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Omikron deutlich milder als Delta? Virologe Kekulé: „Steht nach dieser Studie fest“

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Von: Marc Dimitriu

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Eine neue US-Studie macht Hoffnung. Die Omikron-Variante scheint wohl tatsächlich deutlich milder als Delta zu sein. Dennoch gibt es ein Aber.

München - Nach den ersten Schreckensmeldungen zu Omikron machten frühe Studien Hoffnung, dass die Variante mildere Verläufe hat, als die zuvor dominierende Delta-Variante des Coronavirus. Allerdings stammten die ersten Studien aus Südafrika, wo Omikron zuerst grassierte. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Bevölkerung dort deutlich jünger ist als in Europa. Somit gibt es auch deutlich weniger Risikopatienten und mehr Menschen mit einem guten Immunsystem. Forscher mahnten, die Studien aus Südafrika mit Vorsicht zu betrachten.

Corona: Immer mehr Studien sehen milderen Verlauf bei Omikron

Doch seitdem verbreitete sich Omikron auch in Europa und traf unter anderem Großbritannien und Dänemark stark. So gibt es mittlerweile auch Studien aus diesen Ländern, die aufatmen lassen. So bestätigte eine Studie des Imperial College in London ebenfalls einen milderen Verlauf.

Nun gibt es eine weitere groß angelegte Preprint-Studie zu Omikron, die den deutschen Virologen Alexander Kekulé optimistisch macht. Forscher der University of California in Berkeley (USA) haben für ihre neue Studie die Daten von rund 70.000 Corona-Fällen analysiert. Davon waren etwa 50.000 mit Omikron infiziert, und circa 20.000 mit Delta. Die Infizierte stammten alle aus Kalifornien. Untersucht wurden dabei unter anderem das Risiko einer Hospitalisierung, einer Einweisung auf die Intensivstation und das Sterberisiko nach einer Infektion. Die Studie wurde zwar schon veröffentlicht, aber noch nicht von anderen Wissenschaftlern überprüft.

Corona-Studie zu Omikron: Deutlich niedrigeres Risiko auf Krankenhausaufenthalte oder Tod

Die Forscher kamen dabei zu folgenden Ergebnissen: Ins Krankenhaus eingeliefert wurden von den Untersuchten nur 1,8 Prozent. Davon waren 235 Omikron-Fälle (0,5 Prozent) und 222 Delta-Fälle (1,3 Prozent). Die Wahrscheinlichkeit, mit Omikron ins Krankenhaus zu kommen, ist demnach um rund 52 Prozent niedriger als bei Delta.

Auch das Risiko einer intensivmedizinischen Behandlung war bei Omikron-Infizierten um 74 Prozent niedriger als bei Delta. Die Mortalität (Sterberisiko nach einer Infektion) war mit der Omikron-Variante sogar um 91 Prozent geringer. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthalts bei hospitalisierten Patienten mit Infektionen der Omikron-Variante um 3,4 Tage kürzer als bei hospitalisierten Patienten mit Infektionen der Delta-Variante war. Die Forscher sprechen von einer Verkürzung der Krankenhausaufenthaltsdauer um etwa 70 Prozent.

In ihrem Fazit schreiben die Wissenschaftler: „Während eines Zeitraums mit gemischter Delta- und Omikron-Variantenzirkulation, waren Sars-CoV-2-Infektionen mit mutmaßlicher Omikron-Varianteninfektion mit einem erheblich reduzierten Risiko schwerer Verläufe und kürzerer Krankenhausaufenthaltsdauer verbunden.“

Virologe Kekulé teilt Omikron-Studie - und fordert Abschaffung von Quarantäne für symptomfreie Kontaktpersonen

Die Ergebnisse der Studie teile Kekulé auf Twitter und schrieb dazu: „Nach dieser weiteren Studie (Preprint) steht fest, dass Omikron deutlich milder verläuft als Delta.“

Trotz des milderen Verlaufs, bleibt Omikron aber wegen der schnellen Ausbreitung gefährlich. Deutschland verzeichnete sogar neue Rekorde bei den Neuinfektionen. Für den Fall von noch schneller ansteigenden Infektionszahlen in der Omikron-Welle hat Alexander Kekulé die Möglichkeit in den Raum gestellt, die Nachverfolgung und Quarantäne von symptomfreien Kontaktpersonen abzuschaffen. Seinen Überlegungen nach sollten Menschen mit Symptomen und bestätigten Infektionen weiterhin konsequent isoliert werden, wie er am Dienstag bei MDR Aktuell darlegte.

Virologe Alexander Kekule äußert sich zu Omikron-Studie.
Virologe Alexander Kekule äußert sich zu Omikron-Studie. © Müller-Stauffenberg/Imago

Kekulé bezeichnete es mit Blick auf eine Situation mit sehr hohen Fallzahlen aber als „völlig ausgeschlossen, dass das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen dann identifiziert“. Da würde er „ernsthaft die Möglichkeit ins Auge fassen“, die Nachverfolgung aufzugeben. (md mit dpa)

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