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Anstieg der Sterbefallzahlen in Deutschland  - Übersterblichkeit nur teils mit Corona-Fällen erklärbar

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Von: Verena Möckl

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Im Zuge der Pandemie sind die Sterbefallzahlen bundesweit gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt lässt sich das seit September nur zum Teil mit den gemeldeten Corona-Todesfälle erklären.

Wiesbaden - Unter normalen Umständen geht die Sterblichkeit in Deutschland von Jahr zu Jahr zurück. Doch seit der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Todesfälle. 104.996 Menschen sind in Zusammenhang mit dem Coronavirus laut Robert-Koch-Institut (RKI) bislang bundesweit gestorben (Stand 10. Dezember 2021). Das sind 71.000 Menschen mehr als in den zwölf Monaten vor dem Beginn der ersten Welle im März 2020.

„Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst“, sagte Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Wiesbaden. Seit Anfang September lässt sich die Zunahme der Sterbefallzahlen allerdings nur noch teilweise auf die Corona-Fallzahlen des RKI zurückführen, heißt es in einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes.

Übersterblichkeit in Deutschland: Zunahme hat mehrere Gründe, Corona nur ein Teil

Die deutlich erhöhten Sterbefälle lassen sich im Oktober nur zu einem Drittel auf die Corona-Todesfallzahlen zurückführen, die beim RKI gemeldet werden, sagte Felix zur Nieden, Referent für demografische Analysen und Modellrechnungen beim Statistikamt, am Donnerstag. Der aktuelle Anstieg der Todesfälle habe mehrere Gründe. Da die Grippewelle aufgrund der Corona-Maßnahmen ausgefallen ist, könnten sich die Todesfälle innerhalb eines Jahres verschieben. Möglicherweise spiele auch die Zahl der unerkannten Covid-19-Todesfälle sowie die Folgen von verschobenen Vorsorgeuntersuchungen und Operationen eine Rolle. Genaue Zahlen dazu gebe es nach aktuellem Stand allerdings noch nicht. „Gewissheit dazu werden erst detailliertere Forschungsergebnisse bringen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Trotz Corona-Maßnahmen: Sterbefallzahlen steigen bundesweit an

In den drei bisherigen Corona-Wellen führten die COVID-19-Todesfälle zu höheren Sterbefallzahlen in Deutschland. Auch gegenwärtig in der vierten Welle ist ein Anstieg der Übersterblichkeit und der Covid-19-Todesfälle bemerkbar - trotz der Corona-Maßnahmen, wie das Statistische Bundesamt bemerkt. Was ohne oder mit milderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geschehen wäre, lasse sich nicht absehen.

2020: Mehr als die Hälfte aller Corona-Toten starben im Dezember

Die Sterberate der Gesamtbevölkerung ist im Zuge der Corona-Pandemie gestiegen
Die Sterberate der Gesamtbevölkerung ist im Zuge der Corona-Pandemie gestiegen. © Statistisches Bundesamt

Im Jahr 2020 sind in Deutschland rund 985.600 Menschen gestorben. Gegenüber dem Vorjahr haben die Todeszahlen um fünf Prozent oder 46.000 Fälle zugenommen. Am deutlichsten waren die Abweichungen in Sachsen. Dort starben 19 Prozent mehr als im Vergleich zum Jahr 2019. Zeitweise hatten sich die Sterbefallzahlen in dem Freistaat sogar im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt - laut dem Statistischen Bundesamt: „eine äußerst auffällige Entwicklung“. Die Sterbefallzahlen wichen bundesweit bislang am stärksten im Dezember 2020 und im Januar 2021 von der erwartbaren Entwicklung ab.

In dieser Woche hat das RKI erstmals 500 Corona-Tote innerhalb 24 Stunden verzeichnet - so viele wie seit Februar nicht mehr. Insgesamt müssen nach Angaben des DIVI-Intensivregister am Donnerstag, 9.Dezember, 2732 Corona-Patienten auf der Intensivstation beamtet werden. Mehr als jeder zweite Corona-Patient überlebt die Intubation nicht.

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