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Sturm tost über Berlin: Rund 1300 Feuerwehr-Einsätze

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Vom Wind umgerissene Absperrungen liegen an einer Baustelle
Vom Wind umgerissene Absperrungen liegen an einer Baustelle. © Paul Zinken/dpa

Das Brausen des Sturms war fast überall zu hören - und zu spüren: Das Sturmtief „Ylenia“ hat auch die Hauptstadt durchgepustet. Und schon am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag zieht der nächste Sturm über Berlin hinweg.

Berlin - Der Sturm „Ylenia“ hat in Berlin Bäume umstürzen lassen und den Zug- und Flugverkehr durcheinander gebracht. Die Feuerwehr rückte seit der Nacht zu rund 1300 Einsätzen aus. Der S-Bahnverkehr auf der Ringbahn wurde am Donnerstag in Tempelhof zeitweise unterbrochen, weil ein Antennenmast auf die Gleise gestürzt war. Zwei Menschen wurden von herabfallenden Ästen leicht verletzt. Die Feuerwehr warnte den ganz Tag über davor, das Haus zu verlassen. „Die Einsätze ziehen sich weiter hin“, sagte ein Sprecher am Abend.

Erst am Donnerstagnachmittag hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Unwetterwarnung für Berlin und Brandenburg auf. Für den Abend rechneten die Meteorologen aber weiterhin mit Sturmböen der Windstärke acht bis neun.

Nach Angaben der Meteorologen gab es in der Nacht zum Donnerstag schwere Sturmböen mit Windstärke 10. In Berlin-Dahlem wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 104 Stundenkilometern gemessen.

Schon Freitagabend und in der Nacht zu Samstag zieht der nächste Sturm namens „Zeynep“ über Berlin und Teile Deutschlands. Am Abend und zu Beginn der Nacht seien Böen zwischen von 90 bis 110 Stundenkilometern möglich, stellenweise auch Orkanböen um 120 Stundenkilometer. In der zweiten Nachthälfte lasse der Wind deutlich nach.

Alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren waren im Einsatz, sie waren noch bis weit in den Abend hinein beschäftigt. Meistens mussten die Feuerwehrleute Bäume und Äste beseitigen, die auf der Straße und zum Teil auch auf Autos lagen. Oft ging es auch um lose Dachziegel oder ähnliche Gebäudeschäden.

In Lichterfelde fielen drei Bäume auf parkende Autos, eine Laterne wurde mitgerissen. Am Martin-Luther-Krankenhaus in Wilmersdorf fiel ein Baum gegen das Gebäude. An der nahe gelegenen Zahnklinik der Charité riss der Sturm ein Teil des Daches herunter.

Am Paul-Löbe-Haus des Bundestages fiel eine Blechplatte vom Dach, verletzt wurde niemand. Die Grünen-Politikerin Renate Künast schilderte bei Twitter, wie der Sturm im Restaurant neben dem Plenarsaal ein großes Fenster aufdrückte und Mitarbeiter sich dagegen stemmten.

In der Nacht und erneut ab dem Vormittag rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Das bedeutet, dass so viele Alarmrufe eingingen, dass sie nicht mehr wie sonst üblich nacheinander abgearbeitet werden konnten. Die Reihenfolge richtet sich dann nach der Schwere des Vorfalls, zudem werden Freiwillige Feuerwehren eingesetzt. Das kommt häufiger vor.

Immer wieder mahnte die Feuerwehr zur Vorsicht: „Die Wohnung ist der sicherste Ort.“ Man sollte auf keinen Fall Wälder oder Parks betreten, weil es dort wegen herabstürzender Äste oder umstürzender Bäume besonders gefährlich sei. Auch Gegenstände auf Balkonen sollten gesichert werden. Sportplätze und Turnhallen wurden Donnerstag und Freitag geschlossen: Die Plätze wegen der Gefahr durch herabstürzende Äste, die Hallen, weil sie nicht - wie wegen der Corona-Pandemie vorgeschrieben - gelüftet werden können.

Die Deutsche Bahn stoppte schon am frühen Morgen den Fernverkehr in mehreren Bundesländern im Norden und Nordosten, darunter in Berlin und Brandenburg. Auch im Regionalverkehr kam es zu Zugausfällen und Verspätungen. Die Schäden seien „erheblich“, sagte ein Bahn-Sprecher. Reparaturtrupps waren unterwegs, um Strecken freizuräumen, mit der Kettensäge Bäume zu zerteilen und Oberleitungen zu reparieren.

Trotzdem rechnete die Bahn mit Zugausfällen bis zum Samstag, auch wegen der zweiten erwarteten Sturmfront am Freitagabend. „Ich fürchte, unsere Reisenden müssen noch über einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen leben.“ Reisende sollten sich vor ihren Fahrten genau informieren. Wenn möglich, sollten Reisen verschoben werden. Fahrkarten seien bis einschließlich 27. Februar gültig. Kostenlose Stornierungen seien ebenfalls möglich.

Passagiere am Berliner Flughafen brauchten am Donnerstagvormittag Geduld. Wegen starker Windböen war die Flugzeugabfertigung stark eingeschränkt, es kam zu Verspätungen, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft sagte. Die erste Welle von Starts und Landungen verlief am frühen Morgen noch reibungslos.

Weil der Sturm danach wieder stärker wurde, durften die Ausleger der Fluggastbrücken des Terminals nicht an die Maschinen herangefahren werden. Teilweise wurde auf mobile Brücken ausgewichen. Wegen starker Böen durften zeitweise auch keine Gepäckklappen geöffnet werden. Über Flugausfälle gab es keine abschließende Information. Die Lufthansa hatte in der Nacht zu Donnerstag Flüge nach Frankfurt gestrichen.

Um einen 15 Meter hohen Antennenmast, der in Tempelhof auf die Ringbahn gestürzt war, zu bergen, musste die Feuerwehr mit einem Kran anrücken. Neben dem S-Bahnring wurde auch der Tempelhofer Damm samt Autobahnausfahrt gesperrt. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) meldete den Unfall eines Ausflugsschiffes im Westhafen. Die BVG-Fähre F12 in Grünau im Südosten Berlins fuhr wegen des Sturms nicht mehr. Ansonsten waren Busse und Bahnen in Berlin kaum betroffen. Die BVG sprach von „vergleichsweise geringen Auswirkungen“. dpa

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