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„Kampf ums Intensivbett“: In einem Bundesland geht nichts mehr - auch Bayern kurz vor Limit

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Von: Patrick Mayer

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Dresden: Ein Intensivpflegerin ist auf der Covid-19-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit der Versorgung einer Corona-Patientin beschäftigt.
Dresden: Ein Intensivpflegerin ist auf der Covid-19-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit der Versorgung einer Corona-Patientin beschäftigt. © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Intensivstationen deutscher Kliniken laufen mit Corona-Patienten voll. Eine Statistik zeigt die dramatische Lage - etwa in Bayern. In einem Bundesland gibt es quasi keine freien Intensivbetten mehr.

München - Sie stehen wieder im Fokus. Und vielleicht mehr denn je in der Coronavirus-Pandemie. Die Intensivstationen in Deutschland, wie etwa in Sachsen, wo schon bald Triage droht. Heißt: Ärzte und Pfleger müssen bald womöglich entscheiden, wen sie auf Intensiv vorrangig behandeln - und wen mit weniger Prio.

Corona in Deutschland: Viele Intensivstationen zwischen Bremen und Bayern sind am Limit

„Es droht ein Kampf ums Intensivbett“, hatte unlängst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim Landesparteitag der Sachsen-CDU in Dresden gesagt. An diesem Dienstag (23. November) gestand der 54-jährige Franke den Fehler ein, die vierte Corona-Welle unterschätzt zu haben. Auch die Ärzte der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) schlagen Alarm. „Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle. Angesichts der zunehmenden Infektionsdynamik und der steigenden Inzidenzen und steigender Intensivbelegungszahlen, machen wir uns wirklich große Sorgen“, erklärte Gernot Marx, der DIVI-Vorsitzende zuletzt.

Es droht ein Kampf ums Intensivbett.

Bayerns Markus Söder (CSU)

Ein Blick auf das DIVI-Intensivregister zeigt: Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten ist in den meisten Bundesländern beinahe ausgeschöpft, die Lage sehr angespannt.

„Regional, zum Beispiel in Thüringen, Sachsen und einigen Ballungszentren führt dies bereits zu akuten Belastungssituationen. Dies macht Verlegungen in den jeweiligen Bundesländern schon notwendig. Und auch eine Priorisierung“, erklärte Mediziner Marx weiter: „Das heißt, planbare Operationen werden verschoben. Wenn wir weiter einen so ungebremsten Anstieg an schwer erkrankten Covid-19-Patienten in den nächsten Tagen und Wochen sehen werden, wird diese Priorisierung in weiten Teilen Deutschlands notwendig werden.“

Im Video: Landesärztekammer - Müssen wegen Corona Triage in Sachsen vorbereiten 

Ein Blick auf das DIVI-Intensivregister (Stand 23. November) zeigt auch: Ein Bundesland hat quasi keinen freien Intensivbetten mehr - Bremen. So waren in dem kleinsten Bundesland mit seinen rund 570.000 Einwohnern am Dienstagnachmittag nur noch zwei sogenannte Covid-spezifische Intensivbetten verfügbar. Heißt, solche, die mit dem geeigneten Beatmungsapparat ausgestattet sind und von ausreichend Pflegepersonal überwacht werden können. Mehr noch: Der prozentuale Anteil invasiv beatmeter Covid-19-Patienten lag in der Hansestadt bei 70 Prozent.

Nächstes Beispiel: In Bayern waren zum selben Zeitpunkt 300 Intensivbetten frei. Das klingt erstmal viel. Aber: 2.885 Intensivbetten waren zeitgleich belegt, davon 961 mit Corona-Patienten, von denen etwas mehr als die Hälfte invasiv beatmet werden musste. Und: Nur noch 111 Covid-spezifische Intensivbetten waren im Freistaat mit seinen rund 13,1 Millionen Einwohnern frei. Dies waren laut DIVI-Intensivregister im Durchschnitt noch 1,5 Betten pro Standort.

Corona-Patienten in Deutschland: Von Bremen bis Bayern - so ist die Lage auf den Intensivstationen

Corona-Patienten in BehandlungCovid-Patienten invasiv beatmetIntensivbetten aktuell belegtfreie Intensivbetten / pro Standort im SchnittCovid-spezifische Betten frei
Deutschland insgesamt:3.9572.02919.8382.399 (1,9)904
Baden- Württemberg:5072671.993245 (2,0)118
Bayern:9615162.885300 (1,5)111
Berlin:20312197887 (2,1)33
Brandenburg:1144257472 (1,5)28
Bremen:201416012 (1,1)2
Hamburg:502844760 (2,7)17
Hessen:2421161.647176 (1,9)50
Mecklenburg-Vorpommern:663451492 (2,9)30
Niedersachsen:174881.573251 (2,2)95
Nordrhein-Westfalen:5802994.779514 (1,7)210
Rheinland-Pfalz:13057834171 (2,3)62
Saarland:441534739 (2,4)24
Sachsen:5022401.277127 (1,8)30
Sachsen-Anhalt:1176366458 (1,5)24
Schleswig-Holstein:3718599123 (4,0)43
Thüringen:21011156772 (2,0)27

Quelle: DIVI-Intensivregister, Stand 23. November, 15.05 Uhr

Ähnlich besorgniserregend gestaltete sich die Lage in Sachsen-Anhalt (2,2 Millionen Einwohner), wo pro (Klinik-)Standort noch 1,5 betreibbare Intensivbetten zur Verfügung standen und in Sachsen (1,8), dem Bundesland (4,1 Millionen Einwohner) mit der niedrigsten Impfquote (59,9 Prozent). (pm)

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