Neue Corona-Regeln bei hohen Infektionszahlen? Experte Brockmann zieht Auto-Vergleich

Wo steht Deutschland in der Omikron-Welle? Modellierer und Physiker Dirk Brockmann bringt Sicherheits-Aspekt beim Autofahren an.
Berlin - Etliche bundesweite Corona-Maßnahmen fielen am Sonntag (20. März) weg. Es gibt viel Kritik und natürlich erneut ein ziemliches Durcheinander. Viele Bundesländer wie beispielsweise Bayern bleiben erstmal bei den bekannten Corona-Regeln, jedenfalls bis zum 2. April gelten 2G und 3G-Regel, sowie eine Maskenpflicht in Schulen und Geschäften.
Die bundesweite Inzidenz in Deutschland ist an diesem Sonntag erstmals gesunken. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist rückläufig. Keine Trendwende nach Ansicht von Modellierer und Physiker Dirk Brockmann.
„Wir sind mitten im Anstieg des zweiten Hügels der Omikron-Ausbreitung“
Corona in Deutschland: „Risiko überlasteter Kliniken besteht weiterhin“
„Wir sind mitten im Anstieg des zweiten Hügels der Omikron-Ausbreitung. Angetrieben wird die Welle durch den noch mal ansteckenderen Subtyp BA.2 und durch normaleres Kontaktverhalten der Bevölkerung. In Berlin etwa ist die Zahl der Kontakte fast wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie“, sagte Brockmann im Interview mit dem Spiegel. Der Modellierer hofft allerdings, dass die Welle demnächst ihren Wendepunkt findet und dann auch die Zahl der Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern wieder zurückgeht.
Der Physiker schätzt die aktuelle Lage als „hochdynamische Phase“ ein. Brockmann hält eine Überlastung der Kliniken weiterhin für denkbar. „Das Risiko besteht. Insbesondere, weil die Zahl der Menschen, die ins Krankenhaus müssen, der Zahl der Infizierten ein paar Wochen nachläuft, ist weiter vorausschauendes Handeln gefragt.“
Neue Corona-Regeln: Experte Brockmann zieht Auto-Vergleich
Um zu verdeutlichen, was vorausschauendes Handeln bedeutet, zog Brockmann im Spiegel-Interview beispielhaft einen Vergleich mit einer sehr bekannten Sicherheitsvorschrift beim Autofahren. „Ich schnalle mich im Auto ja auch nicht an, weil ich weiß, dass ich in hundert Metern einen Unfall haben werde, sondern vorsorglich für den Fall, dass dies geschieht“, führte der Experte aus.
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Die Lage in den Krankenhäusern beschrieb Brockmann als kritisch. Derzeit gebe es ähnlich viele Klinikaufnahmen wie in der zuvor schwersten Welle 2020/2021. Die Zahl der Intensivpatienten nehme zu. Regional komme es bereits zu Versorgungsengpässen. Wenn sich durch die Lockerungen die Inzidenz aus der ersten Omikron-Welle verdoppeln würde, könnten Kliniken an ihre Belastungsgrenze stoßen. Zudem würde bei einer hohen Inzidenz Personal ausfallen.
„Und wenn wir diese Grenze, egal ob auf Intensiv- oder Normalstation, einmal überschritten haben und dann erst gegensteuern, wird die Überlastung über Wochen anhalten“, warnt der Brockmann, der mit seiner Arbeitsgruppe für das Robert-Koch-Institut (RKI) die Ausbreitung und Dynamik von Infektionskrankheiten modelliert.
RKI-Corona-Fallzahlen am 20. März 2022
| Corona-Neuinfektionen am 20. März 2022 | 131.792 (Vorwoche: 146.607) |
| Corona-Inzidenz | 1708,7 (Vorwoche: 1526,8) |
| Todesfälle | 49 Todesfälle (Vorwoche: 50 Todesfälle) |
Corona in Deutschland: Verlauf der Pandemie ungewiss
Welche Lockerungen zu welchem Anstieg der Kontaktrate führe, sei aber unklar. Dem Ende der Maskenpflicht im öffentlichen Raum steht Brockmann nach eigenen Angaben mit gemischten Gefühlen gegenüber. Daran zu rütteln, führe seiner Ansicht nach zu großen Unsicherheiten. Einige würden die Maske weiter freiwillig tragen und andere nicht. Es sei völlig unklar, wie sich das auf die Schutzwirkung von Masken auswirke.
Wer eine Maske trägt, schütze sich und andere vor einer Infektion und umgekehrt. Um das zu erklären, verwendete der Physiker erneut ein Bild aus dem Straßenverkehr. „Genauso wie Autofahrer an einer roten Ampel halten, damit die anderen ungefährdet über die Kreuzung kommen. Wenn ein Teil sich jetzt plötzlich nicht mehr an die Regeln hält, bricht der Schutz teilweise zusammen.“
Ohne Maske einkaufen? Hier finden Sie eine Übersicht, welche Corona-Regeln ab Montag in ihrem Supermarkt gelten. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA