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„Würde ich emotional nicht verkraften“: Mutter möchte nach Corona-Geburt kein Kind mehr bekommen

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Von: Magdalena Fürthauer

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Vorsorgeuntersuchung einer Schwangeren in Corona-Schutzkleidung
Eine Schwangerschaft während Corona oder gar einer Infektion ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbudnen. © Caroline Seidel/dpa

Fast 60 Stunden verbringt eine Corona-positive Frau im Krankenhaus, bis ihre Tochter auf die Welt kommt. Geprägt ist die Zeit von Isolation, noch ein Kind hält sie für ausgeschlossen.

München - Die Geburt eines Kindes ist mit Sicherheit ein einschneidendes Erlebnis für eine jungen Mutter - sei es, weil sie es als eine der schönsten Erfahrungen beschreibt, sei es, weil sie es mit einem Trauma verbindet. Schon vor Corona gab es unterschiedliche Wahrnehmungen von Gebärenden und Krankenhauspersonal, doch die Pandemie hat die Situation auf den Stationen deutlich zugespitzt. Das musste eine Frau Mitte Januar 2021 am eigenen Leib erfahren, wie spiegel.de berichtet.

Nach Corona-Geburt: Mutter möchte kein weiteres Kind - „Würde ich emotional nicht verkraften“

Die bundesweite Corona-Inzidenz ist derzeit zwar enorm hoch, jedoch schlägt sie sich aufgrund der Omikron-Variante und der höheren Durchimpfungsrate nicht ganz so heftig auf den Intensivstationen nieder, wie es noch vor einem Jahr der Fall war. Ebenso gibt es mittlerweile die Empfehlung, sich auch während der Schwangerschaft impfen zu lassen. All das konnte bei der damals 29-Jährige noch nicht zutreffen, die in dem Spiegel-Artikel den anonymisierenden Namen Frau Fuchs erhält.

Als sie mit einer geplatzten Fruchtblase ins Krankenhaus gekommen sei, habe man zunächst einen PCR-Abstrich durchgeführt. Rund 14 Stunden sei dann das positive Ergebnis zurückgekommen mit der Folge, dass sie in einen abgetrennten Bereich in der Geburtenstation gekommen sei, so Frau Fuchs. Ab diesem Zeitpunkt habe sich alles geändert. „Niemand durfte mehr zu mir, nicht mal mein Mann, obwohl ich zwei Zimmer komplett für mich allein hatte“, klagt die junge Mutter.

Corona: Isoliert vor der Geburt - Frau „emotional sehr belastet“

Grund für die verschärften Sicherheitsmaßnahmen in einer ohnehin belastenden Situation ist das Coronavirus. „Personalmangel im Kreißsaal, zu viel Arbeit und zu wenig Hebammen gab es schon vor der Pandemie, aber in der Pandemie sind noch einmal mehr Aufgaben dazu gekommen, die die Betreuung der Frauen zusätzlich erschweren“, wird Andrea Ramsell, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands, zitiert. Allen voran das Fehlen von Begleitpersonen sei für die Betroffenen besonders schlimm.

Das sei laut Spiegel auch in der Akte von Frau Fuchs verzeichnet worden. Die Patientin sei „emotional sehr belastet“ und wünsche einen Kaiserschnitt. Fast zwei Tage habe es jedoch noch gedauert, bis die 29-Jährige schließlich wirklich entbinden konnte. Diese Zeit sei für sie laut eigenen Angaben vor allem von Einsamkeit und Schmerzen geprägt gewesen, der einzige Kontakt die Hebamme im Corona-Schutzanzug.

Video: Einsame Geburt während Corona

Corona: Geburt vom Virus geprägt - Mutter möchte keine Kinder mehr

Nach fast 60 Stunden habe sie es geschafft, ihre Tochter habe das Licht der Welt erblickt. Doch sie sei zu schwach gewesen, sie zu halten, so Frau Fuchs. Auch in Folge habe sie Schwierigkeiten bei der Betreuung des Kindes gehabt, die zuständige Hebamme habe nämlich nur nach vorherigen Corona-Sicherheitsvorkehrungen zu ihr kommen können. Noch heute, über ein Jahr später, leide sie unter den psychischen Folgen.

Andrea Ramsell betont jedoch, dass man auch die Sicht der Klinik verstehen müsse: „Hebammen haben ein Recht auf Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Vielleicht hat da eine Hebamme einen Mann mit einer chronischen Krankheit zu Hause – das muss alles sehr sensibel gegeneinander abgewogen werden.“

Ob nun wegen der Corona-Infektion oder einer ohnehin schwierigen Geburt, Frau Fuchs ist sich sicher: „Eigentlich wollte ich immer mehrere Kinder. Aber nach diesem Erlebnis steht für mich fest, dass ich kein weiteres Kind möchte. Das würde ich emotional nicht verkraften“, so die junge Mutter gegenüber dem Spiegel. (mef)

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