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Corona-Impfpflicht könnte zu Pflegeverschlechterung führen - Studie ermittelt 15 Prozent Unterversorgung

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Von: Christina Denk

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Die einrichtungsbezogene Impfpflicht soll am 16. März in Kraft treten. Über 80 Prozent der Pflege-Angestellten ist bereits geimpft. Dennoch könnte ein Versorgungsdefizit drohen.

Berlin - Schon jetzt leiden die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in der Coronavirus-Pandemie unter Personalmangel. Wird sich das durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht noch verstärken? Am 16. März soll sie in Kraft treten: Die Impfpflicht für Personal in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen. Nicht geimpfte oder genesene Mitarbeiter können dann ein Betretungsverbot erhalten. Droht ein Versorgungschaos? Eine Studie der Alice Salomon Hochschule Berlin hat die Konsequenzen der Teil-Impfpflicht offengelegt.

Pflege-Impfpflicht: Etwa 82 Prozent der Angestellten im medizinischen Bereich bereits geimpft

Die Wissenschaftler der Hochschule befragte anhand eines Fragebogens vom 23. Januar 2022 bis zum 15. Februar 2022 bundesweit rund 1800 Einrichtungen und Dienste des Gesundheitswesens. Thema waren unter anderem die Impfquoten und Anzahl der zu versorgenden Menschen in den Einrichtungen, ebenso wie die Auswirkungen der Impfpflicht auf die Versorgungskapazitäten. Dabei wurden Aussagen zu fast 130.000 Pflegenden in Deutschland gemacht. Die meisten Daten stammen aus der ambulanten Pflege. Wie viele Beschäftigte insgesamt von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht betroffen sein werden, ist nicht bekannt.

Wie sieht die Lage also aus? Die durchschnittliche Impfquote im medizinischen Bereich liegt bei 82 Prozent (Vergleich vollständiger Impfschutz Allgemeinbevölkerung nach RKI am 1. März: 75,4 Prozent). Dabei schwanken die Zahlen zwischen den Einrichtungen stark:

ImpfquoteAnzahl der Einrichtungen in der Studie
Über 95 Prozent656
Unter 70 Prozent203

Mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht erwarten die Einrichtungen einen Anstieg der Impfpflicht in allen medizinischen Bereichen. Durchschnittlich wird die Quote den Einschätzungen zufolge aber wohl unter 90 Prozent bleiben. Das hat direkte Auswirkungen auf die Versorgungskapazität.

Pflege-Impfpflicht: 15,3 Prozent der zu pflegenden Menschen nicht mehr versorgt

„Versorgungsdefizit von durchschnittlich 15,3 Prozent“: So lautet die Folgerung der Wissenschaftler. 15,3 Prozent der zu pflegenden Menschen in Deutschland könnten demnach nicht mehr versorgt werden. Die Studie sieht auch hier Unterscheide bei den Einrichtungen:

EinrichtungVersorgungsdefizit in ProzentAnzahl nicht versorgbarer Personen
Ambulante Pflege19,9 Prozent200.000
Krankenhäuser13,1 Prozent2,5 Millionen
Stationäre Langzeitpflege5,9 Prozent50.000

„Die höchsten Rückgänge werden in den östlichen Bundesländern Sachsen (31,3 Prozent), Brandenburg (21,9 Prozent) und Thüringen (21,5 Prozent) erwartet“, heißt es von den Forschern.

Pflege-Impfpflicht: Einrichtungen empfehlen unter anderem alternative Impfstoffe

15,3 Prozent Versorgungsdefizit: Was ist dagegen zu tun? In der Studie konnten betroffenen Einrichtungen auch Maßnahmen angeben, um die Versorgung sicherzustellen und die Impfquote zu heben. Die genannten Maßnahmen umfassten:

Bayern hat bereits angekündigt, auf längere Übergangsfristen bei der Pflege-Impfpflicht zu setzen, um Defizite zu vermeiden.

In Frankreich gibt es die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen bereits seit dem 15. September 2021. Wie die Zahlen dort zeigen, waren die Auswirkungen im Pflegebereich verhältnismäßig gering. So wurden in Frankreich 3.000 Pflegende freigestellt. „Viele wollen sich aber jetzt impfen lassen, da sie merken, dass die Impfpflicht tatsächlich besteht“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran bei Inkrafttreten der Impfpflicht bei RTL. Einschränkungen für Patienten seien nicht zu befürchten. Auch in Länder wie Italien, Griechenland und Großbritannien gilt bereits eine Impfpflicht für Pflegepersonal. Doch warum wollen sich manche medizinische Angestellte nicht impfen lassen und nehmen sogar das Risiko einer Infektion in Kauf? (chd)

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