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Virologe nennt neue Schnelltest-Daten im BR „ernüchternd“ - und watscht absichtliche Corona-Anstecker ab

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Von: Franziska Schwarz

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Oliver Keppler im Corona-Interview am 12. Februar 2022 in der „Rundschau“ des Bayerischen Rundfunks.
Oliver Keppler (l.) berichtet in der BR-„Rundschau“ über Untersuchungen zu Corona-Schnelltests. © Screenshot: BR24 Rundschau

Schnell in die Drogerie oder zur Teststelle, bevor man die Großeltern besucht? Oliver Keppler warnt davor, sich in der fünften Welle zu sehr auf Schnelltests zu verlassen.

München - Die Bilder begleiten die Pandemie schon seit Beginn: Größere Zusammenkünfte trotz Corona. Bereiten Oliver Keppler angesichts der Omikron-Welle volle Tische, volle Säle, volle Räume Sorgen? Kommen Lockerungen in Deutschland womöglich zu früh? Der Münchner Virologe zeigte in der Frage jetzt eine ganz andere Meinung als sein Kollege Klaus Stöhr - allerdings, während er neue Erkenntnisse zu PCR-Tests darlegte. Sie könnten im Alltag falsche Sicherheit vermitteln, meint er.

In der fünften Welle brauche man die „richtige Balance“ zwischen Vorsicht angesichts des Infektionsgeschehens und Hoffnung auf Schritte in eine Normalität, sagte Keppler am Samstag in der „Rundschau“ (BR). Und anders als Stöhr urteilte er: „Das hat Deutschland bisher sehr gut gemacht.“

Dann kam Keppler auf jüngste Daten der Ludwig-Maximilians-Universität München zu sprechen. Sein Institut untersuchte die Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests bei Omikron: „Das Ergebnis war ernüchternd.“ Acht von neun in Deutschland sehr häufig verwendeten Schnelltests wiesen eine Infektion mit dieser Corona-Variante schlechter nach als eine mit Delta. Die Studie wird aktuell noch begutachtet und in dieser Woche publiziert, so br24.de.

Virologe Keppler: „Negativer Schnelltest kein Freifahrtschein“

Nur zwei der Tests waren in der Untersuchung laut Keppler in einem „vernünftigen Rahmen“ gerade für den höheren Viruslast-Bereich. Aber schon in der zweithöchsten Viruslast-Kategorie hätten selbst diese vermeintlich guten Tests nur noch zehn Prozent der Ansteckungen erkannt.

Bieten in diesem Fall vielleicht zwei, drei Schnelltests hintereinander mehr Sicherheit?, wollte der „Rundschau“-Moderator wissen. Auch bei dieser „Strategie“ riet Keppler zu Vorsicht. Ein negativer Schnelltest sei nie ein „Freifahrtschein“. Gerade in der Frühphase der Infektion versagten diese Tests häufig und böten keine Garantie, vulnerable Gruppen nicht anzustecken.

Oliver Keppler im Interview vom 12. Februar 2022 in der „Rundschau“ des Bayerischen Rundfunks.
Warnt vor Corona-Schnelltests als „Freifahrtschein“: Der Münchner Virologe Oliver Keppler © Screenshot: BR24 Rundschau

Corona-Warn-App auf Rot: Münchner Virologe empfiehlt „AHA-Regel“

Zunehmen sehen Menschen den roten Warnhinweis in ihrer Corona-App. Was ist dann zu tun, lautete eine weitere Frage. Etwa tägliches Testen? „Hier muss man auch mal einen Schritt zurücktreten und sehen, dass es noch andere Maßnahmen für Vorsicht gibt“, befand Keppler und verwies auf die allbekannten Regeln: Masken vor allem in Innenräumen, häufiges Lüften - gerade im Büro.

„Und wenn man es wirklich wissen will: Dann bitte einen PCR machen, die deutschen Großlabore haben ausreichende Kapazitäten, um innerhalb eines Tages Rückmeldung zu geben“, empfahl er. Für kostenlose PCR-Tests gelten hierzulande seit dem Samstag (12. Februar) allerdings neue Regeln.

Keppler und Ciesek einer Meinung: Vorsätzliche Corona-Infektion gefährlich

Auch eine Konstante seit Pandemiebeginn: Berichte über Menschen, die sich absichtlich mit Corona anstecken. Keppler hält das - ebenso wie seine Kollegin Sandra Ciesek - für eine gefährliche Einstellung: „Hier gibt es glaube ich eine Fehlwahrnehmung zur Schwere von Omikron-Infektionen.“

Besonders ältere Nicht-Geimpfte bekämen laut Zahlen aus den USA und Israel „sehr viele schwere Verläufe“ und es gebe auch viele Todesfälle. Deshalb solle man in den nächsten Wochen noch vorsichtig sein - „und dann können wir hoffentlich entspannter in den Sommer gehen. (frs)

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