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Omikron-Welle schwappt über Deutschland - So sieht es auf den Intensivstationen aus

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Coronavirus - Intensivstation
Die Omikron-Variante des Coronavirus wird das deutsche Gesundheitssystem wohl nicht überlasten. © Thomas Banneyer/dpa

Die Omikron-Variante des Coronavirus wird deutsche Intensivstationen nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft nicht mehr überlasten, bleibt aber gefährlich.

München - Bis vor kurzem richtete sich die gesamte Einstellung zur Corona-Pandemie nach dem Wert der Inzidenz. Inzwischen hat jedoch ein weiterer Faktor die Inzidenz als Indikator für das Infektionsgeschehen überholt: Die Auslastung der Krankenhäuser bzw. der Intensivbetten. Zwar ist die Inzidenz immer noch ein wichtiger Punkt bei der Beurteilung der Lage, doch Bund und Länder schauen jetzt vielmehr auf die Krankenhausauslastung, um Anpassungen bei den Regeln vorzunehmen.

Mit dem Aufkommen der hochansteckenden Omikron-Variante häuften sich Sorgen um die Auslastung der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern. Eine riesige Zahl an täglichen Neuinfektionen könnte sich in ein Desaster für das Gesundheitssystem entwickeln. Allerdings entschärfte der mildere Verlauf einer Infektion mit Omikron die Lage. Zwar droht offenbar keine Überlastung, doch noch ist man nicht ganz auf der sicheren Seite.

Corona-Lage auf Intensivstationen: DKG-Chef zeigt sich optimistisch - WHO warnt und rät zur Vorsicht

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Gerald Gaß hält eine Überlastung der Krankenhäuser in Deutschland für unwahrscheinlich. „Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens“, betonte Gaß gegenüber der Bild.

Ihm zufolge haben die Corona-Maßnahmen hier einen äußerst positiven Einfluss gezeigt. Sie hätten „deutlich dazu beigetragen, dass die befürchtete Welle weniger hoch war als befürchtet“. Gaß warnte darüber hinaus vor einer zu frühen Aufhebung dieser wirksamen Maßnahmen. Er forderte ein Festhalten an den Regeln bis zum erwarteten Höhepunkt der Omikron-Welle in ein bis zwei Wochen. Danach jedoch könne die Politik „ohne Zweifel schrittweise Lockerungen für die kommenden Wochen ins Auge fassen“.

Andere Experten wiederum sind nicht so optimistisch wie Gaß, sondern nehmen lieber eine etwas vorsichtigere Position ein. So warnte etwa die Infektiologin Jana Schroeder vor vielen schweren Erkrankungen unter rund drei Millionen älteren Menschen, die nach wie vor ungeimpft gegen das Virus sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt ebenfalls zu Vorsicht angesichts der aktuellen Situation. Laut WHO-Vertreter Abdi Mahamud sind seit Erscheinung von Omikron im November 2021 mehr als eine halbe Million Menschen gestorben. „Im Zeitalter wirksamer Impfstoffe“ sei dies „wirklich etwas Besonderes“ und „mehr als tragisch“. Dem schloss sich seine Kollegin Maria Van Kerkhove an. „Wir befinden uns noch mitten in der Pandemie“, so die WHO-Expertin. Noch hätten viele Länder den Omikron-Höhepunkt nicht hinter sich, weshalb das Virus weiter „gefährlich“ bleibe.

Corona-Lage auf Intensivstationen: Divi liefert wichtige Statistiken - Auslastung am höchsten in Berlin

Wie sieht es nun also inmitten der Omikron-Welle auf den Intensivstationen aus? Hierzu liefert die „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ (Divi) Daten für jedes Bundesland. Dem Divi-Register zufolge ist die Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen in Berlin am höchsten. Dort belegen Corona-Kranke 17,9 Prozent der Betten. Darauf folgen Bremen mit 14,5 Prozent und Hamburg mit 12,6 Prozent. In den Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Saarland sieht es besser aus: Dort liegt die Belegung der Betten durch Corona-Patienten unter 10 Prozent.

Bei den Corona-Kranken auf Intensivstationen ist die Beatmungsrate ein wichtiger Indikator für die Schwere der Krankheit. Stand Februar 2022 erhalten mehr als 76 Prozent der Patienten eine respiratorische Unterstützung in Form einer nicht-invasiven oder invasiven Beatmung. Mehr als 67 Prozent davon werden bei der Atmung maschinell unterstützt - ausschließlich mit einer invasiven Beatmung.

Corona-Lage auf Intensivstationen: Bestimmte Kriterien für Verlegung - „Risiko für Ungeimpfte ist höher“

Selbstverständlich landen nicht alle Personen mit einer Corona-Infektion auf der Intensivstation. Die Verlegung auf eine Intensivstation erfolgt nach bestimmten medizinischen Kriterien, wie die Divi gegenüber t-online erklärte. „Diese werden in der Regel im Team auf der Normalstation gesammelt und bewertet und bei der Aufnahme auf der Intensivstation auch noch einmal vom dortigen Team überprüft“, so die Vereinigung.

Das Divi-Intensivregister unterscheidet auch zwischen Geimpften und Ungeimpften. Dazu gab RKI-Chef Lothar Wieler an, der Anteil der Ungeimpften, die mit Corona-Infektion in ein Krankenhaus kamen, sei bei Delta insgesamt fast so doppelt so hoch wie bei Omikron. Ein Grund, die Rolle der Impfung zu unterschätzen ist dies aber noch lange nicht. „Unsere Daten zeigen ein deutlich höheres Risiko für eine Covid-19-Erkrankung bei ungeimpften Mitmenschen“, unterstrich Wieler deutlich. (bb)

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