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Sofortiger zweiter Booster für alle ab 60? Virologe Stöhr kontert EU-Empfehlung: „Ergibt keinen Sinn“

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Von: Jennifer Lanzinger

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Klaus Stöhr
Klaus Stöhr rät nun von einer vierten Corona-Impfung ab. © Sven Hoppe/dpa

Einen zweiten Corona-Booster für alle Menschen ab 60 Jahren hatte die EU-Behörde erst in dieser Woche empfohlen. Virologe Klaus Stöhr stellt sich nun jedoch gegen die Empfehlung.

Osnabrück - Die Corona-Zahlen sind aktuell auch trotz hoher Temperaturen auf unerwartet hohem Niveau. Das RKI meldete am Dienstag, 12. Juli 2022, eine bundesweite Corona-Sieben-Tage-Inzidenz von 702,4. Erst am Montag hatte die EU Menschen ab 60 Jahren dazu aufgerufen, sich eine zweite Booster-Impfung verabreichen zu lassen. Geht es jedoch nach dem Virologen Klaus Stöhr, sei diese erneute Auffrischungsimpfung für alle ab 60 Jahren nicht sofort nötig.

Sofortiger zweiter Booster für alle ab 60-Jährigen? Virologe stellt sich gegen Empfehlung der EU-Behörde

Am Montag hatten EU-Behörden erst dazu aufgerufen, allen Menschen im Alter ab 60 Jahren eine weitere Auffrischungsimpfung zu verabreichen. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahlen am Montag, zweite Booster-Impfungen für Personen ab 60 sowie für Vorerkrankte in Betracht zu ziehen. Diese könnten mindestens vier Monate nach der vorherigen Impfung verabreicht werden. Bereits im April hatten die in Stockholm und Amsterdam ansässigen Behörden solche Auffrischdosen für alle ab 80 empfohlen.

Der Virologe und frühere WHO-Direktor Klaus Stöhr rät hingegen von einer sofortigen Viertimpfung für alle ab 60 Jahren ab. Er stellt sich damit gegen die Empfehlung der EU-Gesundheitsbehörden. „Wer nach dem ,‘2. Booster jetzt‘ für alle ruft, sollte sich klar sein, dass im Herbst die Wirkung weitestgehend verpufft ist. Aber gerade dann wird für die Vulnerablen eine Auffrischung benötigt, wegen des hohen Infektionsdrucks und großer Infektionswahrscheinlichkeit im Winter“. Sagte Stöhr im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Also im Herbst eine fünfte Impfung? Das ergibt keinen Sinn!“

Corona: Virologe Klaus Stöhr erwartet keinen „Gamechanger“ im Herbst

Wie der Virologe weiter erklärt, empfehle er stattdessen allen Menschen bis 70 Jahren ohne Vorerkrankungen, mit dem zweiten Booster bis zum Herbst zu warten. Denn eine Viertimpfung bei den gesunden Jüngeren reduziere auch nicht das Risiko für schwere Erkrankungen, sagte der Epidemiologe, der im Sachverständigenrat von Bundestag und Bundesregierung zur Bewertung der Corona-Maßnahmen saß und das Influenza-Programm der Weltgesundheitsorganisation leitete.

Dass die von Biontech und Moderna in Aussicht gestellten angepassten Omikron-Impfstoffe im Herbst zum „Gamechanger“ würden, erwartet der Experte nicht. „Auch die gegenwärtigen Impfstoffe schützen ja noch sehr gut gegen schwere Verläufe auch bei den neuesten Omikron-Varianten wie BA.5“, sagte Stöhr der NOZ. Und einen 100-prozentigen Schutz würden auch die nächsten Impfstoffe kaum bringen können.

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