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Herzmuskelentzündungen nach Corona-Impfung - Forschende finden mögliche Ursache

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Von: Victoria Krumbeck

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Immer wieder werden Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung bekannt. Forschende haben nun Hinweise auf die Ursache gefunden.

Homburg - Die Pandemie ist noch nicht vorbei und Corona-Impfstoffe werden weiterhin angepasst. Nach einer Impfung mit mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna kam es in seltenen Fällen zu einer Herzmuskelentzündung - auch bekannt unter Myokarditis. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Nebenwirkung bei Männern unter 30 Jahren häufiger vorkam als bei Frauen unter 30 Jahren. Forschende haben nun Hinweise auf die Ursache gefunden, die zu einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung führen können.

Corona-Impfung: Forschende finden Ursache für Herzmuskelentzündung

Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Corona-Impfung eine Herzmuskelentzündung zu bekommen, ist äußert gering. Dennoch ist das Risiko da. Ein Forscherteam aus Deutschland und Israel hat zu der Ursache neue Erkenntnisse gewonnen, wie das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg mitteilte. Die Universität war an der Forschung beteiligt und veröffentlichte die Ergebnisse als einen Kurzbericht in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.

In der aktuellen Studie des UKS haben Forschende Blutproben von Patienten im Alter von 14 bis 79 Jahren untersucht. Von den meisten Patienten hatten die Mediziner den Befund der Herzmuskelbiopsie, die eine Herzmuskelentzündung nachwies. Vor allem bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern konnten die Forschenden Autoantikörper gegen den zentralen körpereigenen Entzündungshemmer (Interleukin-1-Rezepetor-Antagonist) nachweisen. Interleukin-1 ist ein wichtiger Botenstoff, der das Immunsystem bei Infektionen mobilisiert und alarmiert. Er bewirkt unter anderem, dass Menschen Fieber bekommen.

Forschende fanden neue Hinweise auf die Ursache einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung.
Forschende fanden neue Hinweise auf die Ursache einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

Wird jedoch zu viel Interleukin-1 ausgeschüttet, können entzündliche Krankheiten entstehen. „Gerade bezüglich Entzündungen an Herzbeutel, Herzmuskel sowie Gefäßen wissen wir bereits um die zentrale Bedeutung von Interleukin-1. Unser Immunsystem reguliert sich jedoch normalerweise selbst und gerade hochpotente Interleukine haben natürliche Gegenspieler, die gegebenenfalls überschießende Entzündungsreaktionen bremsen können“, erklärte Dr. Christoph Kessel, Leiter der Arbeitsgruppe „Translational Inflammation Research“ der Abteilung Kinderrheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Münster.

Immunsystem bildet fälschlicherweise Antikörper - Entzündungen treten leichter auf

So ein natürlicher Gegenspieler ist der Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist. Der Gegenspieler kann dann die Andockstellen für das eigentliche Interleukin-1 auf der Oberfläche der Zelle blockieren. Man kann sich den Antagonisten wie einen Stöpsel auf der Zelle vorstellen, der die Signalwege abschaltet.

„Bei den Patienten mit Myokarditis findet sich meist eine atypische Form mit einer zusätzlichen Phosphorylierung des Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten. Das Immunsystem bewertet diesen dann als körperfremde Struktur und bildet fälschlicherweise Antikörper dagegen. Dadurch wird der so wichtige körpereigene Entzündungshemmer neutralisiert und somit die Wirkung entzündungsfördernder Botenstoffe begünstigt“, erklärt Dr. Lorenz Thurner vom UKS.

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung: Nutzen der mRNA-Impfung größer

Die Forschenden seien auf ihre Ergebnisse zufällig gestoßen. Bei schweren Covid-19-Verläufen fangen die nachgewiesenen Autoantikörper die Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten ab. Die entzündungshemmende Wirkung der Antagonisten wird unterdrückt und eine Entzündung des Herzmuskels wahrscheinlicher. Die Mediziner wiesen diesen Vorgang auch bei Herzmuskelentzündungen auf, die nach einer Corona-Impfung auftraten.

Die Forschenden betonen, dass der Nutzen durch die mRNA-Impfungen und dem Schutz einer schweren Corona-Infektion das Risiko einer milden Herzmuskelentzündung überwiegt.

Eine Herzmuskelentzündung sollten Betroffene ernst nehmen. Sie kann nicht nur als Nebenwirkung nach einer Corona-Impfung auftreten - auch verschleppte Krankheiten und nicht richtig auskurierte Coronavirus-Infektionen können zur Myokarditis führen. Wer die Entzündung überstanden hat, sollte sich nicht sofort in den stressigen Alltag stürzen und starke körperliche Belastung vermeiden. Die US-amerikanische Kardiologenvereinigung veröffentlichte ein Schreiben, das Erkrankten erklärt, wann diese wieder mit dem Sport anfangen können. (vk)

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