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„Schrecken der Pandemie ist vorbei“: Virologin mit hoffnungsvollen Worten über Corona

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Von: Nadja Zinsmeister

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Die Virologin Ukrike Protzer spricht auf einer Pressekonferenz in München.
Die Virologin Ulrike Protzer. © Sven Hoppe/dpa

Experten rechnen im Herbst fest mit steigenden Corona-Zahlen. Doch befinden wir uns aktuell noch in einer Pandemie? Eine Virologin gibt Auskunft.

München - Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen aktuell. Das zeigt unter anderem das Oktoberfest in München, das wie von Experten erwartet eine Welle ausgelöst hat. Aber nicht nur in München, sondern in ganz Bayern und anderen Bundesländern scheint die Herbst-Welle im Anmarsch zu sein. Dabei steht aktuell die Frage im Raum: Leben wir noch in einer Pandemie oder entwickelt sich Corona langsam in eine saisonale Virus-Welle wie die Wintergrippe?

Dieser Frage wollte Deutschlandfunk unter anderem in einem Interview mit der Virologin Ulrike Protzer nachgehen. Dabei ging es in dem Gespräch zunächst auch um andere Corona-Themen wie die vierte Impfung. Die neuen Impfstoffe wurden in Deutschland kürzlich zugelassen, die Stiko empfiehlt eine vierte Impfung für Menschen ab 60 Jahren oder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Corona-Verlauf.

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Virologin bewertet Stiko-Empfehlung zur vierten Impfung

Protzer bewertet diese Empfehlung als sehr positiv. Die neuen Impfstoffe eignen sich der Virologin zufolge demnach gut als Booster, also als dritte Impfung oder vierte bei Risiko-Patienten: „Es macht viel Sinn, wenn man dadurch die Immunantwort die man hat, einfach noch ein bisschen verbreitern kann.“ Eine Ausnahme stelle es dar, wenn jemand vor kurzem erst mit Corona infiziert war. Dann sei eine Booster-Impfung erst einmal nicht notwendig. „Das sind diese berühmten sechs Monate, die man warten sollte, um dem Immunsystem Zeit zu geben, auszureifen“, informiert sie weiter.

Für unter 60-Jährige fehlen unterdessen bislang ausreichende Daten, die eine vierte Impfempfehlung ausreichend unterstreichen können. Es gebe in Amerika zwar eine „große bevölkerungsbasierte Studie, die einen positiven Effekt ab 50 Jahren zeigt“. Diese Daten seien aber nicht ganz vergleichbar, da ein größerer Teil der Bevölkerung in den USA übergewichtig ist. In diesem Fall müsse man in Deutschland noch auf gezieltere Daten warten.

Impfung wichtiges Mittel zur Pandemie-Bekämpfung - ist der Schrecken nun vorbei?

Insgesamt nimmt die Virologin Kritikern, die behaupten, eine Impfung bringe nichts, den Wind aus den Segeln: „Wenn man sich die Todes-Rate anschaut, hatten wir am Anfang der Pandemie eine Rate von vier Prozent. Die ist inzwischen gesunken durch den hohen Anteil der dreimal Geimpften auf 0,1 Prozent.“ Der einzige Nachteil: Der Impfstoff ist als Covid-19 Impfstoff entwickelt worden und ist kein SARS-CoV-2-Impfstoff. Das bedeutet, er eignet sich zwar für eine Verhinderung der Erkrankung, aber „nur bedingt“ für den Schutz vor der reinen Ansteckung.

Doch wird sich Corona damit demnächst in die Reihe des winterlichen Schnupfens und der Grippe eingliedern? „Man muss bei Atemwegserkrankungen schon immer ein bisschen unterscheiden zwischen den sogenannten Schnupfenviren, die nur die Nasenschleimhäute befallen und denen, die eben auch in die inneren Organe gehen können“, unterstreicht Protzer dazu. Zu zweiterem gehöre das SARS-Corona-Virus. „Aber dadurch, dass wir eine gute Immunantwort bevölkerungsweit aufgebaut haben, hat es doch seinen ganz großen Schrecken verloren.“

Eine Aussage wie der von US-Präsident Joe Biden, dass die Pandemie nun vorbei ist, muss sie dennoch anders einordnen. Denn rein faktisch betrachtet stimmt das nicht, so leben wir immer noch in einer Pandemie. „Was damit gemeint ist, ist, dass der Schrecken der Pandemie vorbei ist, wo sich immer alle Menschen Sorgen um sich selbst und um Angehörige gemacht haben, vorbei ist. Und da sind wir glaube ich alle ganz froh darum.“ (nz)

Eine Ärztin aus Sachsen stellte in der Corona-Pandemie falsche Gesundheitszeugnisse aus. Die Ermittlungen führten die Polizei in sechs weitere Bundesländer.

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