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Virologin Ciesek räumt mit Schnelltest-Irrglaube auf - und nennt drei Erkenntnisse aus umstrittener Studie

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Von: Martina Lippl

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Schlagen Antigen-Schnelltests bei einer Corona-Infektion zuverlässig an? Es gibt einige Zweifel, besonders bei Omikron. Virologin Ciesek twittert Ergebnisse einer britischen Studie.

München - Corona-Schnelltests gehören inzwischen zum Alltag. Die Antigen-Tests erkennen Sars-CoV-2 weniger gut als ein PCR-Test – das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Doch die Corona-Schnelltests schlagen bei einer hohen Viruslast an. Das Zeitfenster ist dafür natürlich kürzer.

Virologin Sandra Ciesek räumt mit Irrglaube bei Antigen-Schnelltests auf

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek weist jetzt auf Ergebnisse der ersten Human-Challenge-Studie hin, gerade mit Blick auf die Diskussionen um Antigen-Schnelltests. Ciesek fasst auf Twitter die wichtigsten drei Punkte der britischen Studie – auch für Laien verständlich – zusammen. Dabei teilt sie einen Tweet von US-Mediziner Eric Topol.

„1. Die Viruslast korreliert nicht mit den Symptomen. 2. auch bei fehlenden Symptomen können hohe Virusmengen ausgeschieden werden. 3. AG-Schnelltests sind nützlich“, twittert Virologin Ciesek. Dann schreibt sie: „Fazit: Symptome korrelieren NICHT mit der Ansteckungsgefahr.“

Freiwillig mit Corona infiziert - Britische Studie sorgte für Furore

Die britische Studie am Imperial College in London sorgte vor knapp einem Jahr für Aufsehen: Gesunde Probanden infizierten sich freiwillig mit Corona. Im Vorfeld wurde viel über die sogenannte Human-Challenge-Studie unter Medizinethikern diskutiert. Doch die Studie ist besonders: Erstmals konnten Wissenschaftler Menschen während des gesamten Infektionsverlaufs – Inkubationszeit und Symptome – beobachten. Die zum Teil verblüffenden Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Fachmagazin nature.com veröffentlicht worden.

Trotz der wichtigen Ergebnisse zu Viruslast und Symptomen weist Ciesek auf die doch geringe Zahl der Probanden - 36 Freiwillige im Alter zwischen 18 bis 29 Jahren - hin. Auch, dass „nicht die aktuell zirkulierende Variante Omikron verwendet wurde“, könnte die Aussagekraft der Studie auf die jetzige Corona-Lage in Deutschland einschränken. Allerdings räumt die Virologin ein: „Bis so eine Studie mit Omikron publiziert wäre, hätten wir aber wieder wahrscheinlich längst andere Varianten zirkulieren.“

Virologin Sandra Ciesek untersucht selbst Corona-Antigentest

Zwar war die Zahl der Probanden klein, doch hält Ciesek fest: „Wichtig: Es konnte kein quantitativer Zusammenhang zwischen Viruslast und Symptomen festgestellt werden, wobei hohe Viruslasten auch bei asymptomatischen Infektionen auftraten.“ Das Ergebnis würde sich mit ihren Daten zu Antigen-Schnelltests decken, unterstreicht die Frankfurter Virologin. Im Rahmen einer Studie hat Ciesek mit einem Forscherteam die Sensitivität und Spezifität von Antigen-Schnelltest bei Reiserückkehrern untersucht. Den Link dazu teilt sie in diesem Zusammenhang natürlich per Twitter. Fünf Tage nach der Ankunft in der Heimat wurden die Reisenden mit Antigen-Schnelltest und PCR-Test auf Corona getestet. Zwei Wochen seien die Teilnehmer (1.488) noch nachverfolgt worden. Das Fazit: Antigen-Schnelltests hätten sich nach fünf Tagen als zuverlässig herausgestellt. Keiner der negativen Teilnehmer sei während der Nachuntersuchung positiv getestet worden.

Britische Human-Challenge-Studie über Corona - Einige infizieren sich nicht

In der britischen Human-Challenge-Studie stiegt die Viruslast den Studienautoren zufolge nach einer Infektion steil an und erreichte nach etwa fünf Tagen ihren Höhepunkt. Das Virus wurde zuerst im Rachenraum nachgewiesen, stieg aber dann in der Nase auf einen deutlich höheren Wert an. Doch nicht alle 36 Studienteilnehmer infizierten sich. Nur bei 18 Freiwilligen schlug die aktive Infektion durch. Davon berichteten 16 über leichte bis mittelschwere Symptome nach einer Inkubationszeit von etwa 3 Tagen. Zwei Teilnehmer blieben ohne Symptome. Ein ziemlich verblüffendes Ergebnis.

Fällt der Schnelltest positiv aus, der PCR-Test aber negativ, ist die Verwirrung erst einmal groß. Woran kann die Diskrepanz liegen und was sollte man unternehmen? Es gibt klare Empfehlungen. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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