1. Startseite
  2. Deutschland

Virologe Stöhr zerpflückt Bund-Länder-Plan und zeigt, wo sofort gelockert werden muss - „waren nie Hotspots“

Erstellt:

Von: Jennifer Lanzinger

Kommentare

Klaus Stöhr (Epidemiologe)zu Gast bei Markus Lanz im ZDF (Symbolbild)
Der Epidemiologe Klaus Stöhr. © teutopress GmbH via www.imago-images.de (Archivbild)

Von einer deutlichen Entspannung in der Corona-Lage kann bislang nicht gesprochen werden. Doch Lockerungen könnten bereits am Mittwoch folgen. Experten sind sich uneins, deutliche Kritik folgt.

Berlin - Die Corona-Zahlen bleiben weiter auf einem sehr hohen Niveau, die Zahl der auf eine Behandlung in einer Klinik angewiesenen Patienten bleibt jedoch weiterhin relativ stabil. Die Rufe nach Lockerungen werden immer lauter. Doch die bislang geplanten Änderungen treffen nicht bei jedem Experten ins Grüne. So gibt es bereits jetzt erste Kritik durch Gesundheitsexperten an der Beschlussvorlage.

Corona-Zahlen weiter auf sehr hohem Niveau - Wird nun großzügig gelockert?

Der Virologe Klaus Stöhr rief die Regierungschefs von Bund und Ländern in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zu schnelleren Lockerungen auf. Ganz anderer Meinung ist der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. Demnach müsse beachtet werden, dass die Krankenhauseinweisungen von Corona-Patienten im Moment steigen.

„Man muss überall dort lockern, wo es nachweislich nicht zu Corona-Ausbrüchen kommt“, sagte Stöhr und ergänzte:  „Umfangreiche Lockerungen sind längst überfällig“. „Eine Aufhebung aller G-Regeln in Einzelhandel und in Gastronomie ist zwingend notwendig, da beides nie Hotspots waren.“ Der Epidemiologe kritisierte die am Montag bekanntgewordene Beschlussvorlage für das Bund-Länder-Treffen am Mittwoch, laut der schrittweise gelockert werden soll. „Da den Krankenhäusern offensichtlich keine Überlastung droht, muss ein weiteres Herauszögern von Lockerungen genau begründet werden: mit Zahlen und Fakten“, sagte Stöhr dem RND.

Ganz anderer Meinung ist der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes. Mit Verweis auf diese Zahlen kritisierte Montgomery, die geplanten Lockerungen. Es sei „problematisch“, dass in der Beschlussvorlage „unterschlagen wird, dass im Moment die Hospitalisierungszahlen und Intensiveinweisungen noch steigen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Montgomery betonte: „Es ist richtig, dass man sich einen Plan dafür macht, wie man lockern will und wie man die Lockerungen überwachen will.“ Er schränkte jedoch ein: „Dass man die Lockerungen an kalendarische Daten knüpft, halte ich für problematisch, denn das Virus kümmert sich nicht um den kalendarischen Frühlingsanfang.“ Stattdessen wäre es seiner Ansicht nach besser, „das an einen Mix von Daten zu Hospitalisierungen, Intensivbettenbelegungen und die Inzidenz der Neuinfektionen zu binden“. Andere Ärztevertreter in Deutschland loben dagegen den Drei-Stufen-Plan, der am Mittwoch beschlossen werden soll.

Corona in Deutschland: Das beinhaltet die Beschlussvorlage für den Corona-Gipfel am Mittwoch

Die Beschlussvorlage beinhaltet einen Drei-Stufen-Plan, der einen Wegfall aller Schutz-Maßnahmen außer der Maskenpflicht bis zum 20. März vorsieht. Der in der Beschlussvorlage nicht genau terminierte erste Lockerungsschritte sieht private Zusammenkünfte für Geimpfte und Genesene statt mit bisher zehn Personen für bis zu 20 Personen vor, wobei es hierüber noch keine Einigung zwischen Bund und Ländern gibt. Für Ungeimpfte sollen die bisherigen Kontaktbeschränkungen aber bis zum 19. März bestehen bleiben .Im Einzelhandel sollen im ersten Schritt bundesweit keine Beschränkungen mehr beim Zugang bestehen. Der Zugang ohne Kontrollen ist aber inzwischen sowieso bereits weitgehend in den Bundesländern gestattet.

Der zweite Lockerungsschritt wird in der Vorlage auf den 4. März terminiert. Ab dann soll überall in der Gastronomie die 3G-Regelung gelten, auch Ungeimpfte mit einem aktuellen Test können dann in die Gastronomie. Dasselbe soll für Übernachtungsangebote gelten, für Diskotheken und Klubs soll dann die 2G-Plus-Regelung greifen. Das heißt, Ungeimpfte sollen hier weiter zunächst ausgeschlossen bleiben.

Im zweiten Schritt sollen außerdem wieder mehr Menschen zu überregionalen Großveranstaltungen zugelassen werden. Ab dem 20. März sollen dann alle tiefergreifenden Schutzmaßnahmen entfallen. Neben Kontakt- und Zugangsbeschränkungen soll dann auch die Homeoffice-Pflicht auslaufen. Arbeitgeber können Homeoffice aber weiter anbieten, insbesondere bei Großraumbüros. Die Maskenpflicht soll aber über den 20. März hinaus in Innenräumen sowie Bussen und Bahnen gelten.

Eine Infektion mit der Corona-Variante Omikron verläuft meist milder als noch bei Delta. Ein Lungenspezialist fordert deswegen Lockerungen.

Auch interessant

Kommentare