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Lungenspezialist fordert Corona-Lockerungen: „Worauf wollen wir noch warten?“

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Von: Yasina Hipp

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Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde in Moers.
Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde fordert Lockerungen der Maßnahmen. © imago/Christoph Reichwein

Eine Infektion mit der Corona-Variante Omikron verläuft meist milder als noch bei Delta. Ein Lungenspezialist fordert deswegen Lockerungen und spricht Klartext.

Moers - Angesichts der aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie werden die Rufe nach Lockerungen der Maßnahmen immer lauter. Eine Beschlussvorlage vor dem anstehenden Bund-Länder-Gipfel (16. Februar) kündigt das Ende von nahezu allen Maßnahmen am 20. März an. Das wird Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde in Moers, freuen. Er plädiert in einem Gespräch mit der Welt für schnelle Lockerungen und einem anderen Umgang mit dem Coronavirus.

Coronavirus: „Omikron ist eine Mutation, mit der wir gut zurechtkommen“

Dr. Thomas Voshaar beobachtet auf seiner eigenen Station, wie auch in anderen Krankenhäusern eine Entspannung der Lage: „Die Intensivbelegung mit Covid-Patienten wechselt natürlich von Woche zu Woche, nimmt aber nicht kontinuierlich zu.“ Die Hospitalisierungsrate, mit der eben diese Zahl berechnet wird, hält er aktuell nicht mehr für ein geeignetes Mittel zur Einschätzung der Lage. Derzeit liegt sie in Deutschland bei 5,93 (Stand: 14. Februar). Voshaaar ist sicher: „Eigentlich wäre sie sogar noch deutlich niedriger, wenn wir sie korrekt berechnen würden. Grob gerechnet können wir sie halbieren, um zur Zahl der echten Covid-Patienten zu kommen, wie das Beispiel unserer Klinik zeigt.“

Auch Omikron bereite den Krankenhäusern keine größeren Schwierigkeiten: „Omikron ist eine Mutation, mit der wir gut zurechtkommen, die dazu noch die Chance auf viele natürliche Infektionen und damit aufgefrischte und verbreiterte Immunität in der Bevölkerung bietet.“

Corona: Voshaar für Ende der Inzidenzerfassung und Tests an Grundschulen und Kitas

Aufgrund dieser Fakten sieht Voshaar keinen Grund, Lockerungen weiter hinauszuzögern: „Worauf wollen wir noch warten?“ Man müsse „rational nach den Zahlen und nach der aktuellen Situation“ beurteilen, „was zu tun und erreichbar ist“. Im Gespräch mit Welt spricht er sich dafür aus, in einem endemischen Zustand die Inzidenzerfassung sowie Kontaktbeschränkungen fallen zu lassen und die Tests an Grundschulen und Kitas zu beenden. Voshaar meint, dass diese Test „mehr Leid und soziale Schäden als Nutzen“ verursachen würden. In Krankenhäusern und Altenheimen solle weiterhin getestet werden. Und auch die Maske sei als Maßnahme in kleinen und schlecht belüfteten Räumen weiter sinnvoll.

Für Krankenhäuser empfiehlt er außerdem die Einrichtung spezieller Corona-Stationen. Damit könnten „Ressourcen von Personal und Betten“ geschont werden und für eine optimale Hygiene gesorgt werden.

Corona: Voshaar fordert Rationalität und weniger Emotionen

Im Umgang mit dem Virus, auch von der Politik, fordert der Lungenspezialist einen stärkeren Fokus auf Zahlen und Daten. Mit Angst, Vorsicht und Befangenheit könnte dadurch besser umgegangen werden. Auch mit der Kluft zwischen denjenigen, die Lockerungen fordern und denjenigen, die auf Zurückhaltung pochen: „Die vorherrschende emotionale Kontroverse fortzusetzen und Menschen zu unterstellen, sie seien unvorsichtig, weil sie Lockerungen befürworten, ist gefährlich“, so Voshaar.

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