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Mozart auf LSD: Promis bei „Così fan tutte“-Premiere

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Promis bei Barenboims „Così fan tutte“-Premiere
Die Deutsche Staatsoper an der Straße Unter den Linden. © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Mit Mozarts „Così fan tutte“ haben Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und der französische Regisseur Vincent Huguet das Premierenpublikum an der Berliner Staatsoper Unter den Linden in die 70er Jahre entführt. Das bereits bei „Le nozze di Figaro“ vor wenigen Wochen gefeierte Konzept ging erneut auf. Anhaltend donnernden Applaus gab es am Sonntagabend für Solisten, Staatsopernchor und Staatskapelle unter Barenboim sowie Huguet mit seinem Team.

Berlin - Barenboim und Mozart sind Promi-Magnete: Im Rang klatschten auch Ex-Präsident Joachim Gauck, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Kulturstaatsministerin Monika Grütters oder Schauspieler Ulrich Matthes.

„Così fan tutte“ erzählt von einem Hang zur Untreue, den Mozart und Libretto-Schreiber Lorenzo Da Ponte allen Frauen andichten. Der alte weiße Mann Don Alfonso (Lucio Gallo) wettet mit den Adrenalin-Protzen Guglielmo (Gyula Orendt) und Ferrando (Paolo Fanale) um die Treue ihrer Verlobten Fiordiligi (Federica Lombardi) und Dorabella (Marina Viotti). Kammerzofe Despina (Barbara Frittoli) forciert das Spiel mit dem Feuer, das in einer emotionalen Katastrophe endet.

Huguet schickt Mozart dafür durch einen LSD-Trip auf der Opernbühne. In seiner Hippie-Kommune verkommen soldatische Momente zum Witzballett. Die Bilder der freien Liebe - vielleicht genauso verlogen wie Mozarts schmachtende - spielen zwischen Ikonen der 70er Jahre: Schalensessel, Kühlbox, Korbstühle, am Plattenspieler liegen Pink Floyds „Dark Side of the Moon“ und das „White Album“ der Beatles bereit.

Das Libretto liefert keine plausible Erklärung, warum die beiden Frauen scheinbar zwangsläufig untreu werden. Mozarts emotionalisierende Musik könnte ein Erklärungsansatz sein, in der packenden Interpretation von Barenboim, einem prächtig aufgelegten Orchester und glänzenden Solisten allemal.

Der Showdown folgt im April, wenn Huguet und Barenboim das dritte Werk von Mozart und Da Ponte angehen. Dann steht mit „Don Giovanni“ die „Oper aller Opern“ (E.T.A. Hoffmann) auf dem Programm der Staatsoper. dpa

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