch „völlig klar, es muss zu einer Entsorgung kommen.“

Fischesterben in der Oder: Untersuchungsergebnisse frühestens am Sonntag erwartet

Update vom 12. August, 11.27 Uhr: Frühestens am Sonntag (14. August) wird Polen die Untersuchungsergebnisse zu den massenweise verendeten Fischen aus der Oder vorlegen können. Bislang habe das Staatliche Forschungsinstitut in Pulawy noch keine Fische erhalten, sagte der Leiter Krzysztof Niemczuk am Freitag der Nachrichtenagentur PAP.

Die Fische sollen auf Metalle, Pestizide und andere giftige Stoffe untersucht werden. Niemczuk: „Es gibt so viele Substanzen, die das Fischsterben verursacht haben könnten, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen können, was die Ursache sein könnte.“

Kritik in Polen wächst: Behörden sollen bereits seit Ende Juli über die Vergiftung der Oder Bescheid wissen

In Polen wächst derweil die Kritik an einer zu langsamen Reaktion der Behörden und der Regierung auf das Fischsterben. „Die polnische Seite hat seit dem 26. Juli Informationen über die Vergiftung, Deutschland seit vorgestern. Nach knapp zwei Tagen haben sie mitgeteilt, dass die Ursache stark giftige Quecksilberverbindungen sein könnten. Polens Regierung weiß dies bis heute nicht, obwohl die Katastrophe bereits zwei Wochen zurückliegt“, sagte der Bürgermeister des Ortes Krosno Odrzanskie, Marek Cebula, der Zeitung „Gazeta Wyborcza“.

Auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel hatte die polnischen Behörden kritisiert. Gegenüber dem RBB sagte er am Donnerstag (11. August), man wisse „nur von Dritten und aus Medien, dass in größerem Umfang Lösungsmittel freigesetzt wurden, die möglicherweise für das Fischsterben mitverantwortlich“ seien. „Es ist festzustellen, dass die vereinbarten Meldewege nicht eingehalten wurden und wir deswegen auch viele Informationen nicht haben, die wir hätten haben sollen“, ergänzte der Grünen-Politiker.

Mögliche Ursache: Erste Analysen weisen auf Quecksilber hin

Update vom 12. August, 9.46 Uhr: Das Fischsterben in der Oder könnte womöglich weitergehen. Mit weitreichenden Folgen für den Nationalpark Unteres Odertal. Davon gehen Naturschützer aus. Möglicherweise wurde das Fischsterben durch eine Quecksilberbelastung ausgelöst. Wasserproben nach dem Fischsterben in der Oder in Brandenburg haben Hinweise darauf ergeben. „Seit gestern Abend gibt es die ersten Ergebnisse. Die haben wir zwar noch nicht offiziell, aber es deutet in der Tat doch auf eine massive Belastung mit Quecksilber hin als ein Faktor“, sagte der Leiter der Umweltverwaltung im Kreis Märkisch-Oderland, Gregor Beyer, am Freitagmorgen (12.August) im RBB-Inforadio. „Ob das der alleinige ist, wissen wir nicht.“

„Die Auswirkungen sind einfach furchtbar“, sagte der stellvertretende Nationalparkleiter Michael Tautenhahn am Morgen des Freitags (12. August) der Deutschen Presse-Agentur. „Für den Nationalpark ist das schlichtweg eine Katastrophe.“

Tote Fische: „Die Vergiftungswelle ist komplett durch die Oder gegangen“

Betroffen seien Tiere und Pflanzen und auch die touristische Entwicklung der Region. „Die Vergiftungswelle ist komplett durch die Oder gegangen“, sagte Tautenhahn. Tote Fische habe man über die gesamte Strombreite treiben sehen: Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten nun das Gift durch die toten Fische aufnehmen.

Tautenhahn rechnet aber auch mit einem Imageschaden für den Nationalpark: „Es ist ein vergiftetes Katastrophengebiet.“ Er befürchte, dass viele Menschen nun einen Bogen um den Nationalpark machen würden. Der Nationalpark Unteres Odertal ganz im Osten Brandenburgs zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland.

Mehrere Tonnen tote Fische in der Oder – Warten auf die Laborergebnisse

Update vom 12. August, 8.20 Uhr: Das brandenburgische Umweltministerium setzt die Untersuchung des massenhaften Fischsterbens in der Oder fort. Am Freitag (12. August) werden weitere Labor-Ergebnisse erwartet. Am Donnerstag (11. August) berichtete das Landesumweltministerium, nach ersten Analysen zeichne sich ab, dass ein noch unbekannter, toxischer Stoff die Oder durchlaufe. Unklar blieb, was die Ursache dafür ist. Das Landesumweltamt lässt Wasserproben auswerten. Aber auch tote Fische werden untersucht.

Die Bevölkerung wird weiter aufgerufen, den Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu meiden. In mehreren Regionen in Brandenburg mit Oder-Abschnitten – von der Stadt Frankfurt (Oder) bis in den Kreis Uckermark – wurden tote Fische gefunden.

Wasserverschmutzung durch die Industrie als mögliche Ursache für das Fischsterben in der Oder

Update vom 11. August, 21.40 Uhr: Laut Erkenntnissen der polnischen Umweltschutzbehörde ist das Fischsterben in der Oder wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst worden. „Alles deutet darauf hin, dass die Verschmutzung der Oder, die zum Sterben zahlreicher Fische geführt hat, industriellen Ursprungs sein könnte“, erklärte Magda Gosk, stellvertretende Leiterin der Behörde, am Donnerstag (11. August). Mit Drohnenüberflügen versuche man nun, potenzielle Verschmutzungsquellen aufzuspüren und festzustellen, in welchem Zustand der Fluss sei.

