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Verteidiger kündigt im KZ-Prozess Erklärung an

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Prozess
Der angeklagte ehemalige KZ-Wachmann kommt mit seinem Anwalt Stefan Waterkamp in den Gerichtssaal. © Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Trotz eindringlicher Appelle des Vorsitzenden Richters und der Nebenkläger schweigt der Angeklagte im Prozess um die Massentötungen im KZ Sachsenhausen weiter zu den Vorwürfen. Dies könnte sich jedoch im Laufe des Verfahrens ändern, sagt der Verteidiger.

Brandenburg/Havel - Im Prozess um die Massentötungen von Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen hat der Verteidiger eine mögliche Erklärung des Angeklagten zu seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs angekündigt. „Es wird vermutlich eine Erklärung dazu geben, das bedarf aber noch etwas Zeit“, sagte der Anwalt Stefan Waterkamp am Donnerstag vor dem Landgericht Neuruppin.

Zuvor hatte der Nebenkläger-Anwalt Thomas Walther ebenso wie der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann den 100 Jahre alten Angeklagten eindringlich aufgefordert, sich zu seiner damaligen Tätigkeit zu bekennen. Der Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Neuruppin findet aus organisatorischen Gründen in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel statt.

Laut Anklage soll der Hundertjährige als SS-Wachmann in dem KZ von 1942 bis 1945 Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen geleistet haben. Er hatte aber am zweiten Prozesstag bestritten, in dem KZ tätig gewesen zu sein. Auf Anraten seines Anwalts hat er sich ansonsten zu seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs bislang nicht geäußert.

Richter Lechtermann hatte am Freitag vergangener Woche gesagt, der Angeklagte habe zwei Mal erklärt, in der litauischen Armee gedient zu haben. Dann solle er dazu auch nachprüfbare Einzelheiten schildern. Sollte er aber als SS-Wachmann im KZ gedient haben, solle er dies einräumen, hatte Lechtermann gefordert. „Das könnte der Anstand gebieten.“ Für die als Nebenkläger beteiligten Überlebenden und Nachkommen des KZ könne dies eine Genugtuung sein.

Zwei Nebenkläger hatten den Angeklagten direkt aufgefordert, seine Beteiligung im mörderischen System des KZ einzuräumen. Darunter war auch der Holocaust-Überlebende Emil Farkas, der als Jugendlicher Ende 1944 in dem KZ inhaftiert worden war.

Am Donnerstag zog der Angeklagte mit Zwischenrufen in Zweifel, ob er als Wachmann überhaupt hätte Befehle ausführen können. Der aus Litauen stammende Mann hatte zu Prozessbeginn erklärt, damals noch gar kein Deutsch gesprochen zu haben. Deutsch habe er erst nach der Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Deutschland gelernt.

Der Historiker Stefan Hördler erläuterte dagegen, dass ab 1941 zahlreiche sogenannte Volksdeutsche aus Länder wie Litauen, Rumänien oder der Slowakei für die SS-Wachmannschaften rekrutiert worden seien. Da diese häufig kaum Deutsch gesprochen hätten, habe es für sie in den Ausbildunskompanien jede Woche zwölf Stunden Deutschunterricht gegeben. „Das Ausführen von Befehlen war ihnen sicher möglich“, sagte der Historiker.

Hördler beschrieb dem Gericht detailliert das mörderische System, das die SS in den KZ geschaffen habe. So sei beim Tod von Häftlingen häufig „Erschießung auf der Flucht“ offiziell als Grund genannt worden. „In den meisten Fälle waren es aber gezielte Tötungen.“ Dies zeigte sich etwa dann, wenn im dazu gehörigen Obduktionsbericht ein Genickschuss vermerkt sei, erklärte der Historiker. dpa

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