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Corona-Varianten BA.4 und BA.5 – Virologe warnt: „sehr ansteckend und möglicherweise pathogener“

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Von: Momir Takac

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Die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 sind ansteckender als ihre Vorgänger. Lösen sie auch schwerere Verläufe aus? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.

München - Die nächste Corona-Welle in Deutschland nimmt Fahrt auf. Dass die Infektionszahlen wieder stark steigen, ist auf die schnelle Ausbreitung der Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 des Coronavirus zurückzuführen. Am 21. Juni wurden in Deutschland mehr als 120.000 neue Corona-Fälle gemeldet.

In seinem Wochenbericht vom 16. Juni bezifferte das Robert-Koch-Institut den Anteil von BA.5 an den Corona-Fällen auf 23,7 Prozent. Nach 11,5 Prozent in der Vorwoche hat sich die Menge mehr als verdoppelt. Auch der Anteil der Variante BA.4 habe sich innerhalb einer Woche nahezu verdoppelt.

BA.5: RKI sieht noch keine Anzeichen, dass die neue Omikron-Mutante pathogener ist

Während das RKI mit einer rasanten Ausbreitung der Varianten in den kommenden Wochen rechnet, hat es keine Hinweise darauf, dass sie einen schwereren Krankheitsverlauf oder gar mehr Todesfälle verursachen können. Das machte RKI-Vize Lars Schaade auf einer Pressekonferenz in Berlin noch einmal deutlich.

Ein Gefahrenschild mit dem Coronavirus-Symbol und der Aufschrift Omikron BA.4 BA.5
Die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 des Coronavirus breiten sich rasant in Deutschland aus. © IMAGO/Christian Ohde

Doch einige Wissenschaftler sehen das anders. Für den Mediziner Jan Hartmann etwa häufen sich Hinweise, „dass [der] intrinsische Schweregrad von BA.4 /.5 sich wieder in Richtung Delta bewegt“, schreibt er auf Twitter. „Ein Grund für weniger schwere Verläufe von BA.1 war mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass das Virus seinen bevorzugten Eintrittsweg in die Zelle verändert hatte.“

Coronavirus: Mit BA.5 infizierte Hamster zeigen schwerere Verläufe als bei vorherigen Omikron-Varianten

Weil das Coronavirus wieder mittels Enzyme in die Zellen gelangt, sei ein stärkerer Lungenbefall sehr wahrscheinlich, schreibt Hartmann weiter. Auf welcher wissenschaftlichen Basis seine Aussagen fußen, wird in den Tweets jedoch nicht klar. Virologen zufolge treten bei den neuen Corona-Varianten wieder vermehrt ähnliche Symptome wie bei einer Bronchitis auf.

Handfester ist da schon eine Studie aus Japan, die Ende Mai veröffentlicht wurde. Sie untersuchten Verläufe bei Hamstern, die mit den Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 infiziert waren. Das Ergebnis der Experimente: Die neuen Corona-Mutationen sind pathogener als BA.2, lösen also schwerere Krankheitsverläufe aus.

Omikron-Variante BA.5 „beunruhigt“ Christian Drosten

Auch der Virologe Friedemann Weber glaubt, dass die neuen Varianten schwerere Krankheitsverläufe verursachen. „Nach bisherigen Daten sind diese beiden Varianten, die nun dominant werden, leider sehr ansteckend und eventuell auch pathogener“, sagte er gegenüber FOCUS Online. Es sei möglich, „dass der momentane Anstieg noch eine Weile anhält und auch zu einer Zunahme an Todesfällen führt - so wie es in Portugal zu beobachten ist“, sagte Weber weiter. Die Entwicklung in Portugal „beunruhigt“ auch den Virologen Christian Drosten.

Etwas vorsichtiger äußerte sich Sandra Ciesek. „Ich halte es für möglich, dass BA.5 wieder etwas pathogener sein könnte, aber das ist abschließend nicht geklärt“, sagte die Frankfurter Virologin im NDR-Podcast. (mt)

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