Zudem untersuche ihre Behörde, um welche Substanz es sich handelt. Und „vor allem, wer diese Substanz wo in die Oder eingeleitet hat“, fügte Gosk hinzu. Das Fischsterben in der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen in Brandenburg an der Grenze zu Polen. Tausende tote Fische wurden in dem Fluss entdeckt, ein Teil davon auf Höhe der Stadt Frankfurt (Oder) und umliegender Orte.

Fischsterben in der Oder: Tausende tote Tiere – Bevölkerung soll Berührung mit Flusswasser meiden

Erstmeldung vom 11. August: Potsdam – Ein massives Fischsterben entlang der Oder gibt derzeit Rätsel auf. Die genauen Gründe dafür sind nach wie vor unklar. Unterdessen werden an immer mehr Stellen in Brandenburg tote Fische gefunden. Nach Angaben der dortigen Verwaltungsbehörde war auch der Oderabschnitt im Kreis Uckermark am Donnerstag (11. August) davon betroffen. Man habe sehr viele Kadaver festgestellt, hieß es.

Inzwischen hat auch das Landeskriminalamt in Brandenburg Ermittlungen zu dem Fischsterben aufgenommen. Behörden hatten Wasserproben entnommen, die derzeit noch ausgewertet werden. Schon zuvor hatte es behördliche Warnungen an die Bevölkerung gegeben, den Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu vermeiden. Diese blieben vorerst bestehen.

An der Grenze zu Polen ist die Stimmung bedrückt. Die Anwohner sind über das große Fischsterben in der Oder, die derzeit auch mit Niedrigwasser zu kämpfen hat, höchst beunruhigt. Aufgrund von Augenzeugenberichten geht das Landesamt für Umwelt in Brandenburg von mehreren Tonnen toter Fische aus.

In Höhe der Insel Ziegenwerder in Frankfurt (Oder) liegen tote Fische am Ufer der Oder
In Höhe der Insel Ziegenwerder in Frankfurt (Oder) liegen tote Fische am Ufer der Oder. © Frank Hammerschmidt/dpa

Fischsterben in der Oder: Brandenburgs Umweltminister kritisiert Polen – „Meldewege nicht eingehalten“

Derweil wächst die Kritik an Polen, das Nachbarland habe deutsche Behörden nicht rechtzeitig informiert. Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel sagte dem RBB am Donnerstag (11. August), man wisse „nur von Dritten und aus Medien, dass in größerem Umfang Lösungsmittel freigesetzt wurden, die möglicherweise für das Fischsterben mitverantwortlich“ seien. „Es ist festzustellen, dass die vereinbarten Meldewege nicht eingehalten wurden und wir deswegen auch viele Informationen nicht haben, die wir hätten haben sollen“, ergänzte der Grünen-Politiker.

Vogel geht davon aus, dass das brandenburgische Landeslabor bis zum Wochenende Ergebnisse von Proben-Untersuchungen vorliegen hat. Es werde zudem geprüft, ob auch Ausbaggerungen auf polnischer Seite oder die Einleitung ungeklärter Abwässer eine Rolle gespielt hätten.

Tote Fische liegen am Ufer der Oder bei Brieskow-Finkenheerd
Auch bei Brieskow-Finkenheerd sammeln sich am Oder-Ufer zahlreiche Fischkadaver. © Frank Hammerschmidt/dpa

Eine Erklärung für das große Fischsterben hat man auch in Polen noch nicht gefunden. Nach einer Mitteilung des Gewässeramtes in Wroclaw von Anfang August sei es möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt sei. Außerdem konnte die giftige Substanz Mesitylen an zwei Stellen nachgewiesen werden.

Die örtliche Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen eines möglichen Umweltdelikts. Dagegen gab die polnische Umweltschutzbehörde am Donnerstag an, dass aktuelle Wasserproben unbelastet seien.

Polen: Freiwillige Helfer klagen nach Entsorgung der Fischkadaver aus der Oder über „Hautreizungen“

In der polnischen Bevölkerung gibt es Vorwürfe an die Behörden. Stimmen wurden laut, dass man nicht gewarnt worden sei, keine Fische aus der Oder zu essen und nicht im Fluss zu baden. Schon Ende Juli waren in Polen tote Fische gefunden und Wasserproben entnommen worden. Polens Fernsehsender TVN24 zeigte am Donnerstag (11. August) Bilder von Freiwilligen. Die holten massenweise tote Fische aus dem Fluss. Einer der Helfer klagte in dem Beitrag darüber, dass er nach der Berührung des Wassers rötliche Hautreizungen an den Händen bekommen habe.

Auf deutscher Seite wird die Entsorgung der Fischkadaver an den Ufern der Oder noch vorbereitet, wie der Kreis Märkisch-Oderland bekannt gab. Laut einem Sprecher sollen dazu Vögel und Schlangen, die Aas fressen, angelockt werden. Hilfe aus der Bevölkerung beim Aufsammeln der Kadaver nehme man nicht in Anspruch, die Entsorgung solle koordiniert ablaufen. (kh mit dpa)

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