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„Gar nicht klar“ - Virologin Ciesek sorgt für Furore: Omikron doch nicht viel infektiöser als Delta?

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Von: Julia Schöneseiffen

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Die Virologin Ciesek kritisiert die Verkürzung des Genesenenstatus und plädiert für „individual-medizinische“ Entscheidungen. Ein Ende der Pandemie ist laut Ciesek noch nicht in Sicht.

München - Wann wird Corona endemisch? Diese Frage dürften sich die meisten nach zwei Jahren Pandemie stellen. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek prognostiziert ein Ende erst „wenn alle Kontakt hatten - entweder durch Impfung oder Infektion“.

Eine Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate sieht sie trotzdem kritisch. Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik plädierte am Freitag (28. Januar) dafür, den Zeitpunkt des Boosterns nach Genesung „individual-medizinisch“ zu entscheiden. „So richtig glücklich und zufrieden bin ich nicht mit den Regelungen“, sagte Ciesek. Einen einheitlichen Zeitpunkt für alle zu definieren, sei „sehr schwierig“.

Virologin Sandra Ciesek sieht Verkürzung des Genesenen-Status kritisch: „Echtes Dilemma“

Es müsse berücksichtigt werden, mit welcher Virus-Variante man infiziert wurde, wie alt man ist, wie lange gegebenenfalls die Impfungen zurückliegen. „Die Regelung mit den drei Monaten ist für einige Patienten sehr ungünstig“, erklärt die Virologin. Jugendliche, die im Sommer geimpft wurden und sich im Herbst infizierten, seien jetzt „in einem echten Dilemma“. Sie müssten sich nun nach drei Monaten boostern lassen, „haben aber zum Teil Antikörper, die unser Messfenster sprengen“. Hier mache es Sinn, auf den neuen, an Omikron angepassten Impfstoff zu warten.

Anders sehe das bei 60-Jährigen aus. „Dieses Virus hat uns immer wieder überrascht“, sagte Ciesek in ihrer Bilanz zwei Jahre nach Beginn der Pandemie. Virologen hätten zwar damit gerechnet, dass sich das Virus verändere, aber nicht damit, „dass das so schnell geht und dass wir so viele Varianten sehen“. Auch die Hoffnung, dass sich mit dem Impfstoff die Pandemie dem Ende zuneigt, „hat sich leider nicht so richtig bewahrheitet“.

Virologin Ciesek: Vierte Impfung bei Omikron nicht für alle sinnvoll

Impfungen blieben dennoch wichtig, um schwere Verläufe zu verhindern. Dass Omikron wirklich so viel infektiöser ist als Delta, sei virologisch „gar nicht klar“, sagte Ciesek. Dass sich mehr Menschen anstecken, liege eher daran, „dass das Virus viel mehr Opfer findet“: Bei Delta sei das Virus von den Geimpften besser „geblockt“ worden, mit Omikron infizierten sich auch Geimpfte und Geboosterte, deswegen könne das Virus jetzt wieder besser zirkulieren. Ein weiterer Grund sei die kürzere Inkubationszeit. Dass bald eine vierte Impfung für alle nötig sein wird, glaubt Ciesek nicht. Für Omikron mache das „keinen großen Unterschied“. Die Antikörper stiegen weniger stark an als nach der zweiten oder dritten Impfung „und ich kenne auch einige, die sich trotz vier Impfungen infiziert haben“.

Die Virologin Sandra Ciesek
Die Virologin Sandra Ciesek bezweifelt, dass eine vierte Impfung bald für alle nötig sein wird. © Sebastian Gollnow / dpa

Langfristig seien dennoch mehr als drei Impfungen denkbar: „Ich glaube schon, dass es darauf hinausläuft, dass einige sich regelmäßig impfen lassen müssen.“ Wann das Virus endemisch werde, könne man derzeit noch nicht sagen. „Es ist wichtig zu verstehen, dass man erst ein endemisches Stadium erreicht, wenn alle irgendwie mal Kontakt hatten - entweder durch Impfung oder Infektion und dann die Verläufe einfach milder werden. Und so weit sind wir nicht.“

Omikron: Chance auf die Endemie?

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hingegen glaubt. „dass wir uns in der Endphase der Pandemie befinden“, wie er gegenüber t-online erklärt. Er sieht ein mögliches Pandemie-Ende in der Omikron-Variante. So habe die WHO bereits vorhergesagt, dass sich etwa 60 Prozent der Europäer mit der Omikron-Variante infizieren werden. Demnach erhöhe sich die Grundimmunität in der Bevölkerung, so der Virologe. „Ich glaube und würde es uns allen wünschen, dass Omikron unser Ausweg in die Endemie ist.“ (dpa/jsch)

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